Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam: Diese 3 Versprechen sind Grundpfeiler im Leben von Ordensfrauen und -männern. Was diese radikale Lebensentscheidung konkret bedeuten kann, zeigt der aus Vorarlberg stammende Jesuit P. Georg Sporschill.<BR /><BR />Der weit über die Grenzen Österreichs und des „katholischen Milieus“ hinaus bekannte Jesuit Georg Sporschill begann seine heutige Arbeit in den Roma-Dörfern in Siebenbürgen mit 65 Jahren. „Ich habe mir damals gedacht: Jetzt bin ich in einem Alter, in dem ich mir leisten kann, etwas Verrücktes zu machen“, erzählt der Ordensmann im Interview der Presseagentur „Kathpress“. Wobei ihm die Neugier immer geholfen habe.<BR /><BR />Die vor 11 Jahren entstandene Roma-Hilfe, die nach dem biblischen Propheten Elijah benannt wurde, arbeitet in den 6 rumänischen Dörfern Hosman, Nou, Tichindeal, Nocrich, Marpod – wo Sporschill wohnt – und Casol, sowie in der Großstadt Sibiu/Hermannstadt. Die „elijah“-Sozialprojekte umfassen eine Landwirtschaft, eine Gärtnerei und Werkstätten. Es gibt Berufsausbildungen, Musikschulen, Tagesschulen und ein Internat.<BR /><BR />Dem aus Vorarlberg stammenden Georg Sporschill waren seit seiner Studentenzeit „die Schwierigen ans Herz gewachsen“. Er trat mit 30 in den Jesuitenorden ein und organisierte unter anderem in Wien ein Caritas-Jugendhaus und Essensverteilung an Benachteiligte.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="863141_image" /></div> <BR /><BR />Der Orden sandte ihn 1989 nach Rumänien. Eigentlich sollte er nur 6 Monate dort bleiben. „Es sind mehr als 30 Jahre geworden. Das hat niemand geplant.“ Von 1989 bis 2011 leitete P. Sporschill zunächst den Verein „Concordia“, der sich der Arbeit mit Straßenkindern in mehreren Ländern Osteuropas widmet. Die kleine Initiative wuchs unter ihm zu einem europaweit vorbildlichen Werk mit 600 Angestellten und Mitarbeitern.<BR /><BR />Mit 65 suchte er sich eine neue Aufgabe. Sein Ziel sei gewesen, „in das Milieu zu gehen, wo die Straßenkinder herkommen – zu den überforderten und verwahrlosten Roma-Familien“, so P. Sporschill. Geholfen habe die jahrzehntelange Beziehung zu dem in Siebenbürgen tätigen evangelischen Pfarrer und Schriftsteller Eginald Schlattner. Über ihn habe er eine Beziehung zu der Gegend vermittelt bekommen und viel „von der Schönheit und dem Elend“ dort erfahren.<h3> Entvölkerte Dörfer</h3>Die Dörfer seien teilweise entvölkert, weil die ursprünglichen Bewohner – Siebenbürger Sachsen – ab 1989 massenweise nach Deutschland gegangen seien. „So bin ich dort hingekommen - allerdings jetzt nicht mehr als Nummer Eins“, erzählt P. Sporschill. Beim Roma-Projekt „elijah“ ist inzwischen die deutsche Religionspädagogin und frühere „Concordia“-Bereichsleiterin Ruth Zenkert die maßgeblich Verantwortliche.<BR /><BR />Er sei „froh, mitmachen zu können, sagt P. Sporschill heute, weil man „wirklich jeden Tag geistig-geistlich durchgewalkt“ werde. Viele stellten die Frage: „Wie hältst du das aus?“ Die Antwort sei, dass „niemand mich mehr zum Beten gebracht hat als die Obdachlosen, die Straßenkinder, die Roma“. Sie hätten eine besondere Nähe zu Gott, „warum weiß ich nicht“. Es gelte das Wort Jesu: „Du hast es den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart.“ Was in der Randgruppen-Arbeit in Städten und Dörfern spürbar werde sei, „dass Gott auch dem letzten Loser noch eine Chance gibt“.<h3> „Wenn ich Brot gebe und dafür Sinn empfange...“</h3>P. Sporschill fällt ein Wort von Viktor Frankl ein: „Wenn ich Brot gebe und dafür Sinn empfange – ist das nicht ein gutes Geschäft?“ Dass die Kirche im Westen einstmals blühende Werke schließen müsse, könne er verstehen, sagt der Jesuit. <BR /><BR />Dies dürfe aber nicht ein Schlussstrich sein. Es müsse gelten: „Wer einen Baum fällt, muss 5 neue pflanzen“. Weil dann zumindest einer der neu Gepflanzten überleben werde.<BR /><BR />Neues habe immer Gefährliches an sich, erinnert Pater P. Sporschill: „Aber nix probieren bedeutet: Es kann nix werden.“ Und Neues lasse sich nicht organisieren. Was es brauche sei „ein Verrückter, und ein zweiter Verrückter, der unterstützt“.<BR /><BR /><BR />ZUR PERSON<BR /><BR />Georg Sporschill ist 1946 in Feldkirch in Vorarlberg geboren. Er studiert Theologie, Pädagogik und Psychologie und tritt 1976 in den Jesuitenorden ein; 1978 wird er zum Priester geweiht. Ab 1980 arbeitet er für haftentlassene, drogensüchtige und obdachlose Jugendliche in Wien. <BR />Im Auftrag der Caritas geht P. Sporschill 1991 nach Rumänien, in der Hauptstadt Bukarest baut er über den Verein „Concordia“ ein Hilfsprojekt für Straßenkinder auf. 2012 gründet er gemeinsam mit Ruth Zenkert den Verein „elijah“, der die in bitterer Armut lebenden Roma in Siebenbürgen unterstützt; P. Sporschill übersiedelt selbst dorthin, um das Leben mit ihnen zu teilen.<BR /><BR />Der Verein im Internet: <a href="https://elijah.ro/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">www.elijah.ro</a><BR />