Samstag, 14. November 2015

Terror in Paris: „Es war ein Blutbad“

Augenzeugen schildern den Angriff auf den Pariser Konzertsaal Bataclan.

Rettungskräfte kümmern sich um einen der Verletzten in der Nähe des Konzertsaales "Bataclan" in Paris.
Rettungskräfte kümmern sich um einen der Verletzten in der Nähe des Konzertsaales "Bataclan" in Paris. - Foto: © APA/AFP

„Es war ein Blutbad.“ Julien Pearce ist Journalist beim französischen Radiosender Europe 1 und war am Freitagabend bei dem Konzert der US-Rockband „Eagles of Death Metal“ im Bataclan in Paris, als mehrere schwer bewaffnete Attentäter den Konzertsaal stürmten. „Die Menschen haben geschrien, gekreischt und alle haben auf dem Boden gelegen“, berichtet er nach der Anschlagserie im US-Fernsehsender CNN.

"Zehn schreckliche Minuten"

Der Angriff habe zehn Minuten gedauert. „Zehn schreckliche Minuten, in denen alle am Boden lagen und ihre Köpfe geschützt haben.“

Er habe „viele Schüsse“ gehört, die Terroristen seien „sehr ruhig, sehr entschlossen“ gewesen, berichtet Pearce. „Sie haben ihre Waffen drei oder vier Mal nachgeladen. Sie haben nicht gebrüllt, sie haben gar nichts gesagt.“ Die Attentäter seien ganz in Schwarz gekleidet und unmaskiert gewesen, berichtet Pearce. Einem von ihnen, einem jungen Mann im Alter von 20 oder 25 Jahren, habe er sogar ins Gesicht gesehen.

Über die Bühne zum Ausgang geflüchtet

Der Journalist hat den verheerenden Angriff nach eigener Aussage überlebt, weil er sich über die Bühne zu einem Ausgang retten konnte. Die Attentäter hätten mit Sturmgewehren in die Menge geschossen. „Die Leute versuchten zu fliehen und sind auf der Suche nach Ausgängen auf Leute getreten, die am Boden lagen“, berichtet Pearce. Er selbst sei auf die Bühne geklettert, als die Attentäter gerade ihre Waffen nachgeladen hätten, und habe von dort aus einen Ausgang erreicht.

Pearce brachte bei seiner Flucht auch ein junges Mädchen in Sicherheit, das bei der Schießerei verletzt wurde und stark blutete. Er trug sie zu einem Taxi und bat den Fahrer, sie ins Krankenhaus zu fahren.

Rund 100 Tote allein im Bataclan

Pearce hat im Bataclan 20 bis 25 Leichen und viele Schwerverletzte gesehen. Nach der Erstürmung des Gebäudes durch die Polizei sprechen die französischen Behörden von rund hundert Toten allein im Bataclan. Mindestens 20 weitere Menschen werden bei Anschlägen und Schießereien an sechs weiteren Orten in der französischen Hauptstadt getötet.

Auch der 35-jährige Pierre Janaszak hat den Angriff auf das Bataclan überlebt. Er saß zusammen mit seiner Schwester und Freunden auf einem der oberen Ränge, als die ersten Schüsse fielen, wie er der Nachrichtenagentur AFP erzählt. „Zuerst haben wir gedacht, dass das zur Show gehört, aber wir haben schnell verstanden.“

Die Attentäter seien zu Dritt gewesen und hätten „einfach in die Menge geschossen“, erinnert sich der Radiomoderator. „Es war ein Höllenlärm, sie haben gar nicht mehr aufgehört zu schießen.“

„Überall war Blut, überall waren Leichen"

„Überall war Blut, überall waren Leichen. Die Leute haben geschrien, alle haben versucht zu fliehen“, berichtet Janaszak, der sich mit vier anderen Leuten in einer Toilette verschanzte. Die Attentäter hätten 20 Geiseln genommen und mit ihnen gesprochen. „Ich habe deutlich gehört, wie sie zu den Geiseln gesagt haben: 'Hollande ist Schuld, euer Präsident ist Schuld, er hat nicht in Syrien einzugreifen.'“

Als die Polizei den Konzertsaal gestürmt habe, seien wieder viele Schüsse gefallen, berichtet Janaszak. „Es wurde in alle Richtungen geschossen, es gab auch Explosionen.“ Dann hätten Polizisten die Toilettentür geöffnet und ihn aufgefordert herauszukommen. Vorher musste er aber seinen Oberkörper freimachen – die Polizisten wollten sichergehen, dass er keine Bombe dabei hatte.

apa/afp

stol