„Alle Beteiligten tun ihr Bestes. Die Situation ist dennoch äußerst schwierig“, erklärt Else Stieler im Gespräch mit STOL. Sie ist die Mutter von Tobi, 26 Jahre alt, von Geburt an schwerstbehindert. Schon seit Jahren findet der junge Mann, der im Rollstuhl sitzt und sowohl geistig als auch körperlich beeinträchtigt ist, einen Platz in der Werkstatt KIMM in Kardaun. <BR /><BR />Die Werkstatt ist ein Haus, in dem Menschen mit Behinderung arbeiten und lernen. „Hier fühlt sich Tobi wohl“, weiß die Mutter. So gut wie täglich war der 26-Jährige aus Klobenstein hier zu Gast.<BR /><BR />Seit der Pandemie ist jedoch alles anders. Erst wegen den Corona-Maßnahmen, nun wegen dem fehlenden Personal, ist die Werkstatt nur mehr bedingt nutzbar. So sei die Einrichtung der Bezirksgemeinschaft Schlern zwar geöffnet, aber nur zeitweise – und auch Einzelbetreuung ist ein Fremdwort. Das Problem sei unter anderem, dass einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht geimpft seien, wodurch es wie in vielen weiteren Bereichen zu Personalengpässen komme. <BR /><BR /><b>Eine große Entlastung</b><BR /><BR />„Dass Tobi in der Werkstatt in Kardaun arbeiten kann, ist für uns eine große Entlastung. In diesen Stunden kann ich Energie tanken, um wieder 100 Prozent für Tobi da zu sein, aber auch um Aufgaben des alltäglichen Lebens zu erledigen“, erklärt Else Stieler. Doch viel mehr als für die Eltern, sei die Werkstatt für die Betroffenen selbst von sehr großer Wichtigkeit. <BR /><BR />„Unsere Kinder brauchen einen geregelten Ablauf, sie brauchen ihre Arbeit und die Bestätigung, dass sie gebraucht werden – so wie jeder von uns. Tobi sagt, er muss zur Arbeit, ohne ihn geht nichts, die Chefin braucht ihn. Er strahlt jedes Mal, wenn er erzählt wie viel er zu tun hat“, erzählt die Rittnerin. <BR /><BR />Die tägliche Routine gebe Tobi und Co. ein Gefühl von Normalität. „Dort hat er Freunde und Freundinnen die gleich sind wie er. In Kardaun kann Tobi er selbst sein und fühlt sich wohl und geborgen, wie in einem zweiten Zuhause“, weiß Else Stieler. <BR /><BR /><b>Völserin wartet seit Monaten auf ihren Platz</b><BR /><BR />Auch Julia Prieth, die Mutter der 18-jährigen Sara, schlägt in dieselbe Kerbe. „Heuer im Mai durfte sie ein Praktikum im KIMM machen, meine Tochter war sehr glücklich, dass sie jetzt auch arbeiten konnte und schon bald fand sie viele Freunde“, sagt die Mutter des geistig und körperlich beeinträchtigten Mädchens. Eine Schule könne sie nicht mehr besuchen, da sie bereits volljährig ist. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="718148_image" /></div> <BR /><BR />Bereits Ende Juni wurde der jungen Völserin ein fester Platz in der Werkstatt versprochen, seitdem wartet sie darauf. So ist Sara derzeit lediglich 2 Mal wöchentlich zu Gast, größtenteils muss sie ihre Zeit daheim verbringen. „Hier hat sie kein Tagesprogramm und keine Freunde. Seit Ende Juni sind ich oder mein Mann 24 Stunden am Tag bei ihr“, erklärt Julia Prieth. <BR /><BR /><b>Hoffen auf Lösungen</b><BR /><BR />„Dass man in einem Land wie Südtirol keine Lösungen findet, ist unverständlich“, so die beiden Eltern der beeinträchtigten Kinder – „stellvertretend für zahlreiche weitere Südtiroler Eltern in unserer Situation“, wie sie betonen. <BR /><BR />Vielen Eltern gehe die Kraft aus. „Und wenn sie es nicht mehr schaffen, was dann?“, fragt Else Stieler. Es sei den Eltern beeinträchtigter Kinder nicht zumutbar, einen 24-Stunden-Job zu leisten. Es gelte, in soziale Einrichtungen zu investieren, fordern die Eltern. <BR /><BR />