Donnerstag, 21. April 2016

Südtirol, das Land der wiederholten "Ja"-Sager

Nein, nicht nur Anna Fenninger traut sich in Südtirol. Trotz "Nesthocker" werden hierzulande wieder mehr Trauungen verzeichnet. Doch während Österreichs Skilady auf kirchlichem Weg die Ehe einging, tun es die Südtiroler zunehmend nur noch am Standesamt. Auch, weil die Zweitehen seit Jahren zunehmen.

Südtirol traut sich wieder.
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Südtirol traut sich wieder. - Foto: © shutterstock

Heiraten ist eigentlich nicht mehr angesagt. Aufgrund des allgemeinen Wertewandels ziehen es immer mehr Paare vor, ohne Trauschein zusammenzuleben. Au- ßerdem tragen die längeren Bildungswege, die hohe Jugendarbeitslosigkeit und die finanzielle Belastung, die der Gründung eines eigenen Hausstandes im Weg steht, dazu bei, dass zahlreiche junge Menschen länger in der Herkunftsfamilie verbleiben.

In Südtirol leben derzeit fast 20.000 unverheiratete Menschen im Alter ab 30 Jahren im Elternhaus. Zwei Drittel der „Nesthocker“ sind Männer.

Nichtsdestotrotz zieht die Zahl der Eheschließungen in Südtirol wieder leicht an.

4 Hochzeiten je 1000 Einwohner

Im Jahr 2015 gingen in Südtirol 2103 Paare den Bund der Ehe ein, 3,2% mehr als im Vorjahr.
Die Eheschließungsrate beträgt nunmehr 4 Hochzeiten je 1.000 Einwohner und ist somit im Trend der vergangenen zwei Jahrzehnte. Die Rate liegt deutlich über dem gesamtstaatlichen Mittelwert von 3,1‰, der ansonsten nur von den süditalienischen Regionen übertroffen wird.

Großteil standesamtliche Trauungen

Das Heiratsverhalten in Südtirol weicht auch hinsichtlich des Trauungsritus vom restlichen Italien ab: 2015 ließen sich hierzulande 32,5% aller Paare kirchlich und 67,5% standesamtlich trauen.

Quelle: Astat

Im Schnitt werden in ganz Italien 43,1% der Ehen vor dem Standesbeamten geschlossen. Während in Nord- und Mittelitalien die zivilen Hochzeiten mehr als die Hälfte aller Eheschließungen ausmachen, bevorzugen heiratswillige Paare in den süditalienischen Regionen traditionsgemäß die kirchlichen Riten.

In der Bezirksgemeinschaft Salten-Schlern, im Raum Schlanders, Lana und Bruneck sowie in den ladinischen Tälern traten mehr als 4 von 10 Paaren vor den Traualtar. In den Städten Bozen und Meran wollten hingegen nur noch rund 15% der Brautleute den kirchlichen Segen, während sich der Löwenanteil der Paare standesamtlich trauen ließ.

Zweitehen auf dem Vormarsch

Insgesamt nimmt der Anteil der standesamtlichen Eheschließungen weiterhin kontinuierlich zu. Das kann zum Teil auf die vermehrten Zweitehen und bikulturellen Ehen zurückgeführt werden. 
Die Zahl der Hochzeiten zwischen Personen, die zum ersten Mal heiraten, ist in zwei Jahrzehnten von 2.036 im Jahr 1996 auf 1.683 im Jahr 2015 zurückgegangen. 

Demgegenüber haben die Wiedervermählungen erheblich zugenommen: Während vor 20 Jahren lediglich 10,9% aller Trauungen von Paaren geschlossen wurden, bei denen mindestens ein Partner bereits vorher verheiratet war, so ist ihr Anteil im Bezugsjahr fast doppelt so hoch (20,0%).

Am häufigsten haben Geschiedene erneut geheiratet: Bei 36% der Zweitehen war der Mann geschieden und die Frau ledig und in 27,9% der Fälle war es umgekehrt, während bei 28,8% der Wiederverheirateten beide Partner schon eine Scheidung hinter sich hatten. Gering ist die Quote der Verwitweten, die sich noch einmal trauten.

Man traut sich immer später

Die Ehe wird schon lange nicht mehr zwangsläufig als Voraussetzung für eine Familiengründung angesehen. Das ist wahrscheinlich auch der Hauptgrund, weshalb viele Paare den entscheidenden Schritt hinauszögern.

Quelle: Astat

Das durchschnittliche Alter des Bräutigams bei der Erstheirat liegt im Jahr 2015 bei 36,9 und jenes der Braut bei 34,3 Jahren. Zwanzig Jahre zuvor waren beide Brautleute noch fünf Jahre jünger. Der mittlere Altersunterschied zwischen Braut und Bräutigam von etwa zweieinhalb Jahren blieb hingegen relativ konstant.

Auf gesamtstaatlicher Ebene gehen Braut und Bräutigam das Wagnis der Ehe im Schnitt früher ein, und zwar mit 31,3 bzw. 34,3 Jahren.

Südtiroler Mann heiratet osteuropäische Frau

Im Bezugsjahr wurden 296 Ehen eingegangen, bei denen entweder der Bräutigam oder die Braut einer ausländischen Nationalität angehört. Das entspricht einem Anteil von 14,1% an den gesamten Eheschließungen.
Dabei haben mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen einen ausländischen Partner geehelicht (208 gegenüber 88). Größtenteils handelt es sich bei den Eingeheirateten um Bürger aus Europa, vor allem aus dem deutschen Kulturraum. Die Frauen stammen vermehrt auch aus osteuropäischen Staaten.

Im Jahr 2015 fanden zudem 283 Hochzeiten unter Ausländern statt, die fast zur Gänze dem „Heiratstourismus“ zuzuschreiben sind: Allein 210 bundesdeutsche Paare haben Südtirol als Kulisse ihrer Traumhochzeit auserkoren. Am beliebtesten waren - mit 105 Trauungen von nicht ansässigen Brautleuten - die Gemeinden des Burggrafenamtes.

stol

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