Mittwoch, 06. Juli 2016

Südtiroler leben länger - aber nicht unbedingt besser

Um ganze 10 Jahre ist die Lebenserwartung der Südtiroler in den vergangenen 40 Jahren gestiegen. Während Frauen zwar immer noch ein höheres Alter erreichen, haben die männlichen Neugeborenen heute weitaus bessere Karten als noch 1974.

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Foto: © shutterstock

In den letzten Jahrzehnten ist die Lebenserwartung bei der Geburt dank einer Reihe wichtiger Faktoren stark gestiegen: Zu diesen zählen etwa eine rückläufige Säuglingssterblichkeit, ein gestiegener Lebensstandard und eine gesündere Lebensweise sowie Fortschritte in der Medizin.

Wie das Landesinstitut für Statistik Astat in ihrer aktuellen Studie erklärt, betrug der Zuwachs der Lebenserwartung zwischen 1974 und 2014 in der Region Trentino-Südtirol mehr als 10 Jahre, wobei sich der jährliche Zuwachs allmählich abschwächt.

Die einst beträchtlichen geschlechtsspezifischen Unterschiede verringern sich langsam: Im Jahr 1974 betrug die Differenz noch 7,3 Jahre, im Jahr 2014 nur mehr 4,6 Jahre. Dies sei, so berichten die Experten der Astat, vor allem auf die verhältnismäßig stärker gestiegene Lebenserwartung der Männer zurückzuführen.

Südtiroler Lebenserwartung über dem gesamtstaatlichen Wert

In Südtirol kann ein im Jahr 2014 geborener Junge mit einer Lebenserwartung von 81,2 Jahren rechnen, ein neugeborenes Mädchen mit 85,5 Jahren. Die Lebenserwartung beider Geschlechter liegt damit über dem gesamtstaatlichen Wert, der sich 2014 auf 80,3 Jahre für die Männer und auf 85,0 Jahre für die Frauen beläuft

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen Italiens sind laut Astat beträchtlich: Die höchste Lebenserwartung weist die Provinz Trient auf, die niedrigste die Region Kampanien.

Je älter wir werden, desto später kommt die Pension

Die Lebenserwartung spielt eine zentrale Rolle in Bezug auf das Rentensystem: Die italienweite Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren dient nämlich als Grundlage für die Anpassung des Mindestalters, das für den Antritt der Altersrente vorgesehen ist. Die Pensionsreform des Jahres 2011 sieht vor, das Eintrittsalter alle drei Jahre (2013, 2016, 2019) an die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren anzupassen, danach soll die Anpassung alle zwei Jahre erfolgen. Unabhängig davon ist aber ab 2021 ein Mindestalter von 67 Jahren vorgesehen.

Die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren hat kontinuierlich zugenommen: 1974 betrug sie auf gesamtstaatlicher Ebene 13,5 Jahre für den Mann und 16,6 Jahre für die Frau, im Jahr 2014 bereits 18,9 Jahre für den Mann und 22,3 Jahre für die Frau.

Italien im europäischen Vergleich weit vorne

Vergleicht man die gesamtstaatlichen Werte mit jenen der anderen EU-Staaten, so findet sich Italien bei beiden Geschlechtern auf den vordersten Plätzen wieder: Die Lebenserwartung der italienischen Männer ist die zweithöchste in der EU, nach jener der zyprischen Männer, jene der Italienerinnen die dritthöchste nach jenen der Spanierinnen und Französinnen.

Langes Leben ist nicht gleich gute Gesundheit

Ein 2014 in Italien geborener Bub kann laut Astat-Studie mit 62,5 Jahren in guter Gesundheit rechnen, ein Mädchen nur mit 62,3 Jahren.

Die höhere Langlebigkeit der Frauen geht also nicht unbedingt mit einer größeren Lebensqualität im Alter einher: Frauen leiden häufiger und früher als Männer an Erkrankungen wie Arthritis, Arthrose, Osteoporose, welche zwar nicht tödlich verlaufen, aber zu deutlichen Einschränkungen führen können.

stol/liz

stol