Freitag, 02. Oktober 2015

Südtiroler Gletscher um 3 Meter geschrumpft

Schnee und Eis auf Südtirols Gletschern haben starke Verluste hinnehmen müssen. Dies geht aus den Abschlussbegehungen hervor, die das Hydrographische Landesamt, die Universität Innsbruck und das Italienische Gletscherkomitee vorgenommen haben.

Mit Abschlussbegehungen - im Bild in der Gletscherlandschaft mit dem Hochgall im Hintergrund am 1. Oktober - hat das Hydrographische Landesamt das Haushaltsjahr 2014/2015 abgeschlossen.
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Mit Abschlussbegehungen - im Bild in der Gletscherlandschaft mit dem Hochgall im Hintergrund am 1. Oktober - hat das Hydrographische Landesamt das Haushaltsjahr 2014/2015 abgeschlossen. - Foto: © LPA

Die Begehungen auf dem Westlichen Rieserferner in Rein in Taufers, dem Weißbrunnferner im Ultental, dem Langenferner im Martelltal und dem Übeltalferner im Ridnauntal bestätigten starke Einbußen der heimischen Gletscher in den vergangenen zwölf Monaten.

"Die Erhebungen", berichtet Roberto Dinale, Vizedirektor des Hydrographischen Amtes, "zeigen Eisverluste von mehr als drei Metern in den Zungenbereichen und beinahe die Erschöpfung der Schneereserven der beiden gletscherfreundlicheren Vorjahren in den oberen Teilen der Südtiroler Gletscher".

Der Niederschlag im Winterhalbjahr, ein paar Schneefallereignisse am Ende des Frühlings und im September sowie die meist geringe Luftfeuchtigkeit im Hochsommer sorgen jedoch dafür, dass die Endergebnisse vermutlich nicht ganz so schlimm wie 2002/03 ausfallen werden.

"Leicht weniger negativ", führt Roberto Dinale aus, "werden die Gletscher am Alpenhauptkamm abschneiden, vor allem deshalb, weil hier verhältnismäßig ein bisschen mehr Schnee als in der Ortler-Gruppe gefallen ist".

Die Gletscher Südtirols werden in den kommenden Jahrzehnten weiter abschmelzen, und eine Stabilisierung der Lage scheint nur in hochgelegenen Regionen - zum Beispiel rund um den Ortler und in den Stubaier Alpen - in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts möglich. Eine Stabilisierung allerdings, die maximal ein Viertel der heutigen Gletscherflächen umfasst.

Südtirol sollte sich also auf Zeiten einstellen, in denen in den meisten vergletscherten Gebieten Südtirols bis zum Ende des Jahrhunderts sehr wenig Eis übrig bleiben dürfte. Die Gletscher werden somit eine immer geringere Rolle im Wasserhaushalt spielen.

lpa

stol