Dienstag, 13. Oktober 2015

Wenn sich das Kind verschluckt: So können Sie Leben retten

Es ist der Alptraum eines jeden Elternteils: Plötzlich verschluckt das Kind einen Gegenstand, bekommt keine Luft mehr. Hier gilt: Kühlen Kopf bewahren und sofort eingreifen. Wie genau, weiß der Pflegedienstleiter des Gesundheitsbezirkes Meran, Frank Blumtritt. Am Sonntag findet eine entsprechende Schulung statt - kostenlos.

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Foto: © shutterstock

"Es kommt immer wieder vor, dass Kleinkinder zwischen 1 und 4 Jahren, auch jünger, sich an Kleinteilen verschlucken. In dem Moment ist es wichtig, schnell zu handeln, um Leben zu retten", erklärt Dr. Blumtritt im Gespräch mit STOL.

Ganz wichtig: Niemals versuchen, das verschluckte Teil mit den Fingern aus dem Rachen des Kindes zu ziehen. "Dadurch wird die Situation nur verschlimmert. Um den Gegenstand herauszuziehen, bedarf es geeigneter Instrumente, die nicht im normalen Haushalt zu finden sind", unterstreicht der Pflegedienstleiter.

Schritt eins: Einer alarmiert den Notruf, der andere beginnt mit den Rettungsmaßnahmen

Wenn sich ein Kind verschluckt, ist es natürlich der erste Schritt, die Rettung, zum Beispiel die Landesnotrufzentrale 118 zu alarmieren: "Dies sollte jedoch wenn möglich von einer zweiten Person erledigt werden. Man darf keine Zeit vergeuden und muss mit den lebensrettenden Maßnahmen sofort beginnen", betont Blumtritt.

Ist das Kind jünger als 1 Jahr, muss es in einer bestimmen Arm und Weise in den Arm genommen werden. "Dann klopft man dem Baby fünf Mal fest auf den Rücken. Anschließend dreht man es um und macht mit fünf Kompressionen auf den Brustkorb weiter", weiß Blumtritt.

Bei Kindern, die zwischen 1 und 4 Jahre alt sind, wird - wie bei Erwachsenen auch - der Heimlich-Griff angewendet: Dabei umfasst man das Kind von hinten und drückt - eine Hand zur Faust geballt, die andere als Hilfe - unterhalb des Brustkorbs nach oben. So soll eine Reaktion des Zwerchfells ausgelöst werden, wodurch das Kind das verschluckte Teil wieder ausspuckt.

Wissen wie es geht: Die genaue Technik in der Schulung lernen

Sollten die Maßnahmen nicht helfen, passiert nach einigen Minuten unweigerlich, dass das Kind das Bewusstsein verliert. Ab diesem Moment muss gehandelt werden, als ob ein Herzstillstand vorliegen würde: "Man legt das Kind, egal welchen Alters, auf eine harte Oberfläche (Tisch, Boden oder ähnliches), und beginnt mit gleichmäßiger Geschwindigkeit mit beiden Händen auf die Brust zu pressen."

Angst, dem Kind ungewollt Rippen zu brechen, muss man laut dem Experten keine haben: "Es passiert immer wieder, dass bei Reanimationen Rippen brechen. Die Knochen eines Kindes sind jedoch viel elastischer als jene eines Erwachsenen und brechen folglich weniger schnell. Aber auch wenn: Es ist in jedem Fall besser, eine Rippe zu brechen, als mit den Wiederbelebungsmaßnahmen aufzuhören", so Blumtritt.

Die Maßnahmen müssen aufrechterhalten werden, bis die Rettung da ist. Schnelles und informiertes Handeln kann Leben retten, weshalb Frank Blumtritt auch in diesem Jahr wieder einen Workshop im Krankenhaus Meran abhält, bei dem Eltern, Geschwister, aber auch alle anderen für den Notfall trainieren können.

"Die Interessierten können an Puppen üben, wie sie vorgehen müssen, um das Kind zu retten. Das lässt sich nicht erklären. Das muss man selbst probieren", betont Blumtritt abschließend.

Schulung am 18. Oktober von 10-14 Uhr im Meraner Krankenhaus

Die kostenlose Schulung findet am Sonntag, 18. Oktober von 10 bis 14 Uhr im Eingangsbereich statt. Dazu aufgerufen hat "SIMEUP" („Società Italiana di Medici di Emergenza Urgenza Pediatrica"), eine wissenschaftliche Gesellschaft für pädiatrische Notfallmedizin.

stol/liz

stol