Samstag, 02. Januar 2016

Taizé in Valencia: "Ein wildes Silvester mit Tiefgang"

In einer besinnlichen Gemeinschaft auf das Jahr zurückschauen: Das machten zum Jahreswechsel rund 15.000 Jugendliche aus ganz Europa beim Taizé-Treffen in Valencia. Wie trotzdem wild gefeiert worden ist und was es mit dem Star Wars-Christengruß auf sich hat, hat STOL im Gespräch mit zwei Südtiroler Teilnehmern herausgefunden.

Vollbepackt machten sich die Jugendlichen auf nach Valencia. Im Bild v. l. n. r.: Elisa Plaikner, Anna Leimstädtner, Daniel Donner und Julia Leimstädtner. Foto: Elisa Plaikner
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Vollbepackt machten sich die Jugendlichen auf nach Valencia. Im Bild v. l. n. r.: Elisa Plaikner, Anna Leimstädtner, Daniel Donner und Julia Leimstädtner. Foto: Elisa Plaikner

Alle Jahre wieder finden sich Jugendliche aus ganz Europa zum Jahreswechsel zum Taizé-Gebet in einer europäischen Stadt zusammen. In diesem Jahr fand das internationale Taizé-Jugendtreffen in Valencia statt. Vom 28. Dezember bis zum 1. Jänner versammelten sich 15.000 Jugendliche in der spanischen Metropole.  

Auch eine Gruppe aus Südtirol war beim Treffen mit dabei. Organisiert von Südtirols Katholischer Jugend fuhren 67 Südtiroler mit dem Bus nach Valencia.

STOL hat mit zwei der Jugendlichen, Daniel Donner und Elisa Plaikner, gesprochen und die ersten Eindrücke der Reisenden eingefangen.

Südtirol Online: Sie sind mit dem Bus bis nach Valencia gefahren. Wie war die Fahrt?

Daniel Donner: Wir waren ganze 27 Stunden unterwegs. Klingt nicht nur lang, ist es auch. Mit verschiedenen Gesellschaftsspielen wie „Werwolf“, „Wer bin ich?“ und spannenden „Blackstories“ haben wir uns die Zeit vertrieben. In Cremona haben wir zudem für ein erstes Gebet Halt gemacht. Jetzt sitzen wir gerade wieder im Bus und sind auf der Rückreise. Im Laufe des Tages kommen wir wieder nach Hause zurück.

STOL: Ihre Eindrücke von Valencia?

Elisa Plaikner: Valencia ist wirklich groß und zu dieser Jahreszeit angenehm warm. Die Straßen und Gassen sind verwinkelt, daran mussten wir uns etwas gewöhnen. An jeder Ecke findet man einen Orangenbaum. Die Menschen in Valencia sind wahnsinnig gastfreundlich. Alle Teilnehmer wurden für den Aufenthalt entweder von einheimischen Familien aufgenommen oder in Wohngemeinschaften beherbergt.

In guter Gesellschaft und bei 20 Grad wurden die letzten Tage im Jahr verbracht. Foto: Elisa Plaikner

STOL: 15.000 Menschen waren beim Treffen in Taizé. Wen trifft man da so?

Donner: Wir trafen Katholiken, Orthodoxe und auch Protestanten. Man macht auch einige interessante Bekanntschaften. Wir lernten zum Beispiel einen deutscher Pfarrer im Star Wars-Shirt kennen, der uns den Star Wars-Christengruß zeigte. Einmal haben wir einen Mann mit Turban auf dem Kopf getroffen und dachten, er wäre muslimischen Glaubens. Aber auch er war ein Christ.

Plaikner: Ja, wir trafen wirklich Menschen aus ganz Europa. So ist es kein Wunder, dass die Kommunikation über alle Sprachen, aber auch über Hände und Füße verläuft. Das ist das Schöne an Taizé.

STOL: Wie kann man sich einen Tag beim Taizé-Treffen vorstellen?

Donner: Der Tag beginnt mit einem Frühstück in den Familien. Danach findet das erste Gebet des Tages in der Gastgemeinde statt. Anschließend teilt sich die große Gruppe in spannende und internationale Diskussionsrunden auf. Dort unterhält man sich über Gott und die Welt. Das Mittagessen haben wir uns bei einem Stand unter der Brücke des Turia-Parks abgeholt und uns dann in die Sonne gesetzt, um neben 15.000 anderen zu picknicken. Dann ging es zum Mittagsgebet, das jeweils gleichzeitig im Dom, mehreren Innenstadtkirchen und in zwei Zelthallen stattfand.

Die Jugendlichen beim Mittagessen im Park. Foto: Elisa Plaikner

Nachmittags wurden verschiedene Workshops angeboten. Manchmal waren diese so zahlreich besucht, dass nicht für alle Platz war. Dann haben wir die Altstadt besichtigt und sind an den Strand gefahren. Abends versammelten wir uns alle wieder zum Abendgebet. Danach ging es mit der Metro nach Hause.

STOL: Gerade 2015 ist Gewalt immer wieder mit Religion gerechtfertigt worden. War das auch Thema der Gespräche?

Plaikner: Dieses Thema wurde immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. In den Diskussionsrunden waren wir uns aber immer einig, dass Gewalt nicht mit Religion gerechtfertigt werden kann oder darf.

STOL: Junge Leute sind eigentlich dafür bekannt, wild in das neue Jahr feiern zu wollen. Warum haben Sie sich für eine ruhigere Variante entschieden?

Plaikner: Auch wir haben wild ins neue Jahr gefeiert, dazu braucht man keinen Alkohol. Dabei haben wir viele verschiedene Kulturen kennengelernt. Spannend waren vor allem die spanischen Traditionen. Die Spanier sind geübt darin, zwölf Trauben nacheinander zu verschlingen, ohne sich dabei zu verschlucken. In Spanien gibt es an Silvester nämlich die Tradition, bei jedem mitternächtlichen Glockenschlag eine Traube hinunterzuschlucken. Jede der zwölf Trauben soll Glück für eines der zukünftigen Monate im neuen Jahr bringen.

Donner: Immer wieder haben wir zum Jahreswechsel die Möglichkeit gehabt,  in Ruhe zurück- und vorauszublicken. In den Momenten haben wir besonders gespürt, dass Gott bei uns war. Wer weiß, vielleicht hat er sogar mitgefeiert!

STOL: Was ist das Besondere an Taizé?

Plaikner: Die Einfachheit mit der uns die Taizé-Brüder begegnen und die wirkliche Umsetzung vom Prinzip  "Alle-sind gleich" – sowohl zwischen Brüdern und Jugendlichen, als auch zwischen den verschiedenen Konfessionen.

Donner: Man bekommt in den gemeinsamen Gebeten, in denen man mitten in einer großen Menschenmenge auf dem Boden sitzt, ein Gefühl der Einheit. Theologie wird durch Taizé alltagstauglich, laut und still zugleich.

STOL: Taizé in drei Worten?

Plaikner: Vertrauen – Kraft – Zeit für sich und andere (sorry, drei Worte reichen echt nicht und man muss es wirklich selber erleben, um Taizé zu verstehen).

STOL: Wo geht es im nächsten Jahr hin?

Donner: Nach Riga! Wir werden auf jeden Fall versuchen, wieder dabei zu sein!

Interview: Lisa Comploi

stol