Donnerstag, 24. November 2016

Themenabend: Ausverkauf der Alpen: Tourismus um jeden Preis?

Am Mittwoch, den 30. November 2016 um 20:00 Uhr, zeigen der Alpenverein Südtirol und der Verein Geschichte und Region/Storia e regione in Zusammenarbeit mit dem Filmclub den ersten Teil der „Piefke-Saga“. Im Anschluss diskutiert Stephanie Risse mit Liliana Dagostin (Umweltrechtlerin ÖAV), Hans Heiss (Tourismushistoriker) und Thomas Gruber (HGV-Direktor) über die Möglichkeiten und Grenzen der touristischen Erschließung der Alpen.

Der Parkplatz Sellajoch in früheren Jahren. - Foto: Südtiroler Landesarchiv
Der Parkplatz Sellajoch in früheren Jahren. - Foto: Südtiroler Landesarchiv

28 Millionen Nächtigungen in mehr als 10.000 Beherbergungsbetrieben verzeichnet das Tourismusland Südtirol jedes Jahr. Und die Touristen wollen hier nicht nur schlafen, sondern etwas erleben. Was, darüber gehen die Meinungen bei den verschiedenen Akteuren auseinander: Während die einen den massiven Aus- und Aufbau von Skigebieten, alpiner Fun-Architektur und anderer touristischer Infrastruktur als einzigen Weg sehen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, plädieren die anderen für einen nachhaltigen, sanften Tourismus.

Filmclub zeigt erster Teil der Kult-Filmreihe „Piefke Saga“

Am 30. November zeigen wir im Rahmen des Themenabends „Ausverkauf der Alpen: Tourismus um jeden Preis?“ den ersten Teil der Kult-Filmreihe „Piefke Saga“. Die satirische und tragikomische Miniserie von 1980 des Nordtiroler Schriftstellers Felix Mitterer über das Verhältnis zwischen deutschen Touristen und Einheimischen ist eine Gesellschaftskritik über die Folgen eines hemmungslosen Fremdenverkehrswesens und ist auch nach mehr als 25 Jahren topaktuell.

Podiumsdiskussion im Anschluss

Nach dem Film diskutiert Historikerin Stephanie Risse mit Hans Heiss (Tourismushistoriker), Thomas Gruber (HGV-Direktor) und Liliana Dagostin (Umweltrechtlerin Österreichischer Alpenverein) über die Aktualität der im Film karikierten Tourismusgesellschaft.

Braucht es eine Nachdenkpause in Sachen touristische Erschließung der Alpen? In den vergangenen Jahrzehnten hat die Branche ihr Angebot in den Alpen immer mehr aufgerüstet. Sie wirbt heute mit hochmodernen Skiliften, Luxushotels und Sportevents. Die Alpen gleichen einem Freizeitpark - der nicht nur auf Begeisterung stößt: Immer weniger Menschen fahren Ski. Vielen ist das Vergnügen in den Bergen schlichtweg zu teuer geworden.

Wohlstand vs. Naturschutz

Dem Drang sämtlicher Betreiber nach touristischer Bedürfnisbefriedigung hat dieser Trend bisher keinen Abbruch getan, im Gegenteil: Sie erschließen immer mehr Gebiete, feiern Fusionen immer größerer Skidestinationen - vielfach auf Kosten kleiner Tourismusorte und kleinräumiger Kulturlandschaften, die vom Markt verschwinden. Das sei Raubbau an der Natur durch übertriebene Investitionen und unseriöser Wettkampf um Gäste, werfen Naturschützer den Unternehmern vor.

Blick auf die Tourismusgeschichte

Das sei die Grundlage von Wohlstand, kontern diese. Wie weit dürfen wir gehen, um Touristen in die Alpen zu locken? Was ist für Natur und Menschen noch verträglich? Diese Fragen werden von unseren Gästen ebenso thematisiert wie jene, was wir im Blick zurück, auf die lange Tourismusgeschichte Südtirols, für unsere Gegenwart und Zukunft lernen können und vor allem, was der Tourismus, das ständige Sich-Bewerben und Sich-Präsentieren, mit einer Gesellschaft macht.

stol

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