Donnerstag, 19. Januar 2017

„Wir sehen kaum noch die Straßenschilder“

Meterhoch Schnee, darunter die unberechenbare Erde: Am frühen Donnerstagnachmittag ist der zweite Südtiroler Hilfszug im Krisengebiet in Mittelitalien eingetroffen. „Hier liegen zwei bis drei Meter Schnee“, sagt Konrad Unterthiner von den Freiwilligen Feuerwehren.

Hilfe aus Südtirol naht: Der zweite Hilfszug ist in den Marken eingetroffen. - Foto: Freiwilligen Feuerwehren
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Hilfe aus Südtirol naht: Der zweite Hilfszug ist in den Marken eingetroffen. - Foto: Freiwilligen Feuerwehren

Am Mittwoch, als noch immer Schnee fiel und die Erde schon wieder bebte, stand fest: Die Südtiroler Hilfe muss aufgestockt werden. Nachdem die sechs Männer des ersten Südtiroler Hilfszugs in Montemonaco eingetroffen waren, wurde schon die nächste Abreise geplant: Gegen 18 Uhr brach ein zweiter Hilfszug in Bozen auf – zusammengesetzt aus Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr, des Straßendienstes, der Wildbachverbauung und der Freiwilligen Feuerwehren. Insgesamt 27 Personen.

Ziel: die Marken, Provinz Ascoli Piceno. Am frühen Donnerstagnachmittag traf der Hilfszug in Comunanza, einer kleinen Gemeinde mit rund 3000 Einwohnern ein. „Hier liegt extrem viel Schnee“, sagte Konrad Unterthiner, Bezirksfeuerwehrinspektor, als er sich unmittelbar nach der Ankunft umschaute. Unterthiner, der die sechs Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren leitet, schätzt die Schneelage auf zwei bis drei Meter. „Wir sehen kaum noch die Straßenschilder.“

Foto: Freiwilligen Feuerwehren

 

Mehrere Versuche, den Bezirksfeuerwehrinspektor am Handy zu erreichen, waren zunächst ins Leere gelaufen – das Netz in der Krisenregion ist schwach. Als Südtirol Online Unterthiner am frühen Nachmittag schließlich erreichte, erklärte er: Nun müsse man sich erst einmal zurechtfinden. Einsatzkräfte und Maschinen müssten ein- und zugeteilt werden, einige seiner Mannschaft würden wohl demnächst in ein Nachbardorf aufbrechen, dort müsse ein Altersheim von den Schneemassen befreit werden.

„Die wichtigsten Straßen sind eigentlich frei, wobei das Schneeräumen hier sehr gefährlich werden kann. Teilweise ist das Gelände sehr steil.“ Alle Maschinen, die zur Verfügung stünden, würden nun gebraucht – vor allem auch größere Geräte wie große Schneefräsen und Bagger. Es gilt Nebenstraßen zu öffnen, wichtige Wege freizumachen, Wege zu Häusern, zu Apotheken. Einige Orte seien abgeschnitten „Teils gibt es hier auch keinen Strom.“ Menschen seien aber durchaus unterwegs, zu Fuß oder auch mit dem Auto. „Und überall sieht man Bürgermeister und Einsatzleiter.“

Foto: Freiwilligen Feuerwehren

 

Bis Sonntag oder auch Montag werde man vor Ort bleiben, meinte Unterthiner. „Wo wir heute schlafen“, sagte er dann, „das wissen wir noch nicht.“

stol

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