Am Sonntag herrschte im gesamten Tiroler Alpenraum Kaiserwetter. Beste Voraussetzungen also für eine Segelflugstunde. So hob am Nachmittag gegen 14.30 Uhr am Flugplatz Nikolsdorf bei Lienz ein einmotoriges Kleinflugzeug der Marke Robin DR 400 ab, das der 43-jährige Kärntner Anton Petschauer aus Winklern im Mölltal lenkte, vielen in der Gegend als Kaminkehrermeister bekannt. Der sehr erfahrene Pilot war seit Jahren Mitglied des Fliegerclubs Lienzer Dolomiten. Im Schlepptau hatte der Motorflieger ein Segelflugzeug, in dem ein 56-jähriger Osttiroler Fluglehrer saß und sein 65-jähriger Flugschüler aus dem mittleren Pustertal.<h3> Haube hat sich unerklärlicherweise geöffnet</h3>Laut Auskunft der Tiroler Landespolizeidirektion soll das Segelflugzeug kurz nach dem Start in sehr niedriger Höhe ins Pendeln geraten sein. Gleichzeitig habe sich unerklärlicherweise die Haube geöffnet, wodurch das Segelflugzeug in die Höhe geschnellt sei. Weil der Segler mit dem Schlepptau verbunden war, riss er den Rumpf des Motorflugzeugs in die Höhe, sodass es nach vorne überkippte. Der Fluglehrer im Segelflieger konnte seine Maschine noch rechtzeitig ausklinken. Ansonsten wäre auch sein Flugzeug in die Tiefe gerissen worden.<BR /><BR />Für das Motorflugzeug gab es indes keine Rettung mehr. Die Flughöhe von nur etwa 50 Metern reichte nicht aus, um das Flugzeug noch hochzureißen. Es stürzte in einen nahegelegenen Acker, zerschellte am Boden und ging sofort in Flammen auf. Der Pilot kam ums Leben. Das Segelflugzeug hingegen konnte sicher am Flugplatz Nikolsdorf landen.<h3> <b>„Unter 100 Meter hast du keine Chance“</b></h3>„Die ersten 100 Höhenmeter sind die gefährlichsten“, erklärte Manfred Lanzinger vom Aero Club Toblach. Passiere da etwas, sei es ganz schwierig zu reagieren. Meist gehe es dann schlecht aus, „denn unter 100 Metern Flughöhe hast du als Pilot so gut wie keine Chance.“<BR /><BR />Die Flugplatzbetriebsleiterin Andrea Moser setzte umgehend den Notruf ab. Die Einsatzkräfte waren schnell vor Ort, konnten aber nichts mehr ausrichten. Im Einsatz am Flugplatz Nikolsdorf waren die Feuerwehren von Nikolsdorf und Lienz, Rettung und Notarzt, die Polizei samt Polizeihubschrauber sowie ein Kriseninterventionsteam. Die Absturzstelle wurde abgesperrt, die Ermittlungen zum Unfall wurden sofort aufgenommen.<BR /><BR />Am Tag nach dem Unfall waren Fluglehrer und Flugschüler zutiefst erschüttert. Der Fluglehrer hat mit dem Piloten einen seiner besten Freunde verloren, wie er sagte. Zum Unfallhergang wollte er keine Angaben machen. Er sei jedenfalls am Boden zerstört: „Momentan ist es der Horror.“ Immer wieder stelle er sich die Frage, wie es nur zu dem schrecklichen Unfall kommen konnte. Antworten habe er keine. Auch der Pusterer Flugschüler bat um Verständnis, dass er derzeit nichts sagen wollte.<h3> Obduktion angeordnet</h3>Mitglieder der Sicherheitsuntersuchungsstelle Österreichs fanden sich am Absturzort ein, das zerstörte Flugzeug und das Segelflugzeug wurden sichergestellt. Außerdem wurde die Obduktion des verstorbenen Piloten angeordnet. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat einen Sachverständigen aus der Luftfahrtanalyse mit der Klärung des Unfallherganges und der Absturzursache beauftragt. Bis ein Ergebnis vorliegt, kann es Tage, wenn nicht Wochen dauern. Bis die Ergebnisse nicht vorliegen, wird gegen die beiden Insassen des Segelflugzeuges, also gegen den Segelfluglehrer und den Segelflugschüler, ermittelt, um ein allfälliges Verschulden am Unfall zu klären. Ermittelt werde wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung, sagte Julia Klingenschmid von der Staatsanwaltschaft.