Die Ordensgemeinschaft des Geistlichen teilt auf einer Internetseite offiziell mit, dass der zuletzt in Südtirol wirkende Geistliche mit Fällen von sexuellem Missbrauch in Verbindung gebracht wird. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Der Orden der Legionäre Christi ist in Sachen sexueller Missbrauch von Minderjährigen ein gebranntes Kind. Kein Geringerer als sein Gründer, der aus Mexiko stammende Priester Marcial Maciel Degollado (1920-2008), musste 2006 sein Amt nach schweren Vorwürfen abgeben; eine Untersuchung des Vatikan hatte sein Doppelleben mit mehreren Frauen und sexuelle Vergehen u.a. mit minderjährigen Seminaristen aufgedeckt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="716174_image" /></div> Seitdem geht die Gemeinschaft äußerst rigide und konsequent gegen Mitglieder vor, die sich in dieser Hinsicht etwas zuschulden kommen lassen. Auf einer Internetseite ist eine Liste von Legionären veröffentlicht, die mit Fällen von Missbrauch im Zusammenhang stehen ( <a href="https://legionariesofchrist.org/2021-update-on-abuse-cases-in-the-north-american-territory/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">hier ist der Link</a>). Auf diesem weltweiten „digitalen“ Pranger ist auch ein Name zu lesen, der in mehreren Bozner Pfarreien zumindest Fragen, wenn nicht regelrechte Schockwellen auslöst: Timothy Meehan. <BR /><BR />Nach Angaben der Legionäre wurde er im Jahr 2000 zum Priester geweiht, 13 Jahre später ging bei der Ordensleitung der Hinweis ein, dass Meehan in den 1990-er Jahren in einer Ausbildungsstätte der Legionäre ein Praktikum absolvierte und in dieser Zeit ein intimes Verhältnis mit einem 17-Jährigen hatte. In einer Untersuchung bestätigte der Beschuldigte diese Beziehung. Meehan war inzwischen zuerst nach Mexiko versetzt worden und dann nach Italien übersiedelt. In Gozzano in der Provinz Novara leitete er seitdem eine ordenseigene Ausbildungsstätte (Seminar). Im Jahr 2013 griff der Orden durch, Meehan verlor sein Amt und das Haus wurde geschlossen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-52028764_quote" /><BR /><BR />Nach dieser Absetzung suchte Meehan ein Arbeitsfeld außerhalb seiner Gemeinschaft, und so bot der US-Geistliche im Jahr 2017 in der Diözese Bozen-Brixen seine Mitarbeit in der Seelsorge an. Wie Generalvikar Eugen Runggaldier auf Anfrage erklärt, informiert Meehan die Diözesanleitung von sich aus und offen über seine Vergangenheit. Er habe die intime Beziehung mit dem Minderjährigen schon lange vor der Priesterweihe gehabt; es sei nie zu einem Prozess und schon gar nicht zu einer Anklage gekommen – was auch stimmt. „Er hat immer mit offenen Karten gespielt und seine Vorgeschichte offen auf den Tisch gelegt“, sagt Generalvikar Runggaldier. <BR /><BR />Das dürfte die Diözesanleitung bewogen haben, den US-Geistlichen zuerst in der Pfarrei Oberau und später in der italienischen Dompfarrei einzusetzen. Nach guten Erfahrungen mit dem eingebürgerten Kooperator sollte Meehan in der Bozner Pfarrei Pius X. mehr Verantwortung übernehmen, und zwar als Pfarradministrator; weil er keine italienische Staatsbürgerschaft besitzt, kann er nicht als Pfarrer mit allen Rechten fungieren. <BR /><BR /><b>Priester nimmt Auszeit</b><BR /><BR />Anfang dieses Jahres informierte die Leitung der Legionäre Christi Bischof Ivo Muser aber darüber, dass die Ordensgemeinschaft im März die Namen aller Mitglieder veröffentlichen werde, die mit sexuellem Missbrauch von Minderjährigen in Verbindung stehen – und auf dieser Liste befinde sich eben auch der Name Timothy Meehan. Die Diözese hatte ihrerseits bereits vor 3 Jahren eine kirchenrechtliche Überprüfung vorgenommen; diese gab den Weg für den Dienst in der Seelsorge frei. <BR /><BR />Als im Frühjahr die Diözesanleitung auf die Internet-Liste der beschuldigten Priester der Legionäre Christi angesprochen wurde, ging Meehans Zeit als Priester in der Diözese ebenso unspektakulär zu Ende wie sie begonnen hatte. „Timothy Meehan hat im Herbst dieses Jahres eine Auszeit genommen, er wird dabei auch psychologische Begleitung in Anspruch nehmen“, informiert der Generalvikar. Der Aufenthaltsort sei ihm nicht bekannt. <BR /><BR /><b>Pfarreien nicht informiert</b><BR /><BR />Aus den Augen, aus dem Sinn? Trotz dieser Wende ist für den Priester und Psychologen Gottfried Ugolini die Geschichte noch offen. Der Leiter des diözesanen Dienstes für den Schutz von Minderjährigen weist darauf hin, dass zwischen dem Erzieher Meehan und dem ihm anvertrauten Jugendlichen in Ordensausbildung ein Abhängigkeitsverhältnis bestand. <BR /><BR /><embed id="dtext86-52028760_quote" /><BR /><BR />Noch schwerer wiegt für Ugolini, dass die Legionäre Christi klar vorgeschrieben hätten, was „ihr“ Priester künftig noch tun und wo er nicht mehr eingesetzt werden dürfe. „In den USA darf er keine öffentliche Messe mehr feiern und ein Einsatz im Bereich Kinder- und Jugendarbeit kommt nicht in Frage“, fasst Ugolini die Maßnahmen zusammen. Über solche klar formulierten Auflagen könne eine Diözese nicht einfach hinweglesen. Selbst wenn kirchenrechtlich keine Bedenken für seinen Einsatz bestehen, bleibe eine moralische, ethische und pastorale Verantwortung auf beiden Seiten. So hätten die betreffenden Pfarreien über die Hintergründe informiert werden müssen wie auch der Dienst für Prävention. <BR /><BR />„Zudem ist es in meinen Augen ein sehr schlechtes Zeichen von Verantwortung und Glaubwürdigkeit, wenn sich der Priester selbst nicht an die ihm auferlegten Einschränkungen hält“, meint Ugolini. <BR /><BR /><BR />ZUSATZINFO<BR /><BR />Die Diözese hat bereits im Jahr 2020 eine Ombudsstelle eingerichtet, bei der Fälle von Gewalt und sexuellemm Missbrauch im kirchlichen Bereich gemeldet werden können.<BR />Die Ombudsfrau Maria Sparber ist erreichbar unter: <BR />Tel.: +39 348 3763034<BR />E-Mail: ombudsstelle.sportello@bz-bx.net<BR /><BR /> In ihrem Dienst garantiert die Ombudsfrau die Wahrung der Anonymität und Transparenz. Die Gespräche unterliegen der Schweigepflicht.<BR /><BR /><BR />