Freitag, 02. März 2018

1918/19 und die Neuordnung der Welt

„Der überforderte Frieden. Das Ende des Ersten Weltkrieges und die Neuordnung der Welt“, so lautet der Titel des Vortrages, den der bekannte Historiker Jörn Leonhard am Donnerstag, den 8. März 2018, an der Freien Universität Bozen halten wird. Der Freiburger Universitätsprofessor eröffnet damit eine hochkarätig besetzte Vortragreihe zum Thema „Zeitenwende 1918. Das Ende des Ersten Weltkriegs und die Folgen“, die vom Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen organisiert wird.

Rückströmende Soldaten von der Front. Bahnhof Bozen, November 1918. - Foto: Museo Storico Italiano della Guerra, Rovereto
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Rückströmende Soldaten von der Front. Bahnhof Bozen, November 1918. - Foto: Museo Storico Italiano della Guerra, Rovereto

Im November 1918 endete nach fast viereinhalb Jahren der Erste Weltkrieg. Der zwischen Österreich-Ungarn und Italien geschlossene Waffenstillstand vom 3. November 1918 besiegelte die Niederlage der Habsburgermonarchie. Wenige Tage später, am 11. November 1918, folgte der Waffenstillstand zwischen dem Deutschen Reich und den beiden Westmächten Frankreich und Großbritannien.

Die Bilanz des Krieges war verheerend: Er forderte rund 9 Millionen tote Soldaten und etwa 15 Millionen Verletzte. Die hohen Verluste sind Ausdruck der Tatsache, dass der Erste Weltkrieg ein mit vergangenen Kriegen kaum vergleichbarer moderner Massen- und Maschinenkrieg war. Er fand nicht nur an den militärischen Fronten statt, sondern zog als erster „totaler“ Krieg auch die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft. Am Ende waren 6 Millionen tote Zivilpersonen zu beklagen, darunter viele Hungertote.

Friedensordnung erwies sich als brüchig

Der Erste Weltkrieg führte als totalisierter Krieg zu einer beispiellosen Dynamik von globalen Erwartungen, Hoffnungen und Projektionen, die sich auf den künftigen Frieden bezogen. Doch die vom amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson erhoffte Friedensordnung im Zeichen des nationalen Selbstbestimmungsrechts, der Demokratie und einer kollektiven Sicherheitsarchitektur erwies sich als brüchig. Weder wurde der Nationalstaat zum Akteur kollektiver Sicherheit, noch wurde die Internationale der Friedenswahrung eine Realität.

Der Vortrag fragt vor diesem Hintergrund nach dem Stellenwert der Pariser Friedenskonferenz und des Versailler Vertrages 1919 als Grundlage für eine globale Neuordnung. Dabei steht – bei aller Belastung – vor allem die Frage nach der Offenheit der historischen Situation nach Kriegsende im Zentrum. Der Referent entwickelt ein interpretatives Gegengewicht zur noch immer gängigen Interpretation von 1919 aus der Logik des Rückblicks (aus der Perspektive von 1933, 1939 und 1945).

Der Referent

Professor Jörn Leonhard ist seit 2006 Inhaber des Lehrstuhls für Westeuropäische Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und war von 2007 bis 2012 Gründungsdirektor der School of History am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS).

Professor Jörn Leonhard. 

Für sein Buch „Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs“ (2014 in 5. Auflage erschienen) erhielt er u.a. den NDR-Sachbuchpreis 2014 und den Preis „Geisteswissenschaften International“ 2015. Er ist ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. 2018 erscheint sein neues Buch „Der überforderte Frieden. Eine Weltgeschichte 1918–1923“ im Verlag CH Beck.

stol

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