Montag, 07. März 2016

Nach 50 Minuten lebend gerettet: Eine echte Seltenheit

Von einer Lawine mitgerissen, unter den Schneemassen begraben, 50 Minuten lang – und dann doch lebend gerettet. So geschehen am Montag in Sulden, Doch der Fall des deutschen Wintersportlers ist eine echte Seltenheit. Nach einer halben Stunde unter einer Lawine sinken die Überlebenschancen drastisch.

Auch Lawinensuchhunde und der Hubschrauber des Aiut Alpin waren am Montag bei der Suche nach dem Verschütteten in Sulden im Einsatz. - Foto: ww
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Auch Lawinensuchhunde und der Hubschrauber des Aiut Alpin waren am Montag bei der Suche nach dem Verschütteten in Sulden im Einsatz. - Foto: ww

Südtirol Online: Ein Mann wird von einer Lawine begraben, steckt 50 Minuten unter den Schneemassen fest – und überlebt. Eine Sensation?
Giacomo Strapazzon, stellvertretender Institutsleiter für alpine Notfallmedizin an der EURAC: Es ist möglich, 50 Minuten unter einer Lawine zu überleben. Doch häufig passiert das nicht.

STOL: Die meisten Verschütteten können nach so langer Zeit nicht mehr lebend gerettet werden.
Strapazzon: Nach 35 Minuten unter einer Lawine überlebt nur noch knapp ein Drittel der Verschütteten. Der Verschüttete im Vinschgau zählt wohl zu dieser Personengruppe. Offensichtlich konnte der Mann unter dem Schnee atmen.

STOL: Der Mann soll mit den Händen eine Atemhöhle gebildet haben.
Strapazzon: Eine Atemhöhle ist natürlich wichtig. Doch von enormer Bedeutung ist, dass der Schnee weder in Mund noch Nase eindringt. Über 70 Prozent der Verschütteten sterben einen Erstickungstod.

An einem Tag mit einer Lawinengefahr wie der heutigen sollte man besser nicht aufbrechen – und wenn doch, dann nur gut vorbereitet: Man sollte die Tour gut einschätzen können, ein Lawinensuchgerät, Schaufel und Sonde dabei haben. Denn bevor die Rettung vor Ort ist, sind häufig die Kollegen gefordert: Wenn der Verschüttete innerhalb 15, 20 Minuten gefunden wird, hat er eine Überlebenschance von fast 90 Prozent.

Interview: Petra Gasslitter

stol