Freitag, 16. September 2016

Historiker tagen: „Die Menschen sehnen sich nach Orientierung“

Am Donnerstag haben in Südtirols Landeshauptstadt die ersten „Bozner Gespräche zur Regionalgeschichte“ begonnen. 3 Tage lang referieren und diskutieren Nachwuchswissenschaftler aus verschiedenen Ländern über die Geschichte europäischer Regionen – am Donnerstagabend fand der Höhepunkt statt.

Der renommierte Historiker Miloš Řezník bei seinem Gastvortrag an der Uni Bozen. - Foto: DLife
Der renommierte Historiker Miloš Řezník bei seinem Gastvortrag an der Uni Bozen. - Foto: DLife

30 Nachwuchshistoriker aus 8 Ländern haben die Organisatoren der ersten „Bozner Gespräche zur Regionalgeschichte“ nach Südtirol geladen. So vielfältig wie Europas Regionen und deren Geschichte, so vielfältig sind auch die Themen der Tagung, die vom 15. bis 17. September in Bozen stattfindet.

Markus Wurzer von der Universität Graz sprach etwa über die Südtiroler Soldaten im Abessinienkrieg, Benjamin Heidenreich von der Universität Würzburg wird über die Identität Frankens und Elisa Tizzioni von der Universität Pisa über die Bedeutung des Tourismus für die Regionen Italiens referieren.

„Was ist eigentlich eine Region?“: Festvortrag von Miloš Rezník

Am Donnerstagabend fand der Höhepunkt der Tagung an der Uni Bozen statt. Der renommierte tschechische Historiker Miloš Rezník, zurzeit Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Warschau, sprach über die Zukunft der Europäischen Regionalgeschichte und stellte dabei fest, dass sich immer mehr Menschen für die Geschichte ihrer Region interessieren, es aber immer weniger Gelder für die Erforschung regionaler Vergangenheit gebe.

Rezník: „Regionalität ist eine Mode“

„Ein inspirierender Vortrag“, wie der Präsident von Geschichte und Region/Storia e regione Florian Huber sagte, in dem Rezník klar hervorhob, dass der Stellenwert regionaler Identität immer wichtiger würde – die Menschen, so der Historiker, seien auch aufgrund der Globalisierung auf der Suche nach Orientierung und finden diese in ihrem regionalen Umfeld.

Rezník unterstrich in seinem einstündigen Vortrag anhand vieler Beispiele die Bedeutung der Regionalgeschichte. Dabei stellte er den Nachwuchshistorikern aber immer wieder die Frage, was denn nun eigentlich eine Region sei, verwies auf den sich ändernden Stellenwert der europäischen Regionen in Vergangenheit und Gegenwart und zeigte auf, dass Regionen nicht als „gegeben“ zu verstehen seien, sondern sich im Laufe der Geschichte immer wieder wandeln. Am Ende seines Festvortrages ließ er schließlich mit einem – in Südtiroler Ohren – gerne gehörte Satz aufhorchen.

Südtirol sei nicht nur aus Sicht der Südtiroler der Nabel der Welt, auch andere europäische Regionen würden Südtirols Entwicklung aufmerksam beobachten, die Befriedung dieser Konfliktregion wäre – auch aus historischer Sicht – bemerkenswert.

Tagung dauert bis Samstag an

Die vom Verein Geschichte und Region/Storia e Regione sowie dem Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte an der Uni Bozen organisierte Tagung wird noch bis Samstag andauern.

stol/aw

stol