Mittwoch, 29. September 2021

Urlaub am brodelnden Vulkan: Ein Südtiroler auf La Palma

Die Erde zittert und bebt, die Luft riecht verbrannt und ständig liegt ein tiefes Grollen in der Luft, wie ein lautes, unablässiges Meerrauschen: Seit einer Woche spuckt der Vulkan Cumbre Vieja auf der kanarischen Insel La Palma Asche, Rauch und Lava. Mattias Martini aus Lana, der gerade auf La Palma seinen Urlaub verbringt, schildert die Lage auf der Insel.

Der Vulkanausbruch auf La Palma ist optisch beeindruckend – und auch beängstigend. - Foto: © Mattias Martini

Text: Elisabeth Turker

Eigentlich hätte es ein gemütlicher Wanderurlaub auf der kanarischen Insel sein sollen, doch es kam anders: Einen Tag, nachdem Mattias Martini auf La Palma landete, brach der Vulkan Cumbre Vieja aus – genau vor seiner Balkontür. „In El Paso haben wir die aktiven Schlote genau vor unserer Nase“, schildert der Lananer im Gespräch mit STOL.

Vom Balkon aus hat Mattias Martini einen direkten Blick auf den Vulkan. - Foto: © Mattias Martini


„Die erste Nacht war beunruhigend“, so Martini weiter. In jedem Moment spürt man die Kraft des Vulkans, immer wieder zittert das Zimmer, und auch das tiefe Grollen und Fauchen hört nicht auf, sporadisch sind Explosionen zu hören.

Auch nach einer Woche hat der Vulkan nur wenig an Kraft eingebüßt: „Am Sonntagabend sind wir in die Nähe der Schlote gefahren. Dort haben die Fensterscheiben an den Häusern gezittert. Das war beeindruckend.“

Im Video: So faucht und grollt der Vulkan



Doch wie mit vielen anderen Dingen gewöhnt man sich auch an einen brodelnden Vulkan: „Die Luft riecht zwar je nach Windrichtung leicht verbrannt und immer wieder regnet es Asche. Alles ist schwarz, beim Verlassen des Hauses muss man lange Kleidung, Brillen und eine Maske tragen. Aber schon 15 bis 20 Kilometer nördlich von El Paso ist die Lage relativ normal“, schildert Martini den Touristen-Alltag auf La Palma.

Der Lananer Mattias Martini urlaubt derzeit auf La Palma. - Foto: © Mattias Martini


Für die Einheimischen freilich sieht es anders aus: Rund um die aktiven Schlote wurden mehrere tausend Personen evakuiert, hunderte Häuser wurde vom Lavastrom regelrecht in den Boden geschmolzen, viele Bewohner haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren.

Im Video: Der Lavastrom brennt alles in seinem Weg nieder



Aber auch jene, die noch ein Dach über den Kopf haben, müssen sich sorgen: „Im Süden der Insel gibt es Bananenplantagen, die reif für die Ernte wären, nun jedoch nicht bestellt werden können. Viele Bewohner haben Angst vor den wirtschaftlichen Folgen.“

Und es gibt noch einen weiteren Grund zur Sorge: „ Es wird mit Angst beobachtet, wie sich der Lavastrom langsam in Richtung Ufer gräbt und ob er das Meer erreicht. Durch die heiße Lava und das Meerwasser entsteht dann eine potentiell giftige Säurewolke, die sich weiterverbreitet.“


Foto: © APA


Trotz der gefährlichen Lage denkt Mattias Martini nicht an eine frühzeitige Abreise: „Unser Rückflug ist in einer Woche. Derzeit haben wir noch keine Pläne, früher zurückzufliegen, zudem war der Flughafen zeitweise gesperrt.“

Zwar musste der Lananer seine Wanderpläne zum größten Teil aufgeben: „Alle Wanderwege im Süden der Insel und viele im Norden sind gesperrt. Sie sind teilweise sehr exponiert und aufgrund der sporadischen Beben zu gefährlich.“

Trotzdem ist der Urlaub bei Weitem nicht ins Wasser gefallen: „Es ist schon faszinierend, solch ein Naturspektakel von der Nähe aus zu erleben. Vor allem nachts ist es ein schöner Anblick – wenn auch leicht beängstigend.“

liz

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