Dienstag, 20. Dezember 2016

IS bekennt sich zu Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat sich zu dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin bekannt.

Beim Anschlag kamen 12 Menschen ums Leben.
Beim Anschlag kamen 12 Menschen ums Leben.

Der IS beanspruchte den Angriff mit zwölf Toten am Dienstag über sein Sprachrohr Amaq für sich. Auf dem Weihnachtsmarkt bei der Gedächtniskirche in der Nähe des Kurfürstendamms war am Montagabend ein Lkw in die Menge gerast.

Der Täter sei ein „Soldat des Islamischen Staates“ gewesen, meldete Amaq im Internet. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle im Internet verbreitet.

Auch die Form der Erklärung entspricht früheren Bekenntnissen der Extremisten. Die Operation sei eine Reaktion auf Aufrufe, die Bürger der Staaten der internationalen Koalition anzugreifen.

Schon früh Vermutungen über islamistischen Hintergrund

Die Sicherheitsbehörden hatten zuvor die Vermutung geäußert, dass der Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt einen islamistischen Hintergrund habe.

Die Vorgehensweise des Täters und die Tatsache, dass dieser einen Weihnachtsmarkt als Ziel ausgewählt habe, ließen auf ein islamistisches Motiv schließen, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank. Dabei handle sich aber um keine unumstößliche Annahme. Man müsse weiter in alle Richtungen ermitteln.

Der Täter ist offenbar noch auf freiem Fuß. Ein am Tatabend festgenommener Verdächtiger wurde am Dienstag wieder freigelassen. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse hätten keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten ergeben, erklärte Generalbundesanwalt Frank.

Erinnerungen an Nizza

Der IS hatte sich im vergangenen Juli auch zu dem Anschlag in Nizza bekannt, wo ein Tunesier mit einem Lastwagen 86 Menschen tötete. Die Extremisten reklamierten kurz danach auch die Anschläge in einem Zug in Würzburg und bei einem Musikfestival in Ansbach für sich. Auch für die Terrorakte in Paris und Brüssel hatte der IS die Verantwortung übernommen.

Deutschland steht schon seit längerem im Visier der Extremisten, da sich die Bundeswehr in Syrien und im Irak am Kampf gegen den IS beteiligt. Im Irak unterstützt die Bundeswehr kurdische Peshmerga-Kämpfer mit Waffen und Training. Deutsche Tornados fliegen zudem in Syrien Aufklärungsflüge, mit denen sie die von den USA geführte internationale Koalition unterstützen.

Die Extremisten hatten in den vergangenen Monaten in Syrien und im Irak mehrere schwere Niederlagen erlitten. So verloren sie in beiden Ländern wichtige Bastionen.

Im Nordirak läuft seit Wochen eine Offensive auf die IS-Hochburg Mosul. Beobachter hatten damit gerechnet, dass der IS auf die Niederlagen mit Terrorakten reagieren würde.

apa/dpa

stol