Montag, 02. Dezember 2019

Wer spielsüchtig ist, kann nur verlieren

In Südtirol wurden im Jahr 2018 insgesamt 700 Millionen Euro für Glücksspiel ausgegeben. Das sind rund 1300 Euro pro Kopf.

Jeder Südtiroler gibt im Schnitt 1300 Euro pro Jahr für Glücksspiele aus.
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Jeder Südtiroler gibt im Schnitt 1300 Euro pro Jahr für Glücksspiele aus.

Diese alarmierenden Zahlen sind ein Grund, warum die Bezirksgemeinschaft Salten-Schlern einen Vortrag darüber organisiert hat, wie aus Spiel bitterer Ernst werden kann.

Dr. Martin Fronthaler, Psychologe und Systemischer Familientherapeut im Therapiezentrum Bad Bachgart hat zu diesem Thema kürzlich in Tiers referiert. Dr. Fronthaler ging es dabei um Bewusstseinsbildung, um Sensibilisierung und Information: „Spielsucht ist für die Betroffenen und Angehörigen eine tägliche Herausforderung und bedarf der Beteiligung des ganzen Umfeldes. Glücksspiel gehört wohl nach wie vor zur häufig unterschätzten Problematik, die dazu führt, dass Betroffene und ihre Familien in Not geraten. Wir wollen das Gefährdungspotential, die Entstehung, die Risiken und die Behandlungsmöglichkeiten eines pathologischen Glücksspiels thematisieren. Nur wer sich informiert, kann verstehen, was bei einer solchen Sucht abläuft und nur wer versteht, kann helfen.“

Krankhaftes Glücksspiel

„Die einen spielen zum Vergnügen, die anderen, weil sie Geld brauchen. Zwangsläufig geht irgendwann die eine Kategorie in die zweite Kategorie über,“ so ein Zitat von Alfred Polgar. Zu den Risikogruppen gehören vor allem junge Menschen mit geringem Bildungsstand, mit Verhaltensauffälligkeiten, welche risikofreudig und impulsiv sind, mit geringem Selbstwert und geringer sozialer Kompetenz ausgestattet sind und jene, welche generell an psychiatrische Störungen oder Substanzmissbrauch leiden. Oft sind es soziale Risikofaktoren, wie Suchtbelastung in der Familie, fehlende Regeln in der Erziehung, geringe familiäre Bindung, Armut oder Arbeitslosigkeit oder/und Migrationshintergrund, welche die Spielsucht begünstigen. Zu den Risikofaktoren gehören auch der ungeregelte Zugang zum Glücksspiel, permanente Verfügbarkeit und Werbung für Glücksspiele.

Was tun gegen Spielsucht?

Familiäre Regeln, eine positive und starke Bindung, das Verurteilen des Glücksspiels, stabile finanzielle Verhältnisse, Beschäftigung und die Förderung für Akzeptanz gesellschaftlicher Regeln können präventiv bei jungen Menschen Spielsucht vorbeugen. Wichtig ist auch der „intelligente“ Umgang mit dem Internet: Selbstkontrolle bzw. Abstinenz von besonders „verführerischen“ Internet-Applikationen. Kinder sollen lernen Gefühle und Gedanken zu erkennen und mit Stress und negativen Situationen umzugehen. Deshalb ist auch die Stärkung des Selbstbewusstseins und die Schulung der sozialen Kompetenz und von Kommunikation sowie gesunde sportliche Aktivitäten wichtig. Angehörige von Betroffenen sollen sich informieren und Hilfe einholen. Übrigens, auch wenn Smartphones suchtähnliches Verhalten fördern können – eine offiziell anerkannte Krankheit ist die Handysucht nicht. Allerdings lassen sich bestimmte Kriterien für die Online-Spielsucht auf andere Internetanwendungen, also auch aufs Handy, übertragen.

Nächster Vortrag: Alkoholsucht


Der nächste Vortrag im Rahmen des Projektes „Gesunde Gemeinde – Gesunde Psyche“ findet am 5. Dezember um 19.30 Uhr in der Mittelschule in Jenesien statt. Dr. Martin Fronthaler referiert dann über „Alkohol: Freund oder Feind“. Der Eintritt ist frei.

stol