Freitag, 01. Dezember 2017

Gerhard Richter schenkt Münster ein Foucault'sches Pendel

Das westfälische Münster hat ab Frühsommer 2018 ein ganz besonderes Kunstwerk: In der barocken Dominikanerkirche, die seit kurzem profaniert ist, realisiert der weltberühmte deutsche Künstler Gerhard Richter in 29 Metern Höhe ein Foucault'sches Pendel. Mitten in der Stadt soll man damit künftig Meditation lernen können. Für Besucher wird es von Frühsommer 2018 an zugänglich sein.

Gerhard Richter in der Dominikanerkirche in Münster Foto: APA (dpa)
Gerhard Richter in der Dominikanerkirche in Münster Foto: APA (dpa)

Mit einem Foucault'schen Pendel kann die Erdrotation nachgewiesen werden. „Mich hat das fasziniert”, sagt der 85 Jahre alte Künstler bei der Vorstellung des Konzepts am Donnerstag in Münster über das Foucault'sche Pendel. Der Physiker Leon Foucault hat mit dem Pendel 1851 den Nachweis erbracht, dass sich die Erde im Sonnensystem um sich selbst dreht. Nach der Wiederholung seiner Versuchsanordnung im Pantheon in Rom erkannte die katholische Kirche erstmals das heliozentrische System Galileis und Newtons an.

”Ich finde es so passend für diesen Ort”, sagt Richter. Schon seit zehn Jahren habe er das Pendel realisieren wollen - nur ein Ort dafür habe gefehlt. Auf Einladung von Kasper König, dem künstlerischen Leiter der internationalen Ausstellung Skulptur Projekte in Münster, kam er dann in die westfälische Stadt und stieß so auf die Dominikanerkirche.

”Es ist ein markanter Impuls für Münster als international wahrgenommener Kulturstandort”, sagt Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU). Der Stadtrat hat der Schenkung bereits zugestimmt. 650 000 Euro soll die Realisierung kosten - neben der Stadt wollen private Geldgeber bei der Finanzierung helfen. In einem ersten Schritt werden für die öffentliche Hand zunächst 50.000 Euro fällig.

Das Pendel soll später aus der 29 Meter hohen Kuppel der Kirche herabhängen. Für die Nord- und Südwand unter der Kuppel werden vier große rechteckige Glastafeln gefertigt, in denen sich die Bewegungen des Pendels und die Besucher spiegeln werden. Die 35 Kilogramm schwere Kugel soll dann über einer kreisrunden Bodenfläche schwingen.

Für Besucher wird es voraussichtlich ein sehr meditativer Ort werden: Während das Pendel ununterbrochen schwingt, wird sich die Ebene unter der Kugel langsam nach Osten drehen. Pro Stunde beträgt die Drehung rund zwölf Grad.

apa/dpa

stol