Freitag, 20. Oktober 2017

Pestizide auf Spielplätzen? Umweltschützer klagen an

Der Dachverband für Natur- und Umweltweltschutz hat zusammen mit einigen seiner Umweltgruppen und dem Pesticide Action Network (PAN) Europe im heurigen Frühjahr insgesamt 71 Grasproben auf Spielplätzen im Obstbaugebiet Südtirols nehmen und analysieren lassen. Auf 29 davon konnten Rückstände nachgewiesen werden.

Pestizidrückstände auf Spielplätzen? Die Umweltschützer üben scharfe Kritik.
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Pestizidrückstände auf Spielplätzen? Die Umweltschützer üben scharfe Kritik. - Foto: © APA

Öffentliche Parks und Gärten, Sportplätze und Erholungsflächen, Schulgelände, Kindergärten, Kinderhorte, Kindertagesstätten und Kinderspielplätze mit dazugehörigen Grünflächen, Flächen in unmittelbarer Nähe von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen – jener Beschluss des Landes Südtirol, der die Ausbringung von Pestiziden regelt, definiert diese Flächen als sogenannte sensible Zonen.

Diese sind in besonderem Maße vor Pestiziden zu schützen. Daher gelten Auflagen zeitlicher und räumlicher Natur für die Ausbringung von Pestiziden auf angrenzenden Flächen.

„Die Politik behauptet, damit ihrer Aufgabe nachgekommen zu sein und die Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie der EU bzw. den Nationalen Aktionsplan für eine nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln umgesetzt zu haben,“ erklärt der Dachverband für Natur- und Umweltweltschutz.

„Wie gut funktionieren diese Regelungen in der Praxis? Und vor allen Dingen: Sind die derzeitigen Regelungen ausreichend, um die sensiblen Zonen effektiv zu schützen?“, fragen die Umweltschützer.

Der Dachverband für Natur- und Umweltweltschutz ist zusammen mit einigen seiner Umweltgruppen und dem Pesticide Action Network (PAN) Europe diesen Fragen nachgegangen und hat im heurigen Frühjahr insgesamt 71 Grasproben auf Spielplätzen im Obstbaugebiet Südtirols nehmen und analysieren lassen.

Auf 29 von 71 Spielplätzen Pestizide nachgewiesen 

Die Ergebnisse sprechen dabei für sich:

Dabei waren einige Flächen mehrfach kontaminiert, mit bis zu vier verschiedenen Pestiziden. Auch eine gewisse Distanz zu den nächstgelegenen Obstbauflächen bot Spielplätzen keinen ausreichenden Schutz vor Abdrift.

Die gefundenen Konzentrationen lagen zum Teil recht deutlich über den von der EU zulässigen maximalen Rückstandswerten für gebräuchliche Lebensmittel.

Dazu sagt Koen Hertoge von PAN Europe: „Besorgniserregend ist die Tatsache, dass ein verbindlicher gesetzlicher Rahmen für die Vermeidung der Kontaminierung von sensiblen Zonen fehlt. Vor allem Kinder sind besonders vor den Gefahren von Pestiziden zu schützen. Und gerade hier sehen wir noch sehr viel Handlungsbedarf. Sensible Zonen sollten unbedingt als Null-Toleranz-Zonen bzw. Null-Kontamination-Zonen gesetzlich festgeschrieben werden.“

Aktuelle Regelungen reichen nicht aus

Angesichts dieser Ergebnisse steht für Klauspeter Dissinger vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz fest: „Die aktuellen Ausbringungs- und Abstandsregelungen reichen nicht aus, um die sensiblen Zonen wirksam zu schützen. Diese müssen schnellstmöglich überarbeitet und an die Erkenntnisse dieser Studie angepasst werden. Zudem muss es ein funktionierendes Kontroll- und Monitoringprogramm in Südtirol geben. Die Politik hat einen Vorschlag zum regelmäßigen und systematischen Monitoring während der aktuellen Legislaturperiode abgelehnt. Und eben aus diesem Grund haben wir diese Initiative gestartet. Nur so ist das Verursacherprinzip auch in diesem Bereich anzuwenden. Mittelfristig wird aber kein Weg an einer pestizidfreien Landwirtschaft vorbeiführen.“

Koen Hertoge ergänzt: „Je früher und konsequenter wir auf biologische Landwirtschaft umstellen, umso erfolgreicher wird sich Südtirol mit seinen Produkten auf dem Markt positionieren können. Davon werden auch andere Bereiche wie etwa der Tourismus enorm profitieren.“

stol

 

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