ORF und RTL zeigten die Staffel in den vergangenen beiden Tagen. „Sissi“ und „Sisi“ – 2 unterschiedliche Geschichtsinterpretationen, 2 unterschiedliche Hauptdarstellerinnen. Mutiert Kaiserin Elisabeth vom zuckersüßen Historien-Schätzchen zur emanzipierten Monarchin? Nicht ganz.<BR /><BR />Die „Sissi“-Trilogie mit <b>Romy Schneider</b> und <b>Karlheinz Böhm</b> in den Hauptrollen – „Sissi“ (1955), „Sissi – Die junge Kaiserin“ (1956) und „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“ (1957) – wurde unter der Ägide des Wieners <b>Ernst Marischka</b> im jungen Nachkriegs-Deutschland geschrieben, produziert und inszeniert. Der Stoff: fernab der authentischen, dokumentierten Historie, voller Kitsch und Klischee. Aber genau richtig, um im ersten Jahrzehnt nach Kriegsende von den erlittenen Traumata, den Ruinen in den zerbombten Städte und den Strapazen des Wiederaufbaus abzulenken. Romy Schneider wurde zur Identifikationsfigur einer heilen, gefühligen Welt. „Schlagobers fürs Gemüt“ nannte die Schauspielerin, die beim ersten „Sissi“-Film erst 17 Jahre alt war, dieses Phänomen. Ein Jahr nach dem dritten „Sissi“-Film brach sie aus, floh nach Paris. Die darauffolgenden Jahrzehnte kämpfte sie damit, das zuckersüße „Sissi“-Image abzulegen.<BR /><BR />Mehr als 60 Jahre nach der Uraufführung von „Sissi“ hat RTL die tragische Liebesgeschichte des Kaiserpaares neu verfilmt. Im vergangenen Jahr wurde die erste Staffel gezeigt (wurde gerade erst auf VOX wiederholt), heuer folgte die zweite. Wie gewohnt zuerst auf RTL+. Bei den Abonnenten des Streamingdienstes brach eine „Sisi“-Mania aus: 2021 hatte das „kaiserliche Debüt“ den erfolgreichsten Fiction-Neustart auf RTL+ hingelegt, heuer wurde der eigene Rekord eingestellt. In den vergangenen beiden Tagen wurde Staffel 2 nun im Free-TV ausgestrahlt. <BR /><BR />Die Hauptgeschichte von „Sisi“ ist unverändert geblieben: Kaiser Franz Joseph I. (<b>Jannik Schümann</b>, 30) soll eigentlich Sisis ältere Schwester Néné (<b>Pauline Rénevier</b>, 24) heiraten, entscheidet sich dann aber für die gerade einmal 16-jährige Elisabeth (<b>Dominique Devenport</b>, 26). Das in höfischen Konventionen unerfahrene Mädchen stellt vor allem die Geduld ihrer Schwiegermutter, Erzherzogin Sophie (<b>Désirée Nosbusch</b>, 57), auf die Probe, erweist sich allerdings auch als eine wichtige Stütze für den jungen Kaiser. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="848051_image" /></div> <BR /><BR />In Staffel 2, wieder im eher nördlich kühlen Licht Litauens und Lettlands gedreht, schenkt Sisi Franz den ersehnten Thronfolger (Kronprinz Rudolf). Und eigentlich sollte die Geburt ihres Sohnes das Glück des Kaiserpaares perfekt machen. Stattdessen ist es der Anstoß für Machtkämpfe in Europa: Otto von Bismarck (<b>Bernd Hölscher</b>, 51) droht damit, Österreich in einen neuen Krieg zu treiben. Sisi versucht mit aller Kraft, für ihren Mann und ihr Volk da zu sein. Als sie in politischer Mission nach Ungarn reisen muss, trifft sie auf eine Welt, die sie in vielerlei Hinsicht neu aufblühen lässt und einen Mann, mit dem man Pferde stehlen kann: Graf Andrássy (<b>Giovanni Funiati</b>, 31). <BR /><BR />Auch wenn die Mini-Eventserie entschlankt wurde, pathetische Musikuntermalung und Hochglanzlandschaftsaufnahmen sind dennoch geblieben. Ebenso die Opulenz in punkto Dekor und Ausstaffierung. 250 Kostüme wurden genäht, davon allein 72 für Sisi. <BR /><BR />„Kitschelemente sind natürlich da“, erklärte die Luzerner Schauspielerin Devenport im APA-Interview zur ersten Staffel 2021. „Aber es ist uns gelungen, Sisi als Mensch mit Bedürfnissen und Ängsten zu zeigen, der Fehler begeht, wütend wird. Ich hatte das Gefühl, dass bei den Filmen (aus den 50er-Jahren, An.m d. Red.) kein Mensch gezeigt wird, an den man andocken kann, sondern eine Perfektion, eine Fee.“ Auch die Franz-Sisi-Liebesgeschichte wird aus einer anderen Perspektive gezeigt. „Kaiser Franz Joseph, der jung war und versucht hat, seine untergehende Monarchie aufrecht zu erhalten, war nicht immer süß und romantisch – die Darstellung dieser ambivalenten Beziehung gefällt mir gut“, so Devenport. <BR /><BR />Dominique Devenport ist die Tochter eines US-amerikanischen Vaters und einer Schweizer Mutter. Anders als Romy Schneider damals lässt sich die Absolventin der Münchner Otto-Falckenberg-Schule nicht auf die Sisi-Rolle reduzieren. Devenport debütierte 2012 im SRF-Drama „Nebelgrind“, ein Jahr später spielte sie im Kinofilm „Nachtzug nach Lissabon“ neben Superstar <b>Jeremy Irons</b> (73). Außerdem stand sie für die Filme „Der Passfälscher“ und „Davos“ vor der Kamera und ist festes Ensemblemitglied am Volkstheater Rostock. Als „typisch schweizerisch“ – so schreibt der „Blick“ – erachtet sie ihre Pünktlichkeit und Höflichkeit, amerikanisch an ihr sei die direkte und offene Art.<BR /><BR />Die Geschichte von Elisabeth ist auch mit der zweiten Staffel übrigens noch nicht auserzählt. ObRTL eine dritte „Sisi“-Staffelliefert, ist noch nicht bekannt.<BR />