Allein im vergangenen Jahr waren es Überweisungen von knapp 89 Millionen Euro, mit denen sie ihre Familien in den Herkunftsländern unterstützen. Oft genug wird das Geld dort für die elementarsten Dinge wie Lebensmittel gebraucht. <BR /><BR />Aber auch in die Schulbildung fließt die Finanzspritze. „Das Geld lindert die schlimmste Armut und sorgt auch dafür, dass die so unterstützten Menschen in ihren Heimatländern bleiben können“, sagt Migrationsforscher Fernando Biague.<BR /><BR />Eines vorneweg: Die zentral in Rom gesammelten Daten bilden sicherlich nicht die gesamte Unterstützung der hier lebenden Migranten für die Daheimgebliebenen ab. Erfasst werden „nur“ Überweisungen. Doch allein diese gehen Jahr für Jahr in die Millionen. Knapp 89 Millionen Euro waren es 2023, rund 80 Millionen 2022, und sogar in den Corona-Jahren waren es 68,5 (2021) bzw. 57,6 Millionen (2020). <BR /><BR />Staatsweit waren es für 2022 8,2 Milliarden Euro und damit 473 Millionen mehr als im Vorjahr. Die meiste private finanzielle Unterstützung fließt auf gesamtstaatlicher Ebene nach Bangladesch (gefolgt von Pakistan und den Philippinen), für das Jahr 2022 waren dies 1,2 Milliarden Euro.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="988327_image" /></div> <BR /><BR /> In eben diesem Jahr 2022 lebten rund 12,5 Prozent der bangladeschischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Kein Wunder, dass Verwandte im Ausland ihren Herkunftsfamilien finanziell unter die Arme greifen (müssen). „Der Familienzusammenhalt ist in vielen dieser Herkunftländer sehr groß und bezieht auch die im Ausland lebenden Familienmitglieder ein. Regelmäßige Geldsendungen werden regelrecht eingefordert“, weiß Fernando Biague. Und das gilt eben nicht nur für zurückgebliebene Eltern und Geschwister, sondern auch für Tanten, Onkel, Cousins...<BR /><BR /> Die fleißigsten „Spender“ in Südtirol sind Neubürger aus Pakistan. Laut den für das Jahr 2022 bereits nach Empfängerländer aufgeschlüsselten Daten flossen so rund 18 Millionen Euro aus Südtirol in die private „Entwicklungshilfe“ für Pakistan. Über 39 Prozent der Bevölkerung Pakistans sind nach wie vor von mehrdimensionaler Armut betroffen, das Land leidet zudem in jüngster Zeit besonders unter Naturkatastrophen. <BR /><BR />Rechnet man diese Summe von 18 Millionen Euro um auf die 2022 in Südtirol lebenden knapp 4000 Pakistaner, ergibt sich im Durchschnitt eine monatliche Überweisung pro Kopf von 375 Euro. Angesichts der meist eher niedrigen Einkommen der Migranten eine stolze Summe, die sich diese „vom Mund absparen“. <h3> Auch für die Ärmsten im Dorf</h3>Auf Platz 2 der Empfängerländer steht im Südtiroler Ranking Bangladesch, gefolgt von Indien. Dabei leben in Südtirol lediglich rund 1500 Inder, Migranten aus Bangladesch gibt es noch weniger. Dennoch sind alle 3 Länder konstant die größten Empfänger. Vielfach geht das Geld direkt an die bedürftigen Familien, zumeist aus der eigenen größeren Verwandtschaft. Aber auch die Ärmsten im „eigenen Dorf“ werden unterstützt. Andere Geldmittel fließen auch in soziale Projekte vor Ort.<BR /><BR /> „Mit wenigen Euro aus Europa können sich Familien in den ärmsten Ländern der Welt über Wasser halten. Sozialleistungen gibt es dort so gut wie nicht. Gerade ältere Menschen oder Personen mit Beeinträchtigung sind meist vollkommen auf die ,ausländische Verwandtschaft„ angewiesen. Doch mit den Überweisungen können sie überleben und vor allen Dingen zu Hause bleiben“, erklärt Biague.<BR /><BR />DAS SAGT DER EXPERTE<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="988330_image" /></div> <BR /><BR /><b>Welche Bedeutung kommt den finanziellen Zuweisungen der Migranten in ihre Herkunftsländer zu?</b><BR />Fernando Biague: Für die Familien ist das Geld oft genug buchstäblich überlebenswichtig. Es wird für elementare Dinge wie Essen und Medizin gebraucht. Aber auch für Investitionen in die Zukunft, etwa für die Schulbildung jüngerer Geschwister. Es trägt sicherlich maßgeblich dazu bei, die Auswanderung aus diesen Ländern einzugrenzen. <BR /><BR /><b>Auf diese Weise fließen jedes Jahr Milliarden an privater Finanzhilfe etwa nach Pakistan oder Bangladesch. Warum bleibt die Bevölkerung dort dennoch arm?</b><BR />Biague: Die staatlichen Rahmenbedingungen bleiben ja gleich, es fehlt weiter an Infrastrukturen. Und das Geld der Verwandten wird wie gesagt für das tägliche Überleben gebraucht, nur ein sehr kleiner Teil kann beispielsweise für die Schaffung von unternehmerischen Aktivitäten verwendet werden.<BR /><BR /><b>Und was bedeutet das für die hier lebenden „Absender“?</b><BR />Biague: Das Geld fehlt natürlich hier für Investitionen in die eigene Zukunft...