Tschurtschenthaler kann also nur mehr grobe Konturen seiner Umwelt wahrnehmen. Was für eine Leistung!<BR /><BR />„Als Sextner kommt man nicht am Berg und an der Natur vorbei. Doch das echte Bergfieber hat mich erst hier in Wien gepackt“, sagt Tschurtschenthaler, der dort seit einigen Jahren als Heilmasseur arbeitet. <BR /><BR />„Schuld“ an der dann doch relativ spät aufgeflammten Leidenschaft ist sein langjähriger Freund und Bergführer Daniel Rogger. „Mit ihm zusammen habe ich meine ersten Klettertouren unternommen, sowohl auf Fels, später dann auch im Eis“.<h3> Nach ein bis zwei Bier die Tour fixiert</h3> Bei einer Tour auf den Großglockner lernten die zwei den Kalser Bergführer Vittorio Messini kennen. „Nach ein, zwei Bier mit Vito auf der Stüdlhütte wurde die Idee vom Cerro Torre geboren. Vito war bereits dort gewesen und kannte die Tour bereits“, erzählt Tschurtschenthaler. Anfangs noch etwas skeptisch, ließ ihn die Idee aber nicht mehr los. <BR /><BR />Die Besteigung des Cerro Torre ist purer Alpinismus. Eine funktionierende Rettungskette gibt es in diesem unwirklichen Gelände nicht. <BR /><BR />Mit Matthias Wurzer, ebenfalls ein Kalser Bergführer, ging die Dreierseilschaft in die Vorbereitung. Dazu gehörten unter anderem die Winterbegehung des Großglockners oder die Nordwand der großen Zinne mit Daniel Rogger. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="788150_image" /></div> <h3> Momente, in denen alles in Frage gestellt wurde</h3> „Es gab aber auch einige Momente, in denen wir alles in Frage gestellt haben. Am Südwandwechter in der Glockner-Gruppe war so ein Moment. Dort wurden wir von einer Kaltwetterfront überrascht, und ich war gesundheitlich angeschlagen. Das gab uns schon einen Dämpfer, aber wir haben die Tour durchgezogen“.<BR /><BR />Ende November 2021 begann schließlich die Expedition nach Patagonien. Zur Dokumentation dieses unglaublichen Vorhabens holten sich die 3 Bergsteiger noch Christian Ripple ins Boot. Selbst Bergführer und professioneller Fotograf. <BR /><BR />Das Bergsteigerdorf El Chaltèn in Argentinien war Ausgangspunkt für den Aufstieg auf den Cerro Torre. In den ersten Tagen tat sich kein Wetterfenster auf. Das vierköpfige Team bestieg zuerst den 3002 Meter hohen Aguja Poincenot, nicht unweit des eigentlichen Ziels. „Kurz vor unserem geplanten Abflug mussten wir uns dann entscheiden; länger zu bleiben, um auf ein besseres Wetterfenster zu warten, oder alles abbrechen“. <BR /><BR />Die 4 entschieden sich zu bleiben, erlebten aber wieder einen Rückschlag. Der erste Versuch, auf den Cerro Torre zu gelangen, musste bereits nach dem ersten Tag wieder abgebrochen werden. Beim zweiten Versuch sollte es dann klappen – trotz schlechter Bedingungen auf dem 20 Kilometer langen Zustieg ins Inland. „Meine zwei Vorsteiger waren extrem gefordert. Das Eis war sehr schwierig zu klettern. Wir mussten alle 4 über uns hinauswachsen und immer voll konzentriert bleiben“. Doch die lange und harte Vorbereitung hat sich gelohnt. „Die letzten 20-30 Höhenmeter waren noch einmal richtig herausfordernd. Allein dafür benötigten wir über zwei Stunden. Doch dann standen wir endlich auf dem Gipfel. Es war ein gewaltiges Gefühl“.<BR /><BR />Nach demselben, spannenden und nicht weniger anspruchsvollen Rückweg,kamen wir nach insgesamt 5 Tagen wieder in El Chaltèn an. <BR /><BR />Auf die Frage nach seinem nächsten Projekt meint Tschurtschenthaler: „Im Moment gehe ich es eher wieder gemütlich an. Noch ist nichts Großes geplant.“<BR /><BR />