Freitag, 08. Januar 2016

Silvesterattacken: Kölns Polizeichef muss nach Übergriffen gehen

Der nach den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof in die Kritik geratene Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers ist in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Die entsprechende Entscheidung hat der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger (SPD), gefällt.

Kölns Polizeichef Wolfgang Albers muss seinen Posten räumen.
Kölns Polizeichef Wolfgang Albers muss seinen Posten räumen. - Foto: © APA/AFP

„Meine Entscheidung ist jetzt notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Handlungsfähigkeit der Kölner Polizei zurückzugewinnen – auch mit Blick auf die anstehenden Großveranstaltungen“, teilte Jäger am Freitag in Düsseldorf mit. Er habe Albers diese Entscheidung in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. 

Zuletzt waren zunehmend Rücktrittsforderungen gegen Albers laut geworden. Unter anderem war Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker deutlich auf Distanz gegangen.

Dem Polizeipräsidenten von Deutschlands viertgrößter Stadt wurde unter anderem vorgeworfen, die Öffentlichkeit nach den Übergriffen nicht rechtzeitig informiert zu haben und Informationen unter anderem über die Herkunft der Verdächtigen zurückgehalten zu haben.

Aus einer Gruppe von 1.000 Männern heraus hatten sich in der Silvesternacht kleinere Gruppen gebildet, die Frauen umzingelt, sexuell bedrängt und bestohlen haben sollen. Der Polizeieinsatz war von vielen Seiten scharf kritisiert worden, unter anderem vom deutschen Innenminister Thomas de Maizière. Informationen über den Einsatzablauf kamen nur stückchenweise ans Licht.

Kölns Polizeichef zeigt Verständnis für Rauswurf

Der in den einstweiligen Ruhestand versetzte Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers selbst zeigt Verständnis für seinen Rauswurf. Die öffentliche Debatte um ihn und sein Verhalten nach den chaotischen Szenen könne die Arbeit der Polizei erschweren und verzögern. „Deshalb verstehe ich die heutige Entscheidung von NRW-Innenminister Ralf Jäger“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme von Albers. „Es geht darum, verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen.“

Der 60-Jährige stärkte seinen Polizisten den Rücken: „Ich akzeptiere es, dass in der aktuellen Diskussion die Polizeiführung und damit auch zuallererst meine Person ins Zentrum der Kritik geraten sind“, sagte er. „Aber die Polizistinnen und Polizisten, die in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof im Dienst waren, haben diese Kritik nicht verdient.“

apa/dpa

stol