Wird ein Toter mit Hinweisen auf Gewalteinwirkung durch eine andere Person gefunden, „sagt“ der Leichnam selbst zu den Ermittlern: Es war Mord! Doch was, wenn keine Leiche da ist? <BR /><BR />Dann sei ein Mordprozess trotzdem möglich, sagt der langjährige Richter am Bozner Landesgericht, Edoardo Mori: „Dann kommt es auf den logischen Beweis an, dass es nur so und nicht anders abgelaufen sein kann.“ In diesem Fall komme den technisch-forensischen Indizien und den Zeugenaussagen ein besonderes Gewicht zu. Anhand dieser müsse die Staatsanwaltschaft eine logische Beweisführung aufbauen, die keine anderen Schlüsse zulasse. <BR /><BR /> Ein bekannter Fall ist jener von Roberta Ragusa, die in der Nacht zwischen dem 13. und 14. Jänner 2012 in Gello San Giuliano Terme in der Toskana verschwunden ist. Im Jahr 2019 hat das Kassationsgericht – obwohl der Leichnam der Frau bis heute nicht aufgetaucht ist – den Schuldspruch für ihren Ehemann wegen Mord und Leichenbeseitigung bestätigt. <BR /><BR />Auch in Südtirol gab es einen Mordprozess ohne Leiche, und zwar gegen Ernst Schrott im Jahr 1997. Petra Lunardi war am 28. Februar 1993 spurlos verschwunden. In Schrotts Behausung wurden Gegenstände, die der Frau gehört hatten, gefunden, doch der Beweis, dass er sie getötet hatte, reichte nicht aus. <BR /><BR /><b>Das Rätsel um eine Frau</b><BR /><BR />In einem anderen Vermisstenfall – jenem von Irida Prantner aus Bozen, von der seit 13. Juli 2002 jede Spur fehlt – stand zwar der Verdacht im Raum, sie könnte einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein, der Fall wurde dann aber schon in der Ermittlungsphase zu den Akten gelegt. 2012 stellten die Hinterbliebenen den Antrag, sie für tot zu erklären. Was mit ihr geschehen ist, bleibt ein Rätsel.<BR /><BR />Eine andere Wende nahm der Fall der am 31. Mai 2001 verschwundenen Geschäftsfrau Ingeborg Larcher aus Meran. Unter Verdacht, sie getötet zu haben, geriet ihr Lebensgefährte Klaus Butz. Ermittelt wurde in Bozen und in Landshut. <BR /><BR />Obwohl Larchers Leichnam nie auftauchte, musste sich Butz dort schließlich vor Gericht verantworten. Seine Verurteilung wurde im Dezember 2007 rechtskräftig. Das Gericht schloss anhand einer logischen Beweiskette auf Mord – fußend auf Zeugenaussagen, Larchers Charakter und Butz Verhalten nach ihrem Verschwinden.