Dem italienischen Rentensystem drohe der Kollaps, im Jahr 2029 würden nicht weniger als 92 Milliarden Euro fehlen, um alle Altersbezüge auszubezahlen, warnte der Fürsorgeinstitut INPS/NISF vor wenigen Tagen. Es werde schlichtweg nicht mehr möglich sein, der jüngeren Generation später einmal eine Rente in der heutigen Form zu überweisen. Tatsächlich sieht auch der Rentenexperte Helmut Renzler eine ganze Altersgruppe, die später traurig durch die Finger schauen könnte. <BR /><BR /><b>64 Lebensjahre, 38 Versicherungsjahre: Die Rente nach der Quote 102 ist ein Auslaufmodell. Viele Fragen sich, was danach kommt. Was ist es?</b><BR />Helmut Renzler: Wir haben bereits den Übergang, und das ist die Rente nach dem früheren Fornero-Gesetz. Es sieht vor, dass Frauen mit 41 Arbeitsjahren und 10 Monaten in Rente gehen dürfen, plus 3 Monate bis zum Renteneintrittsalter; für Männer sind 42 Betitragsjahr und 10 Monate notwendig, plus ebenfalls 3 Monate bis zum Renteneintritt. Bei beschwerlichen Tätigkeiten gilt eine Ausnahme mit 41 Arbeitsjahren. Zudem gibt es eine vorzeitige Sozialrente mit 63 Lebensjahren und 30 Versicherungsjahren. <BR /><BR /><b>Wir sind also bereits zurück bei der alten Regelung.</b><BR />Renzler: Ja, mit einer leichten Veränderung. Das Fornero-Gesetz sieht vor, dass alle 2 Jahre eine Anpassung an die Lebenserwartung erfolgt. Diese Erhöhung des Eintrittsalters ist bis Dezember 2026 ausgesetzt, weil die Lebenserwartung durch die Pandemie ja gesunken ist. <BR /><BR /><embed id="dtext86-55467041_quote" /><BR /><BR /><b>Was sollen also jene tun, die jetzt in R</b><b>ichtung Rente blicken und die Jahre und Monate bis dahin zählen?</b><BR />Renzler: Ich würde sagen: ruhig weiterarbeiten! Es gibt zwar eine Möglichkeit, mit Abschlägen früher in Rente zu gehen, aber das muss sich jede und jeder durchrechnen. So schnell wird sich aber an den staatlichen Regeln nichts ändern. Wir haben ja bald Neuwahlen, dann kommt die Regierungsbildung, danach wird sich die neue Regierung sicher zuerst mit dem Haushalt und anderen Problemen befassen müssen. Bei den Renten wird nicht so schnell etwas geändert. Die Gewerkschaften fordern zwar die Möglichkeit eines flexiblen Eintrittsalters, aber da sind viele Diskussionen noch offen. <BR /><BR /><b>Wer muss sich aus Ihrer Sicht wirklich Sorgen machen um die Altersversorgung aus der Staatskasse?</b><BR />Renzler: Das sind ganz bestimmt die jungen Arbeitnehmer, die ab 1996 gearbeitet haben. Sie haben nach der damals erfolgten Reform kein Recht auf eine Mindestrente. Das Problem ist, dass es sehr viele prekäre Arbeitsverhältnisse gibt und sie allein mit den eingezahlten Beiträgen nicht einmal in die Höhe der Mindestrente von 523 Euro im Monat kommen. Hier muss dringend eine Lösung gefunden werden, weil wir sonst eine ganze Generation in die Altersarmut schicken. <BR /><BR /><BR />