Freitag, 22. Mai 2020

Eurac: Mehr als die Hälfte der Südtiroler Fauna schon erfasst

Zum Internationalen Tag der Artenvielfalt und genau ein Jahr nach offiziellem Projektstart ziehen Forscher von Eurac Research Bilanz.

Die Wissenschaftler  der Eurac bei der Tagfalter-Erhebung.
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Die Wissenschaftler der Eurac bei der Tagfalter-Erhebung. - Foto: © eurac
Über 1100 Tier- und Pflanzenarten sind erhoben und 64 Standorte untersuchten die Wissenschaftler im 1. Erhebungsjahr des Biodiversitätsmonitorings. Die Standorte sind über ganz Südtirol verteilt und umfassen verschiedene Lebensräume wie Wiesen, Wälder, Weinberge, Siedlungsgebiete, Feuchtgebiete und alpine Lebensräume.

Insgesamt erhoben die Forscher bisher mehr als 1100 Tier- und Pflanzenarten. Für die untersuchten Tiergruppen bedeutet das, dass sie schon mehr als die Hälfte der in Standardwerken zu Südtirol erfassten Arten identifiziert haben. Mit dem systematischen und langfristig angelegten Biodiversitätsmonitoring möchten die Wissenschaftler von Eurac-Research im Auftrag des Landes erstmals ein genaues Bild über die Artenvielfalt und ihre Entwicklung in Südtirol liefern. Unterstützt werden sie vom Naturmuseum Südtirol und vom Amt für Natur.

Einfluss von Diversitätsjahr 2020 wird sich in einigen Jahren zeigen

Welchen Einfluss der Corona-bedingte Lockdown auf die Tier- und Pflanzenwelt in Südtirol hat, lässt sich gegenwärtig nicht sagen, da es noch keine fundierten Daten dazu gibt, wie die Wissenschaftler betonen. Es werde sich jedoch anhand von mehrjährigen Erhebungen zeigen, ob 2020 ein außergewöhnliches Diversitätsjahr ist.

Insgesamt liegen gemäß Projektvorhaben noch 4 Erhebungsjahre vor den Forschern, an denen rund 250 weitere Standorte beprobt werden. Die Bilanz nach dem ersten Arbeitsjahr: 86 Vogelarten – das sind gut die Hälfte der im Südtiroler Brutvogelatlas aufgelisteten Arten – sind anhand ihres Gesangs schon identifiziert; dazu kommen 49 erfasste Heuschreckenarten, 104 Schmetterlingsarten und 15 Fledermausarten – jeweils mehr als die Hälfte der für Südtirol bekannten Arten – sowie 850 verschiedene Gefäßpflanzen.

„Es überrascht uns im positiven Sinn, dass es uns gelungen ist, nach einem Jahr und einem Fünftel der gesamten Standorte schon einen so hohen Prozentsatz der Arten zu finden. Das zeigt, dass unsere Arbeit gut vorangeht und wir mit unserem Ansatz die Biodiversität in Südtirol gut abbilden können“, freut sich Andreas Hilpold von Eurac Research, der das Biodiversitätsmonitoring Südtirol koordiniert.

Über 1 Million Einzeldaten zu Flora und Fauna

Die flächendeckende Bestandsaufnahme ist sehr aufwendig, rund 15 Experten aus dem In- und Ausland sind für das Monitoring in Südtirol unterwegs, darunter Insektenforscher, Fledermausexperten, Bodenökologen und Spezialisten für Moospflanzen.

Wie wichtig ein solches Monitoring nach festgelegtem Standardprotokoll ist, erklärt Hilpold: „In der Datenbank des Naturmuseums Südtirol gibt es schon über eine Million Einzeldaten zur Flora und Fauna vom 19. Jahrhundert bis heute. Die Daten sind zwar wertvoll, allerdings sind sie nur zu einem sehr kleinen Teil systematisch erhoben worden und zum Teil auch sehr ungenau verortet. Daher lassen sich daraus nur schwer exakte Rückschlüsse über Entwicklungstrends und ökologische Zusammenhänge ziehen.“

Die aktuelle systematische Bestandsaufnahme soll fortlaufend wiederholt werden, damit die Forscher verstehen können, wie sich die eingesetzten Methoden in der Landnutzung – wie zum Beispiel das Düngen – auf einzelne Organismengruppen auswirken und wie sich die Biodiversität mit der Zeit verändert, in bestimmten Landschaftstypen, auf bestimmten Höhenstufen und im gesamten Land.

Landesrat für Land- und Forstwirtschaft, Zivilschutz und Tourismus Arnold Schuler betont: „Wenn wir ganz Südtirol und die einzelnen Produktionsweisen betrachten, bin ich überzeugt, dass wir im Vergleich mit anderen einen guten Stand haben, aber auch hier verbessert werden muss. Wir haben verschiedene Maßnahmen ins Auge gefasst, um die Artenvielfalt zu steigern. Dazu gehört auch dieser Auftrag, das Ganze wissenschaftlich zu begleiten.“

„Monitoring ist unverzichtbar“

Ulrike Tappeiner, Ökologin von Eurac-Research und Leiterin des Biodiversitätsmonitorings, erwartet noch viele spannende Ergebnisse: „Es wird von Jahr zu Jahr hochinteressante Ergebnisse im Biodiversitätsmonitoring Südtirol geben. Dass wir heute wissenschaftlich nachweisen können, dass es den Klimawandel gibt, verdanken wir auch dem weltweiten genormten meteorologischen Netzwerk. In der Biologie gibt es diese Standards noch nicht. Wir sind dabei, sie mitzudefinieren“, und unterstreicht, dass es beim Erhalt der Biodiversität nicht um das Überleben eines einzelnen schönen Schmetterlings gehe. „Es geht auch um die Wahrung wirtschaftlicher Grundlagen für die kommenden Generationen.“

Maria Hochgruber Kuenzer, die Landesrätin für Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege, erklärt: „Wo wir den Blick schärfen wollen, ist die bessere Verzahnung zwischen Natur, Kultur und Siedlungsraum. Im neuen Gesetz für Raum und Landschaft hat die Landesregierung unter anderem festgeschrieben, dass im Siedlungsraum im öffentlichen Grün neben dem Rasen wenigstens 10 Prozent auch artenreiche Blumenwiesen eingesät werden müssen.“

Giuliano Vettorato, der Landesrat für Umwelt, unterstreicht, dass Monitoring ist unverzichtbar sei, um die Wirksamkeit unserer Strategien und Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität zu überprüfen. „Daher liege uns sehr viel an diesem Projekt“, unterstreicht Vettorato.

stol

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