Ich gehöre zur „Generation Social Media“. Ob ich will oder nicht, das lässt sich schwer leugnen. Als Facebook online ging, war ich gerade einmal 8 Jahre alt. Ich war damals, genauso wie das soziale Netzwerk im Vergleich zu heute, noch ein kleiner Knirps und wir sind gemeinsam groß geworden. <BR /><BR />Wie ich kürzlich zu meinem Erstaunen festgestellt habe, bin ich seitdem ich 11 Jahre alt bin mit einem eigenen Profil auf Facebook unterwegs. Mit Begeisterung haben meine Freunde und ich uns damals in diese neue digitale Welt gestürzt, sie erkundet und uns vernetzt.<BR /><BR />Von meiner jugendlichen Begeisterung für Facebook ist heute nicht mehr viel übrig. Das liegt nicht nur am schlechten Ruf, den sich das Zuckerberg-Imperium in den vergangenen Jahren eingeheimst hat. Datenschutzskandale, unlautere Geschäftspraktiken, Desinformation, gezielt verursachtes Suchtpotenzial – die Liste der Missstände, die am Meta-Konzern kritisiert werden ist lang. Allzu oft lenkt das aber von den Problemen ab, nicht allein dem Konzern zugeschrieben werden können.<BR /><BR />Vom ehemals aktiven Mitglied des Netzwerks bin ich heute zum stummen Zaungast geworden. Ich schaue mir zwar an, was auf Facebook los ist, aber ein aktiver Teil davon will ich eigentlich nicht mehr sein. Und das liegt an dem, was da los ist. <BR /><BR />Zu den Aufgaben eines Online-Redakteurs gehört es auch, die sozialen Medien zu pflegen, Artikel dort zu teilen und so ein Diskussionsforum in den Kommentarbereichen zu öffnen.<BR /><BR />Seit geraumer Zeit schon musste man sich daran gewöhnen, dass dort ein rauer Ton herrscht, der viel zu oft weit unter die Gürtellinie zielt. Konstruktive Diskussionen, in denen echte Argumente, Ideen oder fundierte Ansichten ausgetauscht werden – Fehlanzeige. Da werden haltlose Verschwörungstheorien stolz in die Welt hinausposaunt, mit Beleidigungen um sich geworfen und Drohungen ausgesprochen, um die sich eigentlich die Polizei kümmern sollte. <BR /><BR />Diese Schreihälse haben die Kommentarbereiche vieler Facebookseiten gekapert. Eigentlich sind sie in der Minderheit, aber weil sich Menschen, die noch nicht verlernt haben, respektvoll miteinander umzugehen, andere Meinungen gelten zu lassen und sich in kontroversen Diskussionen auf belegbare Faken zu berufen, nicht in dieses Gezeter einmischen wollen, scheint es, als wären auf Facebook alle außer Rand und Band.<BR /><BR />Wir haben es zwar schon so oft gehört, aber man kann es nicht oft genug sagen: Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass die Vernünftigen den Diskurs in den sozialen Medien nur als Zuschauer verfolgen und damit die Bühne den Schwurblern überlassen. Die Stimmen der vielen vernünftigen Menschen müssen wieder lauter werden.