Dienstag, 10. Juli 2018

Scheidungen und Trennungen in Südtirol sind rückläufig

Die heutige Zeit ist nach wie vor von einer nie da gewesenen Schnelllebigkeit gekennzeichnet. Lebensgewohnheiten und gesellschaftliche Strukturen sind einem ständigen Wandel unterworfen. Dennoch sind sowohl die Ehetrennungen als auch die Ehescheidungen zurückgegangen: Im Jahr 2017 gab es um 7,2 Prozent weniger Trennungen und um 20,3 Prozent weniger Scheidungen als im Vorjahr.

Trennungen und Scheidungen sind rückläufig.
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Trennungen und Scheidungen sind rückläufig. - Foto: © shutterstock

In Südtirol wurden im vergangenen Jahr 618 Ehen getrennt: Das sind 48 Trennungen weniger als im Vorjahr, das entspricht einem Minus von guten 7 Prozent. 134 der gesamten Trennungen werden außergerichtlich und 484 mit gerichtlichem Verfahren beantragt. Die Trennungsrate beträgt damit 11,7 je 10.000 Einwohner.

Je nach Art des Verfahrens haben im Vergleich zum Vorjahr die außergerichtlichen Trennungen um fast 22 Prozent zugenommen. Die gerichtlichen Trennungen haben dagegen um knapp 13 Prozent abgenommen.  

2 Drittel sind Scheidungen gerichtlicher Art

Auch die Zahl der Scheidungen ist nach dem Spitzenwert von 875 im Jahr 2016 auf 697 Scheidungen im Jahr 2017 gesunken, um 20,3 Prozent. Fast 2 Drittel der Scheidungen, nämlich 455, sind gerichtlicher Art, 242 Ehen werden außergerichtlich gelöst. Im Vergleich zum Vorjahr haben die gerichtlichen Scheidungen um fast 24 Prozent abgenommen, die außergerichtlichen hingegen um fast 13 Prozent.

13,3 Scheidungen pro Einwohner

Trotz des starken Rückgangs der gerichtlichen Scheidungen machen diese immer noch 65,3 Prozent aller Scheidungen aus. Die Scheidungsrate beträgt 13,3 Scheidungen je 10.000 Einwohner.

So lange dauern Südtiroler Ehen durchschnittlich 

Um die Stabilität der Ehen zu bewerten, wird die Zeitdauer zwischen Hochzeit und Trennungsurteil betrachtet. Von den 618 Ehepaaren, die sich 2017 trennten, konnten 11,5% ihren 5. Hochzeitstag nicht mehr zusammen feiern, 19,7% trennten sich nach 5 bis 9 Ehejahren, 15,0% nach 10 bis 14 und 18,3% nach 15 bis 19 Jahren. Mehr als ein Drittel der getrennten Ehen hatte 20 Jahre und länger gehalten (35,4%).

Der Anteil der Trennungen langer Ehen, nämlich 15 Jahre und mehr, hat sich in den letzten Jahrzehnten verdreifacht: Von 17,2 Prozent im Jahr 1975 auf 53,7 Prozent im Jahr 2017. Die Trennungen von erst seit weniger als 5 Jahren bestehenden Ehen sind hingegen gesunken (von guten 27 Prozent im Jahr 1975 auf 11,5 Prozent im Jahr 2017).

Man ist sich einig

Fast 70 Prozent der gerichtlichen Trennungen erfolgen einvernehmlich. Bei den strittigen Trennungen reichen weiterhin vor allem die Ehefrauen 80 Prozent den Antrag auf ein gerichtliches Eröffnungsverfahren ein.

Gute 65 Prozent der gerichtlichen Scheidungen erfolgen in beidseitigem Einvernehmen. Die außergerichtlichen Trennungen und Scheidungen hingegen können, wie vom neuen Gesetz vorgesehen, nur einvernehmlich eingereicht werden.

Bildung oder Erwerbstätigkeit spielen eine Rolle

Von den psychologischen Faktoren abgesehen, welche von der Gerichtsstatistik nicht erhoben werden, beeinflussen auch soziokulturelle Größen wie Bildung oder Erwerbstätigkeit der Ehepartner sowie die zunehmende finanzielle Unabhängigkeit der Frau die Konfliktanfälligkeit einer Ehe. Bei nahezu 80,0% der Trennungen in Südtirol weisen Mann und Frau den gleichen Bildungsgrad auf, während in 14,0% der Fälle sie, in 8,1% der Fälle er den höheren Studientitel besitzt.

Kulturelle Unterschiede 

Auch die kulturellen Unterschiede können die Beständigkeit einer Ehe beeinflussen. Von den 618 Trennungen betreffen 123 Fälle, fast 20 Prozent, bei denen einer der Ehepartner einer ausländischen Nationalität angehört oder die italienische Staatsbürgerschaft erst nach der Geburt erhalten hat. Der Anteil an Trennungen, bei denen beide Partner ausländische Staatsbürger sind, ist mit 3,6 Prozent sehr gering.

Bei 20 Prozent der Fälle ist ein minderjähriges Kind involviert

59,5 Prozent der Ehen, welche im Jahr 2017 geschieden werden, sind kinderlos oder die Kinder sind bereits erwachsen. In 20,2 Prozent der Fälle ist ein minderjähriges Kind, in fast 17 Prozent 2 und in 3,3 Prozent sind 3 oder mehr Kinder betroffen. Insgesamt sind bei mehr als 40 Prozent aller Scheidungen minderjährige Kinder involviert.

stol

stol