Samstag, 05. September 2015

So echt trainiert Südtirols Feuerwehr für den Ernstfall

Ein Brandgeschwür nach einer Gasexplosion, eine gifte Rauchwolke bei einem Feuer, ein völlig zerstörtes Unfallauto: Südtirols Feuerwehren wird bei ihren Einsätzen allerhand zugemutet. "Man ist im Ernstfall nur so gut, wie man sich darauf vorbereitet hat", weiß Landesfeuerwehrpräsident Wolfram Gapp. Doch nicht nur deshalb sind die Übungen so realistisch, wie eben möglich.

So könnte es in echt aussehen. Die FFW Hafling simulierte einen Einsatz nach einer Gasexplosion in einer Waldhütte. - Foto: FFW Hafling
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So könnte es in echt aussehen. Die FFW Hafling simulierte einen Einsatz nach einer Gasexplosion in einer Waldhütte. - Foto: FFW Hafling

Ein blutiger, verätzter Arm, ein verbranntes Gesicht: Man könnte meinen, es handelt sich um einen echten Einsatz, den die Freiwillige Feuerwehr Hafling am Freitagabend zusammen mit der First-Responder-Gruppe bewältigen musste. Simuliert wurde eine Gasexplosion in einer Waldhütte.

"Damit alles so realistisch wie möglich aussah, wurden zwei Personen geschminkt, die bei der Gasexplosion verletzt wurden", berichtet die Feuerwehr und belegt dies eindrücklich mit Bildern. Doch ist das nicht ein bisschen zu übertrieben für eine Übung?

  

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So könnte es in echt aussehen. Die FFW Hafling simulierte am Freitag einen Einsatz nach einer Gasexplosion in einer Waldhütte. - Foto: FFW Hafling

"Keineswegs", sagt Landesfeuerwehrpräsident Wolfram Gapp. Im Gegenteil. Man gebe sich sogar außerordentlich Mühe, um die Übungen so realistisch wie möglich zu machen. Und ja, das sei "ein Mords-Aufwand", den die Zuständigen sich dabei auferlegen würden.

10.000 Einsätze - genauso viele Übungen

Man muss bedenken: Südtirols Feuerwehren rücken im Jahr zu rund 10.000 Einsätzen aus. "Und es werden genauso viele Übungen abgehalten", weiß Gapp. Das alles neben den Lehrgängen, die in der Landesfeuerwehrschule absolviert werden. 

Für jene, die zur Übung ausrücken, muss es dann eine Art "Überraschungseffekt geben". Das heißt: Die Führungskraft weiß Bescheid, die anderen müssen sich - wie im Ernstfall auch - vor Ort auf die Situation einstellen. "Da ist es gut, wenn es immer spannend bleibt und nicht zu einer Standardübung wird", erklärt Gapp. 

Das trage nämlich dazu bei, dass die Leute motiviert bleiben und auch die Proben mit einer Ernsthaftigkeit und Freude absolvieren. Sprich: dass die Mitglieder gerne zur Übung und nicht nur im Ernstfall gerannt kommen.

 

Es kann auch nass werden: Die FFW Garn etwa ging kürzlich im Schwimmbad von Feldthurns für die Atemschutzübung sprichwörtlich unter. - Foto: Feuerwehren Südtirol

Um das zu gewährleisten - und natürlich um möglichst wahrheitsgetreu agieren zu können, lässt sich die Feuerwehr so einiges einfallen. 

Disco-Rauch für Null-Sicht

"Bei Brandsimulationen wird etwa ein ungiftiger Disco-Rauch erzeugt. Damit wird ein Einsatz bei Null-Sicht geübt", erklärt Gapp. Da die Feuerwehren oft zu Verkehrsunfällen ausrücken, muss auch das immer wieder geprobt werden. "Dazu werden dann Schrottautos benötigt, die oft nicht so einfach aufzutreiben sind", weiß Gapp. Zudem müssen dabei alle Auflagen eingehalten werden - etwa, dass Treibstoff und alle Öle des Fahrzeugs entsorgt werden müssen, damit keine Umweltgefahr besteht.

Und dann wird schließlich auch in die Farbkiste gegriffen, um wüste Verletzungen zu simulieren. Darin sind die Rettungskräfte des Weißen Kreuzes wahre Meister.

Viel Aufwand also für eine wahrhaft "echte" Übung, aber äußerst sinnvoll.

 

So sieht eine technische Nachtübung der FFW St. Michael-Eppan aus. - Foto: Feuerwehren Südtirol

"Es ist einfach wichtig, dass das Zusammenspiel mit den Kameraden, den Nachbarwehren und den anderen Rettungskräften geprobt wird, denn so entsteht Vertrauen - und im Einsatz muss ich mich oft voll auf den anderen verlassen können", weiß Gapp aus Erfahrung.

Geprobt wird, wenn es am besten geht

Dazu werden dann auch die Großübungen organisiert. Wie oft jede Feuerwehr sich selbst trifft und übt, ist der Kompanie selbst überlassen. "Das ist oftmals saisonal bedingt. Oft hat man einen fixen Tag in der Woche, dann wieder trifft man sich zweimal im Monat. Das hängt von den sonstigen Verpflichtungen ab", so der Landesfeuerwehrpräsident.

In Tourismushochburgen werde in der Nebensaison öfter ausgerückt, in Berggebieten wird auf die Heuzeit und dergleichen Rücksicht genommen, so gut es eben geht. Und zwischendrin werden Einsatz-Szenarien so reell es irgend geht durchgespielt.

Der nächste Ernstfall kommt bestimmt

Sieht man sich die aktuellen Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren im Land in den vergangenen 24 Stunden an (siehe unten), lässt sich erkennen, wie sehr die Wehrleute gefordert sind. Und plötzlich ist alles nicht mehr nur ein Übung. Aber die Einsatzkräfte sind gewappnet durch das beispielhafte Training.

 

stol/ker

stol