Freitag, 20. November 2015

"Religion erleben, statt nur darüber zu sprechen"

156 Religionslehrer aller Schulstufen und der Berufsbildung nehmen am Freitag an ihrer jährlichen Großtagung im Pastoralzentrum in Bozen teil. Hans Mendl von der Universität Passau spricht dabei über die Bedeutung des sogenannten „performativen Religionsunterrichtes“.

An der Großtagung der Religionslehrpersonen nahmen 156 Lehrpersonen teil.
Badge Local
An der Großtagung der Religionslehrpersonen nahmen 156 Lehrpersonen teil.

„In Zeiten wie diesen, wo Religion sehr angefragt ist, bitte ich euch darum, dass ihr den Kindern und Jugendlichen im Religionsunterricht sagt, was euch selbst Religion bedeutet“, sagte Bischof Ivo Muser in seiner Begrüßungsansprache und fügte an: „Wenn die Kinder und Jugendlichen euch wahrnehmen als Menschen, die im Glauben beheimatet sind, gleichzeitig aber auch um den Glauben ringen, wenn sie euch als Menschen erleben, die sich nicht hinter Bibelzitaten und Dogmen tarnen, sondern Stellung beziehen, dann ist der Religionsunterricht wirklich unverzichtbar.“

Hans Mendl ging es in seinen Ausführungen um die zentrale Frage, wie Kinder und Jugendliche Religion als besonderen Modus einer Weltdeutung verstehen können, wenn sie immer weniger mit Religion, Kirche und Glaube vertraut sind.

„Angesichts des Traditionsabbruch reicht es nicht mehr aus, nur über Religion zu reden: Die Fähigkeit zur Deutung von Religion muss verschränkt werden mit der Möglichkeit einer Teilhabe an Religion. Nur so wird die erlebnisorientierte Basis gelegt, um religiöses Handeln auch verstehen zu können“, so Prof. Mendl.

Einen Weg zu diesem Ziel sieht der Referent im sogenannten „performativen Religionsunterricht“. Die performative Religionsdidaktik will Religion erlebbar machen und zum religiösen Handeln ermutigen. Hans Mendl legte großen Wert darauf, dass die performative Religionsdidaktik nicht als katechetischer Religionsunterricht verstanden wird.

Er hob hervor, dass nicht nur „über“ Religion gesprochen wird, sondern das Fach Religion so konzipiert sein soll, dass Kinder und Jugendliche mit ihren Fragen und Bedürfnissen im Mittelpunkt stehen. Nicht nur „über“ Gebet und Meditation reden, sondern meditative Elemente und Gebetsformen erleben und reflektieren; nicht nur etwas „über“ andere Religionen kennen lernen, sondern Menschen einer anderen Religion begegnen und ihre Riten betrachtend erleben.

stol