Dienstag, 12. Juli 2016

Jetzt ist es fix: Geburtenstation Sterzing schließt

Die Geburtenstation von Sterzing wird mit 31. Oktober geschlossen. Das hat die Landesregierung am Dienstag beschlossen.

Graue Wolken ziehen über das Krankenhaus Sterzing: Die Geburtenstation soll mit Ende Oktober geschlossen werden.
Badge Local
Graue Wolken ziehen über das Krankenhaus Sterzing: Die Geburtenstation soll mit Ende Oktober geschlossen werden. - Foto: © STOL

Am Ende war alles Hoffen und Bangen in Sterzing vergebens: Die Landesregierung sprach sich am Dienstag für 5 Geburtshilfen im Land aus. Wie bekannt, stehen allerdings 7 Krankenhäuser in Südtirol. Nach der Geburtshilfe von Innichen, die bereits geschlossen wurde, trifft es nun Sterzing: Die Abteilung dort soll Ende Oktober ihre Türen schließen. Für Schlanders will sich das Land um eine Ausnahmeregelung bemühen.

Komitee gibt Gutachten ab

Wie berichtet, muss das Land bis 29. Juli ein Konzept für die Geburtshilfen nach Rom schicken. Die Empfehlung des technischen Komitees zur Betreuung rund um die Geburt, die am Montagnachmittag ausgesprochen wurde, ist laut Aussendung des Landes klar: Vordergründiges Ziel sei und bleibe die Sicherheit von Mutter und Kind. Die Qualitäts- und Sicherheitsstandards müssten gewährleistet sein. Nur bei aktivem Dienst aller vier Berufsbilder – Hebamme, Gynäkologe, Anästhesist und Pädiater – 24 Stunden auf 24 Stunden und dies 365 Tage im Jahr würden die Vorgaben der Staat-Regionen-Konferenz aus dem Jahre 2010 erfüllt und damit strafrechtliche Folgen für das Personal und die Verantwortlichen ausgeschlossen.
"Dieses fachliche Gutachen bildet die Grundlage und ist integrierender Bestandteil des Beschlusses, den die Landesregierung heute getroffen hat", betonte Landeshauptmann Arno Kompatscher nach der Sitzung der Landesregierung. Neben dieser fachlichen Bewertung sei auch den Entfernungen bei der Entscheidung Rechnung getragen worden. 

„Zukunft des Krankenhauses garantiert“

"Die Zukunft des Krankenhauses Sterzing wird durch die ausgebaute Orthopädie, die Neuroreha mit mehr Betten und eine umfassende Betreuung rund um die Geburt garantiert", sagte Landeshauptmann Kompatscher. "Wir schaffen ja nicht die Gynäkologie ab, sondern schließen nur einen Teilbereich davon."

Die wohnortnahe Betreuung der Mütter und Kinder vor und nach der Geburt soll in allen Gesundheitsbezirken ausgebaut werden. Innerhalb 30. September werde das Konzept dazu vorlegen, das die damit beauftragte Arbeitsgruppe derzeit erarbeitet. 

Freiheitliche: "Landesregierung hätte eingreifen können"

Die Freiheitlichen zeigten sich über die (zum Zeitpunkt der Presseaussendung noch ungewisse) Schließung empört. Sie hinterfragten die Aussage der Landesregierung, dass diese zur Einhaltung von staatlichen Gesetzesbestimmungen verpflichtet sei und dass ihr bei der Schließung der Geburtenstationen in den peripheren Krankenhäusern die Hände gebunden seien.

Die blaue Partei sehe viel mehr eine Nachlässigkeit von Seiten des Landes bereits im Jahr 2010, als die Rationalisierungsmaßnahmen in einem Abkommen der Staat-Regionen-Konferenz beschlossen und eingeleitet wurden. 

"Hochbrisant ist in diesem Zusammenhang, dass die Vertreter der Südtiroler Landesregierung bei der Sitzung nicht erschienen waren und sich so nicht einmal gegen die spontane Behandlung dieses Abkommens (denn es stand gar nicht auf der Tagesordnung) widersetzen, geschweige denn sich an der Abstimmung beteiligen konnten", so die Freiheitlichen. 

Auch bei der Sitzung der Staat-Regionen-Konferenz 2014, in der eine grundlegende Neueinstufung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards in den Krankenhäusern vorgenommen wurden, sei kein Vertreter der Landesregierung anwesend gewesen. "Somit sind diese neuen Standards notgedrungen auch in Südtirol innerhalb 01.01.2016 einzuführen."

BürgerUnion: "Landesregierung hat nicht alle Mittel ausgeschöpft"

Der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion, Andreas Pöder, blies in ein ähnliches Horn. Er wirft der Landesregierung und den SVP-Arbeitnehmern vor, in der Frage der Sterzinger Geburtenabteilung versagt zu haben. 

"Die Landesregierung hat nicht, wie es der Landtag noch vor letzte Woche klar beschlossen hat, alle rechtlichen und politischen Mittel zum Erhalt der Geburtenabteilung in Sterzing ausgeschöpft", so der Landtagsabgeordnete in einer Stellungnahme am Dienstag.

Pöder setzt nun auf den Landtag. Die vierte Gesetzgebungskommission - die auch für die Sanität verantwortlich ist - solle einen Lokalaugenschein in Sterzing vornehmen und Experten sowie Vertreter des betroffenen Krankenhauses anhören, meinte der Landtagsabgeordnete.

Nun müsse der Landtag die Sterzinger Geburtenstation retten und einen entsprechenden Beschluss an die Landesregierung formulieren.

Süd-Tiroler Freiheit: "Langfristig ganzes Krankenhaus in Frage gestellt"

Die Süd-Tiroler Freiheit schoss am Dienstag ebenfalls scharf gegen die SVP. Mit der Schließung gefährde die Landesregierung die Gesundheitsversorgung im Wipptal und würde langfristig auch das gesamte Krankenhaus Sterzing in Frage stellen, so der Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, Sven Knoll, in einer Aussendung.

Für Knoll sei es unverständlich wie bei einem "üppigen Landeshaushalt von mehr als 5 Milliarden Euro bei der Gesundheit der Bürger gespart werden soll". Er habe sich bei einem Lokalaugenschein in Sterzing mit Ärzten und Mitarbeitern getroffen und feststellen können, dass das Krankenhaus Sterzing seine Hausaufgaben gemacht habe, alle gesetzlichen Vorgaben erfülle und die Schließung absolut nicht gerechtfertigt sei, so der Landtagsabgeordnete.

stol

stol