Montag, 23. Mai 2016

"I, Daniel Blake" räumt in Cannes ab

Das Sozialdrama „I, Daniel Blake“ des britischen Regisseurs Ken Loach hat die Goldene Palme der 69. Filmfestspiele von Cannes gewonnen.

Der britische Regisseur Ken Loach gewann mit seinem Film "I, Daniel Blake" die Goldene Palme in Cannes.
Der britische Regisseur Ken Loach gewann mit seinem Film "I, Daniel Blake" die Goldene Palme in Cannes. - Foto: © LaPresse

Die Jury unter Vorsitz des Australiers George Miller wurde überzeugt vom Kampf der titelgebenden Figur, des 59-jährigen Daniel Blake (verkörpert vom Neo-Schauspieler und Stand-Up-Comedian Dave Johns), der seinen Tischlerberuf nach einem Herzinfarkt nicht mehr ausüben kann und erstmals in seinem Leben auf den Staat angewiesen ist. Letztlich scheitert er am restriktiven, bürokratischen Sozialhilfesystem.

Loach ist als dezidiert linksgerichteter Filmemacher seit Jahrzehnten mit sozial engagierten Themen in der internationalen Kinolandschaft präsent.

In Cannes gewann er bereits 2006 mit dem Kriegsdrama „The Wind That Shakes The Barley“ die Goldene Palme. Er nutzte am Abend seinen Moment auf der Bühne für einen politischen Appell: „Die Welt, in der wir leben, ist in einer gefährlichen Situation, weil die Ideen, die wir 'neoliberal' nennen (...) zu einer Katastrophe führen“, so Loach. „Eine andere Welt ist möglich und sogar notwendig“, zeigte sich der 79-Jährige in seiner auf Französisch gehaltenen Ansprache überzeugt.

Neben Loach wurde „The Salesman“ des iranischen Oscar-Preisträgers Asghar Farhadi zum zweiten großen Gewinner des Abends. Während Regisseur Farhadi selbst für das Drehbuch zu seinem vielschichtigen Paarfilm gewürdigt wurde, konnte sich Darsteller Shahab Hosseini über den Preis als bester Schauspieler freuen. Der 42-Jährige reichte in seiner Dankesrede die Auszeichnung rhetorisch weiter: „Dieser Preis gehört meinem Volk, und ich gebe ihm von ganzem Herzen den Preis.“

In der Darstellerkategorie war auch Peter Simonischek für seine Leistung in „Toni Erdmann“ als möglicher Gewinner gehandelt worden. Diese Ehre blieb dem Burgschauspieler allerdings ebenso verwehrt wie seiner Kollegin Sandra Hüller in der Schauspielerinnen-Sparte. Hier holte sich die Philippinerin Jaclyn Jose die Trophäe. Die 52-Jährige erhielt die begehrte Auszeichnung für ihre Leistung in dem Anti-Korruptionsdrama „Ma' Rosa“ von Brillante Mendoza. Der Regiepreis wurde heuer gleich an zwei Filmemacher vergeben. So wurden der Franzose Olivier Assayas für seinen Film „Personal Shopper“ und der Rumäne Cristian Mungiu für „Bacalaureat“ als beste Regisseure geehrt.

Die emotionalste Dankesrede des Abends hielt dann aber der 27-jährige Xavier Dolan, der den Großen Preis der Jury für seine Theateradaption „Juste la fin du monde“ entgegennehmen durfte. Der als Wunderkind der Branche gehandelte Kanadier betonte unter Tränen: „Alles, was wir im Leben tun, tun wir, um geliebt und akzeptiert zu werden.“ Er werde sein ganzes Leben lang Filme drehen – ob er wolle oder nicht: „Ich bevorzuge den Wahnsinn der Leidenschaft gegenüber der Weisheit der Gleichgültigkeit.“

apa

stol