Sonntag, 14. Mai 2017

Papst sprach in Fatima zwei Hirtenkinder heilig

Am 100. Jahrestag der Marienerscheinung von Fatima hat Papst Franziskus vor Hunderttausenden Pilgern zwei Hirtenkinder heiliggesprochen. „Danke, Brüder und Schwestern, dass ihr mich begleitet habt“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Samstag an die Menge gerichtet, die sich auf dem Platz vor dem Heiligtum in dem portugiesischen Wallfahrtsort versammelt hatte.

Foto: © LaPresse

Die 19. Auslandsreise des Argentiniers war eine Pilgerfahrt und stand ganz im Zeichen der Visionen der Hirtenkinder, denen die Jungfrau Maria von 13. Mai 1917 an – mitten im Ersten Weltkrieg – insgesamt sechsmal erschienen sein soll. „Eine besondere Reise“, hatte der Pontifex im Vorfeld gesagt.

Am 24. Mai empfängt der 80-Jährige im Vatikan US-Präsident Donald Trump. Ohne Vorurteile, wie er betonte. „Ich fälle nie ein Urteil über eine Person, ohne sie anzuhören“, sagte Jorge Bergoglio am Samstagabend auf dem Rückflug nach Rom zu begleitenden Journalisten.

"Türen suchen, die nicht verschlossen sind"

„In unserem Gespräch werden sich die Dinge ergeben, und ich werde das sagen, was ich denke, er wird das sagen, was er denkt“, fügte der Jesuit hinzu. Es gehe darum, „Türen zu suchen, die nicht verschlossen sind. Vorwärtszukommen, Schritt für Schritt“. Franziskus hatte vor der US-Wahl Trump für dessen Pläne, eine Mauer zu Mexiko zu bauen, kritisiert und das unchristlich genannt. Trump bezeichnete diese Äußerungen des Papstes als schändlich.

In Fatima berichtete Franziskus den Gläubigen, wie die Geschwister vor hundert Jahren die Erscheinung erlebt hätten. Die kleine Jacinta Marto habe ihrer Mutter erzählt, die Gottesmutter gesehen zu haben. In den Folgemonaten erschien sie ihr, ihrem Bruder Francisco und ihrer Cousine Lucia dos Santos der Überlieferung nach weitere fünf Mal.

Jacinta wurde wie ihr Bruder in den Kreis der Heiligen aufgenommen. Die beiden starben wenige Jahre, nachdem ihnen die in weiß gekleidete Muttergottes drei Prophezeiungen gemacht haben soll. Jacinta wurde neun, ihr Bruder zehn Jahre alt. Lucia wurde später Nonne und starb 2005 im Alter von 97 Jahren. Ihre Heiligsprechung wird noch geprüft. Francisco und Jacinta sind die ersten Kinder, die heiliggesprochen wurden, ohne Märtyrer zu sein.

„Als eine um die Nöte ihrer Kinder besorgte Mutter ist Maria hier mit einer Botschaft des Trostes und der Hoffnung für die sich im Krieg befindende Menschheit und die leidende Kirche erschienen“, hatte Franziskus am Freitag zum Auftakt seiner Reise gesagt. Er rief die Gläubigen auf, täglich für den Frieden in der Welt zu beten.

Vor Tausenden Gläubigen hatte der Papst am Freitag bei einer Kerzensegnung auch betont, die Gottesmutter Maria sei kein Heiligenbild, „an das man sich wendet, um kostengünstig Gefallen zu bekommen“. In Portugal traf der Pontifex zudem mit Ministerpräsident Antonio Costa und dem Staatsoberhaupt Marcelo Rebelo de Sousa zusammen.

Jährlich besuchen Millionen Pilger, darunter viele Kranke, den Wallfahrtsort Fatima. Zum Papst-Besuch war der Ansturm besonders groß. Am Samstag versammelten sich rund 500.000 auf dem Platz vor der Basilika. Wer nicht hineinkam, wartete auf den umliegenden Straßen.

Francisco Marto starb 1919, seine Schwester weniger als ein Jahr später. Beide erlagen der Spanischen Grippe, die damals in Europa grassierte. Ihre Cousine wurde Ordensfrau und hinterließ Aufzeichnungen über die Marien-Erscheinungen.

Papst Johannes Paul II. hatte die beiden Geschwister Francisco und Jacinta im Jahr 2000 seliggesprochen. Die beiden für die Kanonisierung erforderlichen „Wunderheilungen“ wurden von der katholischen Kirche unlängst offiziell anerkannt.
Lucia dos Santos' Aufzeichnungen der Ereignisse gingen als die drei „Geheimnisse von Fatima“ in die Kirchengeschichte ein. Sie wurden Anfang der 40er-Jahre dem Vatikan übermittelt. Die ersten beiden Geheimnisse wurden als Prophezeiungen über das Ende des Ersten Weltkrieges und den Beginn des Zweiten Weltkrieges sowie den Aufstieg und Zusammenbruch der Sowjetunion gedeutet.

Das dritte Geheimnis von Fatima wurde erst im Jahr 2000 enthüllt. Der Vatikan erklärte, der Text habe den Attentatsversuch auf Johannes Paul II. am 13. Mai 1981 durch den Türken Mehmet Ali Agca vorhergesagt.

apa/dpa/afp 

stol