Donnerstag, 08. Oktober 2015

Trentiner Gemeinde will Gerechtigkeit für eine „Hexe“

Maria Bertoletti Toldini, Toldina genannt, war eine der letzten Frauen, die im Trentino verbrannt wurden. Ihr wurde vorgeworfen, eine Hexe zu sein. Auf dem Scheiterhaufen fand sie den Tod. 299 Jahre ist das her. Nun will eine Trentiner Gemeinde den Prozess von damals wieder aufrollen.

Foto: © STOL

Quinto Canali ist sich seiner Sache gewiss: Wenn am Donnerstagabend der Entwurf des Beschlusses bei der Gemeinderatssitzung in Brentonico auf den Tisch kommt, werde sich dafür die nötige Mehrheit finden lassen. Die Angelegenheit habe man bereits mit Mehrheit und Opposition abgestimmt, sagte er am Donnerstagmorgen im Gespräch mit Südtirol Online.

Somit stehe bereits Stunden vor der entscheidenden Sitzung so gut wie fest: Die Gemeinde Brentonico will Gerechtigkeit für „Toldina“. Der Prozess gegen die vermeintliche Hexe aus dem Jahre 1716 soll wieder aufgerollt werden.

Die Würde der Verurteilten

Die Hexenverbrennungen von damals kämen einem „folkloristischen Exzess“ gleich, meinten der Bürgermeister von Brentonico, Christian Perenzoni, und Quinto Canali auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Rovereto. Heute habe man den Wunsch, „Gerechtigkeit walten zu lassen“. Es gehe um die wahre Vermittlung von Geschichte und um die Würde der Verurteilten.

Die Gemeinde strengt deshalb die Wiederaufnahme des Prozesses vor dem Berufungsgericht in Trient an. Verhandelt werden soll nach dem damals gültigen Strafgesetzbuch Constitutio Criminalis Carolina.

stol

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