Dienstag, 27. Oktober 2015

Aus dem Müll zurück

Sie dachten, es sei Müll und behandelten es dementsprechend: Am Samstag hat das Reinigungspersonal des Museion ein Kunstwerk entsorgt. Nun hat das Museum für zeitgenössische Kunst die Installation aus den Plastiksäcken zurückgeholt.

Wie das Museion an Dienstag mitteilte, wurde die Arbeit der Künstlerinnen Goldschmied & Chiari vollständig wieder hergestellt. Das Werk kann im Atelierhaus bis zum 22/11 besichtigt werden.

Die Rauminstallation ist Teil des italienweiten Ausstellungsprojekts „L’Albero della cuccagna. Nutrimenti dell’arte” („Der Kletterbaum. Ernährung durch Kunst“), das von Achille Bonita Oliva kuratiert wird.

Goldschmied & Chiari inszenieren die Überreste eines beendeten Fests, das hier zur Metapher für die achtziger Jahre wird. Dieses Jahrzehnt wird dann auch als Epoche des hemmungslosen Konsums, verstanden, oder, mit anderen Worten, als italienisches Schlaraffenland. Der Titel dieser Arbeit bezieht sich auf einen 1988 erschienenen italienischen Diskothekenführer („Wohin gehen wir heute Abend tanzen“). Verfasser war der damalige Außenminister Gianni De Michelis.

Museion: Bedauern sehr, was geschehen ist

„Wir bedauern sehr, was mit der Arbeit der beiden Künstlerinnen geschehen ist. Der Vorfall ist die Folge eines Missverständnisses mit dem Personal der Reinigungsfirma“, schreibt das Museion.

Mit diesem Vorfall habe man eine intensive Debatte in den Medien und in den sozialen Netzwerken ausgelöst, auch auf internationaler Ebene. „Das zeigt wieviel Interesse für Gegenwartskunst besteht aber auch wieviel Irritation sie auslösen kann. Wir verstehen es als unsere Aufgabe, diesen Dialog weiterzuführen und haben deswegen immer schon verschiedene Vermittlungsangebote für alle Publikumsgruppen im Programm.“

Die kostenlose Donnerstagabend-Führung wird diese Woche vom Werk von Goldschmied & Chiari ausgehen und auch der nächste Termin der Reihe „Im Kontext“ ist diesem Thema gewidmet. 

stol