Freitag, 29. Juli 2016

Nicht jeder Drogenkonsum ist ein Drogenproblem

Es passiert mehr und mehr Eltern: Irgendwann stellen sie fest, dass ihr Kind sich verändert hat. Manchmal sind Drogen daran schuld. Die Selbsthilfegruppe „Crew“ zeigt Eltern, wie sie damit umgehen können.

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Der Verein La Strada der Weg versucht zusammen mit den Diensten für Abhängigkeit und der Kinder-und Jugendpsychiatrie Eltern eine helfende Hand zu bieten: In kostenlosen und anonymen Selbsthilfetreffen werden Angehörige informiert und können sich unverbindlich miteinander austauschen. Mittlerweile gibt es 4 Gruppen: Jeweils 2 in Bozen und Meran. Das Projekt sieht weitere in Brixen und Bruneck vor.

Training für Eltern: Anders Kommunizieren

Geleitet werden diese Selbsthilfegruppen mit dem Projektnamen „Crew“ (Englisch: Gruppe) jeweils von einer Psychologin. „Wir halten die Gruppen absichtlich klein und intim – nur bis zu acht Personen pro Gruppe“, erklärt Veronika Rottensteiner, Leiterin der deutschsprachigen Gruppen.

„Wir sehen unseren Service als eine gemeinsame Arbeit, als ein Training.“ Ein Training mit dem Ziel: bessere Kommunikation und neue Strategien im Umgang mit den Jugendlichen.

Denn wenn sich Eltern an die Hilfsstelle wenden, sind sie meist ratlos: Der Lebenskontext des Jugendlichen ist die Familie und folglich ist gerade das Familienleben häufig von Konflikten belastet. Eltern hätten manchmal Schwierigkeiten einen Mittelweg zwischen Förderung der Autonomie des Jugendlichen und konsequenter Erziehung zu finden, sagt die Psychologin. Der positive Austausch zwischen Eltern und Kind gehe manchmal verloren.

Plötzlich wie ausgewechselt

Die Eltern sehen die Signale, die ihre Kinder aussenden, zuerst oft nicht. Viele schreckten erst dann auf, wenn sie effektiv Drogen im Zimmer ihres Minderjährigen gefunden hätten, sagt Rottensteiner. Sie rät Eltern zum konstanten Dialog mit ihren Kindern. Und: „Wenn ein Jugendlicher sein Verhalten radikal ändert, mehr Zeit auf seinem Zimmer verbringt, vor dem Computer oder außer Haus, dann sollte man generell genauer hinschauen.“

Zwei Kategorien: Konsumenten und Abhängige

Doch: Nicht jede Verhaltensänderung entspreche einem Drogenkonsum. Und nicht jeder Drogenkonsum entspreche einem Drogenproblem. Rottensteiner unterscheidet Drogenkonsumenten und Drogenabhängige. Die Psychologin spricht von einem „gesunden Verhältnis zu Drogen“. Es sei wichtig zu sehen, in welcher Frequenz und in welchem Rahmen konsumiert werde

Prävention in allen Bereichen

„Die Arbeit mit Eltern ist eine wichtige Hilfestellung“, sagt Rottensteiner. Das Problem „Drogen“ müsse am Ende von mehreren Seiten angegangen werden: „Unsere Jugendlichen werden mit Drogen in Kontakt kommen. Wie sie damit umgehen liegt an ihrem Umfeld – an uns allen.“

stol/wh

stol