Freitag, 20. Januar 2017

Verschüttetes Hotel: Mehrere Überlebende geborgen - VIDEO

Es grenzt an ein Wunder: Die Einsatzkräfte haben in dem verschütteten Hotel im italienischen Erdbebengebiet mindestens 6 Überlebende gefunden - 43 Stunden nach der Lawinenkatastrophe. Inzwischen sind die 6 Personen aus den Trümmern und Schneemassen geborgen, darunter 2 Kinder. Zwei Personen befinden sich nun auf der Intensivstation des Spitals in Pescara.

Ein Bub wird aus dem verschütteten Hotel geborgen - und Applaus brandet auf bei den Rettungskräften.
Ein Bub wird aus dem verschütteten Hotel geborgen - und Applaus brandet auf bei den Rettungskräften. - Foto: © LaPresse

Katastrophenhelfer haben nach dem Lawinenunglück im italienischen Erdbebengebiet mehrere Überlebende in dem verschütteten Hotel gefunden. 6 Menschen wurden nach rund 40 Stunden aus den Trümmern geborgen, unter ihnen ein Kind, bestätigte der Zivilschutz der Deutschen Presse-Agentur. In Medienberichten war von bis zu acht Überlebenden die Rede. Der Zustand der Geretteten sei gut, meldete die Nachrichtenagentur Ansa.

Der Zivilschutz hofft auf weitere Überlebende: „Wir haben diese Hoffnung immer gehabt“, sagte Zivilschutz-Chefin Titti Postiglione am Freitag. Nach der guten Nachricht am Vormittag sei die Hoffnung gestiegen. 135 Rettungskräfte waren laut Postiglione am Freitag rund um das Hotel Rigopiano im Einsatz. Die Helfer, unter ihnen Lawinenexperten, arbeiteten unter sehr riskanten Bedingungen.

Überlebende hatten Feuer gemacht

Die Personen, die am Freitagvormittag lebend aus dem von einer Lawine verschütteten Hotel "Rigopiano" in der mittelitalienischen Region Abruzzen geborgen werden konnten, hatten ein Feuer in einer Nische gemacht, in der sie Zuflucht gefunden hatten. Das rettete ihnen das Leben, berichteten die Einsatzkräfte.

Zu den geborgenen Menschen zählten eine Mutter und ihr Kind, die wohlauf seien. Zwei Gerettete befanden sich auf der Intensivstation des Krankenhauses der Adria-Stadt Pescara.

Die Überlebenden verbrachten insgesamt 43 Stunden unter dem Schnee, bevor sie geborgen wurden. Bei der Suchaktion wurden die Retter von einem überlebenden Mitarbeiter des Hotels unterstützt, der die Räumlichkeiten des Gebäudes gut kennt.

Die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden wächst. Experten zufolge könnten Verschüttete bis zu fünf Tagen nach der Lawine ausharren, wenn sie genügend Sauerstoff erhalten.

Unterschlupf im Dachboden

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr hätten mehrmals mit den Verschütteten gesprochen, die in einem Dachboden Unterschlupf gefunden hatten. Der erste Kontakt sei kurz nach 11 Uhr am Freitag zustande gekommen.

Die Rettungskräfte hatten in der Nacht zum Freitag unvermindert nach Überlebenden der Katastrophe gesucht. Zunächst hatte von Dutzenden Gästen und Mitarbeitern noch jedes Lebenszeichen gefehlt. Nach Medienberichten vom Donnerstag wurden bisher 5 Leichen geborgen. Mindestens zwei Menschen hatten sich im Freien aufgehalten, als die Lawine über das Hotel hineinbrach und so überlebt.

Die gewaltige Lawine hatte am Mittwoch das Vier-Sterne-Hotel "Rigopiano" nach einer Erdbebenserie komplett verschüttet und Teile mitgerissen. Nach Aussage des Hoteldirektors waren bis zu 35 Menschen in dem Gebäude. Auch mehrere Kinder wurden vermisst. Das "Rigopiano" liegt auf 1200 Metern Höhe am Fuß des bis über 2900 Meter hohen Bergmassivs Gran Sasso. Es ist nur etwa 45 Kilometer von der Adriaküste entfernt. Auf seiner Facebookseite hatte es mit „Relax, Wohlsein und Unterhaltung im Schnee“ geworben.

Die Retter hatten bereits gesagt, dass Überlebende theoretisch in diesen sehr schwierigen Wetterbedingungen überleben könnten, wenn sich irgendwo in dem weggefegten Hotel „Luftsäcke“ gebildet haben.

"Apokalyptische Zustände" am Unglücksort

In den Abruzzen hatte es seit Tagen geschneit, der Schnee lag zum Teil meterhoch. Augenzeugen sprachen von apokalyptischen Szenen am Unglücksort. Die Gäste hatten offenbar nach den vier schweren Erdbeben am Mittwoch abreisen wollen und bereits ausgecheckt. Es kam aber kein Fahrzeug durch, um sie mitzunehmen.

Der Chef der Bergwacht von Roccaraso, Lorenzo Gagliardi, sagte der Zeitung „La Repubblica“, das letzte noch freie Stück Straße endete acht Kilometer vom Hotel entfernt. Die ersten Retter mussten sich in der Nacht zum Donnerstag auf Skiern zum Unglücksort vorkämpfen und kamen dort gegen 4.30 Uhr an. „Da war fast nichts mehr, nur ein weißer Hügel“ erzählte Gagliardi. Dann habe man 50 Meter entfernt vom Hotel ein Auto mit laufendem Motor gesehen. Darin hätten sich die beiden Überlebenden verkrochen und mit der Autoheizung warm gehalten.

dpa

stol