Montag, 19. März 2018

Lügen im Netz: Fake News erkennen - und vermeiden

Sie wollen aufregen, aufstacheln, anheizen: Immer häufiger werden Fake News im Netz verbreitet, bringen bewusst platzierte Lügen an den Mann und sollen am Ende doch nur eines: Profit erwirtschaften. Am Montag findet in Bozen ein Vortrag zum Thema „Lügen im Netz - Fake News und andere Manipulationen“ statt.

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In ihrem Vortrag mit Beginn um 19.30 Uhr erklärt Ingrid Brodnig, Journalistin und Autorin aus Wien, welche menschlichen und technischen Mechanismen die Irreführung im Internet begünstigen, aber auch, was man dagegen tun und wie man sich zur Wehr setzen kann.

Südtirol Online: Frau Brodnig, was genau sind Fake News nun eigentlich?

Ingrid Brodnig, Journalistin und Autorin: Fake News sind gänzlich erfundene Geschichten, die sich als seriöse Nachrichten tarnen. Im Unterschied zur Falschmeldung, die auch unabsichtlich falsch sein kann, etwa durch einen Recherchefehler, steht hinter den Fake News eine klare Täuschungsabsicht.

STOL: Was wird mit Fake News bezweckt?

Brodnig: Politisch werden sie vor allem dazu verwendet, Stimmung zu machen. Ein wichtiger Faktor von Fake News ist die Wut. Sie werden dazu genutzt, die Bürger in Aufruhr zu versetzen. Wir wissen zum Beispiel: Wütende Bürger gehen eher zur Wahl. Außerdem kann man seine politischen Gegner mit Fake News niedermachen. Abseits der Politik werden gefälschte Inhalte unter anderem dazu genutzt, private Daten von den Usern zu erhalten, etwa durch betrügerische Gewinnspiele. Oft sollen Fake News auch einfach nur Klicks generieren, wie etwa vor wenigen Wochen die Falschmeldung, dass Sylvester Stallone gestorben sei. So etwas bringt Klicks und die Betreiber unseriöser Portale verdienen dann an der Online-Werbung.

STOL: Woran erkennt man Fake News im Netz?

Brodnig: Genau hier liegt das Problem: Auf den ersten Blick sehen geschickt gemachte Fake News einer realen Nachricht sehr ähnlich. Aber wie gesagt: Fake News arbeiten mit Wut. Wenn ich merke, dass mich eine Geschichte wütend macht, sollte ich unbedingt vorsichtig werden. Je brisanter und emotionaler ein Text ist, desto höher ist die Gefahr, dass er erfunden wurde. Gerade polarisierende Streitthemen sind hier beliebt, etwa das Flüchtlingsthema. Fake News eigenen sich ideal dazu, Konfliktthemen zu vergrößern und künstlich anzuheizen.

STOL: Worauf sollte man generell im Umgang mit dem Internet achten?

Brodnig: Man sollte keinen anonymen Webseiten trauen oder solchen, die man nicht zuordnen kann. Es ist heutzutage sehr einfach geworden, eine seriöse Nachrichtenseite nachzubauen – zwischen vertrauenswürdigen und unseriösen Seiten sieht man oft fast keinen Unterschied. Auch sollte man Facebook-Meldungen, die man nicht eindeutig einem bekannten Medium zuweisen kann, nicht ohne weiteres teilen. Ein guter Trick, Fake News zu erkennen ist, den Namen der Webseite oder die Internetadresse bei Google einzugeben. Bei den bekanntesten Fake News-Produzenten listet die Suchmaschine sofort Warnhinweise auf.

STOL: Woran liegt es, dass Fake News in den vergangenen Jahren so stark angestiegen sind?

Brodnig: Das liegt unter anderem daran, dass der gesellschaftliche Nährboden da ist. In einer Gesellschaft, in der es wenige Streitthemen und Polarisierung gibt, wirken Fake News nicht. Erst Konflikte schaffen einen guten Boden für diese Art von Falschmeldungen. So sind Schicksalswahlen wie etwa der Brexit ein sehr gutes Thema für Fake News. Langweiligere Wahlen wie etwa die Bundestagswahl von 2017 waren weit weniger betroffen. In Italien hingegen gibt es zahlreiche Themen, die durch Fake News angeheizt werden, von den Flüchtlingsströmen bis zum politischen Geschehen.

STOL: Ein aktueller Fall ist die üble Nachrede des österreichischen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache, der dem Journalisten Armin Wolf Lügen unterstellt hat. Fake News oder falsche Aussage?

Brodnig: Hier handelt es zwar eindeutig um eine ärgerliche Aussage, aber nicht um typische Fake News. Heinz-Christian Strache hat Armin Wolf der Lüge bezichtigt, eine falsche Tatsachenbehauptung, die er nicht belegen konnte. Mittlerweile musste er sich öffentlich dafür entschuldigt und 10.000 Euro Entschädigungssumme zahlen.

STOL: Kann man auch für Fake News belangt werden?

Brodnig: Wenn eine Person konkret von einer Fake News verunglimpft wird, dann ist es durchaus möglich, zu klagen. Schwierig wird es bei generischen Behauptungen, etwa, dass zwei anonym bleibende Asylwerber angeblich ein Mädchen vergewaltigt hätten. Die Meldung mag zwar erfunden sein – dagegen klagen kann man jedoch meistens nicht.

STOL: Was erwartet Ihre Zuhörer am Montag?

Brodnig: Mein Vortrag ist im Wesentlichen auf 3 Schwerpunkte aufgebaut: Wie groß ist das Problem der Irreführung im Internet? Warum ist gerade der Onlinebereich so geeignet für Manipulation? Und schließlich: Was können wir selbst tun, um Fake News besser zu erkennen und wie kann ich meinen Bekanntenkreis aufklären?

Interview: Elisabeth Turker

stol