Mittwoch, 07. Dezember 2016

Korruption, Steuerhinterziehung und Co. - Wie denkt Südtirol?

Seit 2003 wird weltweit am 9. Dezember der Welt-Anti-Korruptionstag begangen. Im Vorfeld dieses „besonderen Tages“ hat das Landesinstitut für Statistik (ASTAT) die Meinungen der Südtiroler Bevölkerung über Korruption eingeholt. Aber nicht nur über Korruption, das ASTAT wollte auch wissen, wie die Südtiroler über Steuerhinterziehung, das Abstellen von Sperrmüll oder das Abschreiben in der Schule denken.

Korruption, Steuerhinterziehung und Abschreiben - Wie denken die Südtiroler?
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Korruption, Steuerhinterziehung und Abschreiben - Wie denken die Südtiroler? - Foto: © shutterstock

Für den Großteil der Südtiroler Bevölkerung, nämlich 44 Prozent, so die ASTAT-Daten, ist Korruption definitiv nichts Selbstverständliches und absolut kein Merkmal der Gesellschaft und Wirtschaft sei. Fast 25 Prozent schließen sich dieser Meinung weitgehend an.

Ein Drittel meint: „Korruption nicht zu vermeiden“

Ein Drittel der befragten Südtiroler ist hingegen ziemlich oder sehr davon überzeugt, dass es nicht möglich sei, Korruption zu vermeiden und zu bekämpfen.

Stellt sich die Frage, ob die Südtiroler Korruption anzeigen würden.

Anzeige gilt als riskant

In Südtirol stimmen 15 Prozent der Bevölkerung der Aussage sehr zu, dass es gefährlich sei, Korruption anzuzeigen. Weitere 44,3 Prozent der Südtiroler sind der Meinung, dass eine Anzeige von Korruption gewisse Risiken mit sich bringe. Umgekehrt denken allerdings 17 Prozent, dass eine solche Anzeige überhaupt nicht gefährlich sei.

Kavaliersdelikt Schwarzzahlung

Die ASTAT-Erhebung erfasste nicht nur die Einstellungen zur Korruption, sondern ging auch der Frage nach, ob Südtiroler bereit sind, Rechnungen schwarz zu zahlen. Das Resultat: Ein Teil davon ist es.

Auf die Frage, ob man etwa einen Arzt oder Rechtsanwalt bzw. einen Mechaniker oder Installateur ganz - oder zumindest - teilweise schwarz zahlen würde, meinten 44,3 Prozent der Südtiroler: Ja.

Sieht man sich die Antworten im Detail an, so würden 35 Prozent von Schwarzzahlungen Gebrauch machen, wenn es sich für sie auszahlt, und 9,3 Prozent, um weitere Diskussionen zu vermeiden.

Ähnliche Ergebnisse zeigen sich auch bei den Fragen nach dem Verhalten der Südtiroler Bevölkerung bei einem solchen Vorschlag durch einen Händler oder Gastwirt.

Bei Sperrmüll sensibel

Die ASTAT-Studie beschäftigt sich allerdings auch mit anderen Vergehen, etwa mit der unsachgemäßen Entsorgung von Sperrmüll. Dass Sperrmüll einfach irgendwo abgestellt wird, finden Südtiroler nicht besonders witzig: Diese Verhaltensweise erreicht eine durchschnittliche Bewertung von 9,5 auf einer Skala von 0 bis 10, wobei 10 für sehr schlimm steht.

Als fast genauso schlimm werden Korruption und Amtsmissbrauch angesehen. Keine Steuern zu bezahlen wird zwar etwas weniger stark verurteilt, erreicht aber immerhin eine durchschnittliche Bewertung von 8,6.

30 Prozent finden Steuerhinterziehung "okay"

Genauer unter die Lupe genommen haben die Statistiker auch die Südtiroler Bereitschaft zur Steuerhinterziehung. 70 Prozent der Südtiroler Bevölkerung sind der Meinung, dass Steuerhinterziehung in keinem Fall gerechtfertigt sei. 30 Prozent finden hingegen, dass sie unter bestimmten Umständen gerechtfertigt sein könnte.

„Freunderlwirtschaft“ gehört dazu

Auch das Phänomen der „Freunderlwirtschaft“ fand Eingang in die aktuelle ASTAT-Studie.

Für mehr als die Hälfte der Südtiroler ist es richtig, eine Arbeit über persönliche Empfehlung zu bekommen. Fast ein Viertel der Südtiroler Bevölkerung denkt, dass eine persönliche Empfehlung für eine Stelle gerechtfertigt sei, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, eine Arbeit zu finden. 28 Prozent finden dieses Vorgehen richtig, wenn jemand die Stelle verdiene.

Mehr als die Hälfte findet Abschreiben nicht schlimm

Schlussendlich evaluierte das ASTAT das Thema „Abschreiben in der Schule“

Für knapp 47 Prozent der Südtiroler ist das Abschreiben in der Schule schlimm bzw. sehr schlimm. 53 Prozent sind hingegen genau gegenteiliger Meinung.

lpa/stol

stol