Freitag, 02. Dezember 2016

Nach Flugzeugabsturz: Schwere Vorwürfe gegen Airline LaMia

Nach der Flugzeugkatastrophe in Kolumbien mit 71 Toten konzentrieren sich die Ermittlungen auf die für den Charterflug mit der Fußballmannschaft Chapecoense zuständige Fluggesellschaft LaMia. Die bolivianische Regierung entzog LaMia mit sofortiger Wirkung die Lizenz. Zudem wurde die Spitze der nationalen Luftfahrtbehörde für die Zeit der Ermittlungen freigestellt.

Foto: © APA/AFP

Beim Absturz im Landeanflug auf den Flughafen der kolumbianischen Stadt Medellin starben am 28. November 71 Menschen, sechs Passagiere überlebten. Einer der Miteigentümer von LaMia war als Pilot mit an Bord und starb auch.

Aus Spargründen auf Tankstopp verzichtet?

Die Maschine war von dem brasilianischen Club Chapecoense gechartert worden, der zum Finalhinspiel um den Südamerika-Cup gegen den Club Atletico Nacional aus Medellin antreten sollte. Nach der Anreise aus Brasilien startete der Unglücksflug vom Flughafen im bolivianischen Santa Cruz Richtung Medellín. Der Maschine ging kurz vor der Landung der Treibstoff aus.

Es wird spekuliert, ob der Miteigentümer, der als Pilot mit an Bord war, aus Spargründen auf einen Tankstopp verzichtet haben könnte. „LaMia 2933 hat einen Totalausfall, Totalausfall der Elektronik, ohne Treibstoff“, hatte der Pilot wenige Minuten, bevor das Flugzeug vom Radar verschwand, gemeldet.

Zunächst keinen Notfall gemeldet

Da der Pilot aber Minuten zuvor nur eine Priorität bei der Erteilung der Landeerlaubnis gemeldet hatte, aber keinen Notfall, war zunächst vom Tower in Medellin einem anderen Flugzeug die Landeerlaubnis erteilt worden. Es soll ebenfalls Probleme gemeldet haben. Dadurch musste das Flugzeug mit der Fußballmannschaft in eine Warteschleife, rund 30 Kilometer vom Flughafen entfernt stürzte es an einem Berg ab.

Da es keine Explosion gab, hatten die Behörden frühzeitig auf Treibstoffmangel als wahrscheinliche Absturzursache hingewiesen.

Flugplan viel zu eng

Nach einem Bericht der bolivianischen Zeitung „El Deber“ war der Flugplan viel zu eng – demnach wurde die Flugzeit mit 4:22 Stunden berechnet, für diese Zeit reichten auch die Treibstoffvorräte – normalerweise muss aber ein Puffer eingeplant werden, falls auf einen anderen Flughafen ausgewichen werden muss.

Daher muss sich auch die bolivianische Luftfahrtbehörde auf unangenehme Fragen einstellen, der Flugplan wurde im Vorfeld am Flughafen in Santa Cruz abgenommen.

Rückführung der Opfer hat begonnen

Nach dem Flugzeugabsturz in Kolumbien mit 71 Toten hat die Rückführung der Opfer begonnen. 

Zunächst sei der Sarg mit der Leiche eines der Piloten in dessen Heimat Paraguay geflogen worden, teilte der Flughafen der Stadt Medellín am Donnerstagabend (Ortszeit) via Twitter mit. Wie das kolumbianische Außenministerium ankündigte, sollte die Rückführung der übrigen Todesopfer am Freitag abgeschlossen werden.

dpa

stol