Freitag, 01. Mai 2015

Studie untersucht Sprachgebrauch junger Südtiroler

Wie verwenden junge Südtiroler Deutsch und Italienisch? Dieser Frage geht eine noch unveröffentlichte Studie nach, die den aktiven und passiven Sprachgebrauch von Jugendlichen in Bozen und Meran untersucht.

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Foto: © shutterstock

Thomas Aichner von der Universität Padua und Paolo Coletti von der Freien Universität Bozen haben den Sprachgebrauch von mehr als 200 deutsch- und italienischsprachigen Südtirolern und Südtirolerinnen untersucht, die überwiegend zwischen 18 und 20 Jahre alt sind und in Bozen oder Meran wohnen.

Die Umfrageteilnehmer mussten unter anderem angeben, zu wie viel Prozent sie jeweils Deutsch, Italienisch oder eine andere Sprache für folgende elf Aktivitäten verwenden: Zuhause, mit Verwandten, mit Freunden, beim Lesen von Tageszeitungen, Magazinen bzw. Büchern, beim Fernseh- bzw. Radiokonsum, beim Einkaufen, bei der Arbeit und in der Schule.

„Wir können bestätigen, dass deutschsprachige Jugendliche grundsätzlich häufiger Italienisch als italienischsprachige Jugendliche Deutsch verwenden, vor allem beim Lesen und Hören. Besonders Sportsendungen und Sportprintmedien werden oft auf Italienisch konsumiert. Beim aktiven Sprachgebrauch, also beim Sprechen, sind die Unterschiede hingegen geringer bzw. überhaupt nicht vorhanden“, so die Forscher. Am deutlichsten zeige sich der Unterschied beim passiven Sprachgebrauch, insbesondere beim TV-Konsum und beim Lesen von Tageszeitungen. Deutschsprachige Jugendliche schalten laut der Studie etwa drei Mal so oft einen italienischen Sender ein und lesen fast doppelt so oft italienische Tageszeitungen wie umgekehrt.

In absoluten Zahlen wird Italienisch von deutschen Südtirolern am öftesten beim Einkaufen verwendet, und zwar in 29,5 Prozent der Fälle. Aber auch die italienischsprachigen Südtiroler verwenden in 19,5 Prozent Deutsch, wenn sie einkaufen gehen. Beim Sprachgebrauch Zuhause, mit Freunden, beim Lesen von Büchern, bei der Arbeit und auch in der Schule gibt es laut Aichner und Coletti keine signifikanten Unterschiede, die zweite Landessprache wird von beiden Sprachgruppen etwa genauso oft verwendet.

„Insgesamt gab es nur eine Handvoll an Teilnehmern in unserer Untersuchung, die ausschließlich eine der beiden Sprachen sprechen. Die große Mehrzahl spricht zumindest in bestimmten Situationen auch Deutsch bzw. Italienisch“, fassen die Verantwortlichen der Studie die Ergebnisse zusammen.

stol