Donnerstag, 24. März 2022

Lebenserwartung gesunken, Zahl der außerehelichen Kinder versiebenfacht

Das Landesstatistikinstitut Astat hat am Donnerstag statistische Zahlen aus dem Jahr 2020 veröffentlicht. Die Ergebnisse sind durchaus interessant: In Südtirol lebt man zwar immer noch länger als im Rest Italiens, aber die Lebenserwartung ist gesunken. Es wurden so wenige Ehen geschlossen, wie seit dem Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr und die Zahl der außerehelichen Kinder ist stark angestiegen.

In Südtirol wurden 2020 so wenige Ehen geschlossen wie seit dem Ende des 2. Weltkriegs nicht. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Scheidungen gestiegen. - Foto: © dpa-tmn / Andrea Warnecke



Mehr Todesfälle als Geburten wegen Corona

Der Wachstumstrend ist allerdings nicht homogen: Während der Bevölkerungszuwachs in einigen Bezirken sowohl vom natürlichen Wachstum als auch vom Wanderungssaldo bestimmt wird, weisen neben der Landeshauptstadt erstmals auch die Bezirksgemeinschaften Wipptal, Überetsch-Südtiroler Unterland und das Burggrafenamt ein Geburtendefizit auf. Hauptgrund dafür ist die zunehmende Sterblichkeit aufgrund von Covid-19.

Bozen verzeichnet seit jeher landesweit die geringsten Geburtenraten und die höchsten Sterberaten, was vor allem auf die fortschreitende Alterung der Stadtbevölkerung zurückzuführen ist und auch von der Gebärfreudigkeit junger Zuwanderer nicht aufgewogen wird. In den beiden Bezirksgemeinschaften Salten-Schlern und Überetsch-Südtiroler Unterland konnte zudem ein negativer Wanderungssaldo festgestellt werden. Das heißt, dass im Bezugsjahr weniger Menschen zugewandert als abgewandert sind.

1,71 Kinder pro Frau

Im Jahr 2020 verzeichnet die Bezirksgemeinschaft Vinschgau mit 11,3 Lebendgeborenen je 1000 Einwohner die stärkste Geburtenentwicklung. Die Gesamtfruchtbarkeitsziffer (GFZ), die die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau im gebärfähigen Alter angibt, hat sich in den vergangenen 10 Jahren etwas erholt und liegt im Jahr 2020 bei 1,71 Kindern. Das ist die höchste GFZ auf dem gesamten Staatsgebiet, wo eine Frau im Laufe ihres Lebens durchschnittlich 1,24 Kinder zur Welt bringt.

45,5 Prozent Kinder außerhalb der Ehe geboren

Auffallend ist der beachtliche Anstieg des Anteils der außerehelich geborenen Kinder in den letzten Jahren: Hatten im Jahr 1969 lediglich 6,3 Prozent der Kinder Eltern, die zum Zeitpunkt der Geburt nicht verheiratet waren, ist ihre Quote im Jahr 2020 auf 45,5 Prozent angestiegen und hat sich somit versiebenfacht.

In Südtirol lebt man länger, trotzdem sinkt die Lebenserwartung

Auch was die Langlebigkeit angeht, liegt Südtirol über dem gesamtstaatlichen Durchschnitt. Die hohe Zahl an Todesfällen wirkt sich jedoch auch hierzulande auf die Berechnung der Lebenserwartung aus. Im Pandemiejahr 2020 nahm die Lebenserwartung gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Jahre bei den Männern (80,6 Jahre) und 1,3 bei den Frauen (85,0 Jahre) ab.

Durchschnittalter beträgt 43,2 Jahre

Das Durchschnittsalter der Gesamtbevölkerung beträgt derzeit 43,2 Jahre und ist 4 Jahre höher als noch vor zwei Jahrzehnten. Der Altersstrukturkoeffizient liegt bei 127,6 älteren Menschen (65 Jahre und mehr) je 100 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren.

So wenige Eheschließungen wie seit Ende des 2. Weltkriegs nicht mehr

Das Verhalten in Bezug auf Familiengründung, Eheschließung, Trennung und Scheidung hat in entscheidendem Maße den gesellschaftlichen Wandel mitgeprägt. Trotz des leichten Aufwärtstrends der Eheschließungen in den letzten Jahren führt der Verlauf der Eheschließungsraten eine fortschreitende Heiratsunwilligkeit vor Augen: Während sich in den 1960er Jahren noch 7 bis 8 Paare je 1000 Einwohner trauen ließen, ist dieser Wert im Corona-Jahr 2020, das pandemiebedingt von Einschränkungen und Schließungen geprägt war, auf einen historischen Tiefstand gesunken. Insgesamt gingen im Jahr 2020 1687 Paare den Bund der Ehe ein. Die ist die niedrigste seit Ende des zweiten Weltkrieges.

Mehr Scheidungen

Zugleich gehen immer mehr Ehen in die Brüche: Die Scheidungsrate ist bis 2016 kontinuierlich angestiegen und liegt im Jahr 2020 bei 11,3 Scheidungen je 10.000 Einwohner. Besonders die Jahre 2015 und 2016 verzeichnen einen verstärkten Zuwachs, wohl auch aufgrund der neuen vereinfachten Regelung des Scheidungsverfahrens. Gegenüber dem Vorjahr haben die Scheidungen im Bezugsjahr jedoch um 13,0% abgenommen, was vermutlich auf die Pandemie zurückzuführen ist. 77,4 Prozent der Ehen enden durch den Tod des Partners bzw. der Partnerin.





stol

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