Dienstag, 22. August 2017

Studenten ohne Dach über dem Kopf: Freie Plätze gesucht!

Lust auf Uni in Bozen, aber keine Bleibe: Mitte September beginnen die Vorlesungen, aber viele Studierende haben noch keine Unterkunft. Alle Heimplätze sind vergeben und angeblich keine Zimmer mehr frei. Dabei wäre genug Wohnraum da, nur eben nicht für Studenten. Daher lockt die Südtiroler HochschülerInnenschaft (sh.asus) nun private Wohnungsbesitzer mit ein paar Zuckerlen.

Keine Wohnung am Unistandort Bozen: Für viele Studierende ein großes Problem.
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Keine Wohnung am Unistandort Bozen: Für viele Studierende ein großes Problem. - Foto: © shutterstock

Südtirol Online: Die Südtiroler HochschülerInnenschaft (sh.asus) verweist auf die prekäre Wohnungssituation von Studierenden in Südtirol. Was heißt das konkret?

Benno Elsler, Vorsitzender der sh.asus: Genaue Zahlen haben wir nicht vorliegen, allerdings ist es  so, dass die mehr als 600 Heimplätze im Land bereits vor Ablauf der Bewerbungsfrist alle schon vergeben sind. Auf dem Blog für Wohnungsinserate der Uni Bozen sind auch fast nur noch Gesuche und keine Angebote mehr zu finden.

STOL: Ist das Wohnungsproblem der Studierenden neu?

Elsler: In diesem Jahr hat sich die Situation durch den großen Ansturm an Studieninteressierten verschärft. Insbesondere auch Doktoratsstudierende, die eine Forschungskarriere in Bozen anstreben, sind auf der Suche nach Wohnmöglichkeiten. Da gab es einen großen Bewerberboom.
Mehrerer Bewerber haben der Uni bereits gemeldet, dass sie erwägen, an eine andere Uni zu gehen, wenn sie keine Unterkunft finden.

STOL: Dass Studierende wegen des Unterkunftsmangels ausbleiben, wäre sicher schlecht für den Ruf der Uni Bozen…

Elsler: Das wäre nicht nur schlecht für den Ruf der Uni, sondern für das Gesamtkonzept des Studienortes Südtirol. Südtirol und im Besonderen Bozen kann sich als Uni-Standort nicht weiterentwickeln, wenn man den Studierenden den Wohnraum verwehrt.
Das Problem ist: Raum und Wohnungen wären ja vorhanden, gar viele sind frei, aber werden für Studierenden nicht zur Verfügung gestellt.

STOL: Sie plädieren daher auch an alle privaten Wohnungsbesitzer, die über freien Wohnraum in Südtirol verfügen, diesen den Studierenden zur Verfügung zu stellen. Warum sind diese so zurückhaltend?

Elsler: Es gibt sicher Vorurteile gegenüber Studierenden. Die Vermieter haben Angst, dass sie draufzahlen, dass die jungen Mieter Schäden machen und Unruhe stiften. Doch das sind Extremfälle. Zum Studierenden brauche ich eine Wohnung, wo ich in erster Linie meine Ruhe habe und die alltäglichen Dinge erledigen kann.

Benno Elsler, Vorsitzender der sh.asus. - Foto: Dlife

STOL: Für Wohnangebote für Studierende haben Sie eine eigene Plattform. Was hat es damit auf sich?

Elsler: Yost ist eine Plattform für die Vermietung von Wohnungen an Studierende (STOL hat berichtet). Ein großer Vorteil dieses Portals ist, dass ein Mitarbeiter der Studienberatungsstelle MUA (Movimento Universitario Alto Atesino) eine Vorselektion der interessierten Studierenden vornimmt. Der Vermieter muss sich auch nicht um Fotos und die Übersetzung der Annonce kümmern, dieser Service wird ebenfalls kostenlos von der MUA übernommen..

STOL: Welche Anreize gibt es für Wohnungsvermieter noch?

Elsler: Vermieter vergessen, dass es auch finanzielle Vorteile gibt, wenn man Wohnraum an Studierende vergibt – in Form von Steuervergünstigungen über die Ersatzsteuer. Das Einkommen durch die Vermietung wird in diesem Fall autonom versteuert. Der Steuersatz beträgt hierbei nur 10 Prozent.  
Auch wenn sich jemand nicht sicher ist, was er mit der Wohnung tun will, kann die Vermietung an Studierende Vorteile bringen. Für Studierende können relativ kurze Verträge aufgesetzt werden. Die Vertragsdauer liegt bei minimal 6 Monaten und 36 Monaten maximal.

STOL: Bozen gilt wohntechnisch als teures Pflaster, Studierende haben für gewöhnlich nicht allzu viel Geld für die Unterkunft auszugeben. Spielt dies auch eine Rolle?

Elsler: Das ist sicher ein Grund. Deshalb sollten Vermieter bedenken, dass durch die Vermietung einzelner Zimmer auch schon bei moderaten Preisen eine schöne Summe Geld herausschaut. 

Interview: Petra Kerschbaumer

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Die Freie Universität Bozen unterstützt die Initiative der sh.asus mit Nachdruck und hofft, dass auch in den kommenden Wochen, wenn die neuen Studierenden sich auf ihr Kommen nach Südtirol vorbereiten, weitere Angebote seitens der Wohnungsbesitzerinnen und –besitzer geschaltet werden. Für Angebote schreiben Sie bitte an [email protected] oder [email protected]. Die Inserate werden online veröffentlicht.

stol