Montag, 29. Juni 2015

Mit dem Skalpell gegen Fettleibigkeit

Fettleibigkeit ist teuer: Bezogen auf die wirtschaftlichen Auswirkungen kostet sie laut jüngsten Veröffentlichungen annähernd soviel wie Rauchen oder Waffengewalt, Krieg und Terrorismus zusammen. Wenn alle Stricke reißen, wird zum Skalpell gegriffen.

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Foto: © shutterstock

In Italien leiden derzeit 3,6 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren, 1,8 Millionen Personen über dem 65. Lebensjahr und 115.000 Kinder, zwischen 8 und 9 Jahren, an Adipositas, wie die Fettleibigkeit auch genannt wird. Davon sind rund 500.000 schwer adipös.

Ein Großteil leidet zusätzlich an Komplikationen wie Diabetes Mellitus Typ 2 (ca. 26 Prozent), Bluthochdruck (ca. 51 Prozent), Arthritis (ca. 40 Prozent) und Krebserkrankungen (ca. 52 Prozent), besonders im Bereich der Speiseröhre, Brust und Dickdarm. Eine fettleibige Person hat außerdem, so berichtet der Südtiroler Sanitätsbetrieb in einer Aussendung, eine kürzere Lebenserwartung.

"Im Vergleich zu einer Person mit Normalgewicht ist die Lebenserwartung bei einer Person mit Übergewicht bis zu acht Jahren kürzer. Wenn zusätzlich Diabetes oder eine kardiovaskuläre Erkrankung besteht, bis zu 19 Jahre", so die Experten.

3500 schwer Fettleibige in Südtirol

In Südtirol leiden schätzungsweise 3500 Personen an schwerer Adipositas. Wenn konservative Therapien mit einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung nicht anschlagen, kann auch die bariatrische Chirurgie in Erwägung gezogen werden. Das Wort bariatrisch stammt aus dem Griechischen bari – Gewicht und atri – Behandlung.

“Wir hatten in diesen Jahren hervorragende Ergebnisse bezüglich Gewichtsverlust und Kontrolle der Nebenerkrankungen, aber vor allem konnten wir eine allgemeine Besserung der Lebensqualität feststellen. Die bariatrischen Eingriffe sind aber keine Alternative für jene, welche keine Diät befolgen wollen. Auch nach einer Operation müssen unsere Patienten eine niedrig kalorische Kost befolgen, Vitamin- und Mineralsupplemente einnehmen und sich lebenslang regelmäßigen Kontrollvisiten unterziehen” unterstreicht Michael Kob in der Aussendung. 

50 bariatrische Operationen pro Jahr in Bozen

Im Krankenhaus Bozen wurden seit Oktober 2009 mehr als 210 Patienten einer bariatrischen Operation unterzogen - in den letzten drei Jahren beinahe 50 Eingriffe jährlich. 

Im März 2015 wurde das “Zentrum für die Behandlung der morbiden Adipositas im Krankenhaus Bozen” offiziell durch die Italienische Gesellschaft für die Chirurgie der Adipositas und der metabolischen Erkrankungen (SICOB) akkreditiert, eine Auszeichnung, die derzeit nur 27 Strukturen in Italien besitzen.

Das Team besteht aus den Ärzten Dr. Martin Müller, Chirurg der Abteilung allgemeine Chirurgie, geleitet vom Primar Dr. Federico Martin,  Ernährungsmediziner Dr. Michael Kob vom Dienst für Klinische Ernährung, geführt vom Primar Prof. a. c. Dr. Lucio Lucchin,  Dr.in Mariantonietta Mazzoldi, Direktorin des psychologischen Dienstes und Dr. Stefano Benvenuti, Abteilung für Gastroenterologie, geschäftsführende ärztliche Direktorin Dr.in Lucia Piazzi.

stol