Für ihn sind Weltbilder nur temporäre Bestandsaufnahmen, Kultur ist ja die Essenz des Menschseins schlechthin und Schönheit bleibt für den Künstler eine subjektive Form von Wahrheit.<BR /><BR /><BR /><b>Können Sie sich an Ihr erstes Werk erinnern, das Sie erschaffen haben?</b><BR />Gino Alberti: Diese Erinnerung ist sehr verschwommen. Das Bewusstsein, ein Werk zu schaffen, war zuerst gar nicht vorhanden. Nur die Lust am Tun stand und steht immer noch im Mittelpunkt meines Schaffens.<BR /><BR /><b>Welches Werk/Mensch hat Sie bewogen, diesen Weg einzuschlagen?</b><BR />Alberti: Der Drang, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und die Dinge die mich interessieren aus meinen Vorstellungen heraus zu schöpfen und zu entwickeln, haben mich auf diesen Weg gebracht. <BR /><BR /><b>Gibt es ein Ereignis, das Ihr Weltbild total verändert hat?</b><BR />Alberti: Das ist eine schwierige Frage, da ich kein fixes Weltbild im Lauf meines Lebens entwickelt habe. Vielmehr vertrete ich die Überzeugung, dass Weltbilder nur temporäre Bestandsaufnahmen sind.<BR /><BR /><b>Mehr denn je hat sich in dieser Zeit gezeigt, dass die Gesellschaft Kultur braucht, weil…</b><BR />Alberti: ....Kultur ist ja kein Freizeitvergnügen der Bourgeoisie. Kultur ist ja die Essenz des Menschseins schlechthin. Vielen Menschen ist ja gar nicht bewusst, dass gerade der schöpferische Freiraum es erst möglich macht, Dinge neu zu denken oder zu erfinden. Die Kunst ist ja nur ein kleiner Ausschnitt der komplexen kulturellen Wirklichkeit. <BR /><BR /><b>Wer ist für Sie der bedeutendste Künstler der Geschichte?</b><BR />Alberti: Wir sind alle Töchter und Söhne unserer Zeit. Das, was vor 30 Jahren noch groß gefeiert wurde, findet heute bei der jungen Generation kaum noch Anklang. Das geht mir persönlich genauso. Vieles, was ich vor 40 Jahren noch für bedeutend hielt, war Ausdruck jugendlicher Unkenntnis. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass es viele bedeutende Künstler und Künstlerinnen gab und gibt, die ihrer Zeit stets voraus waren. <BR /><BR /><b>Welche Frage würden Sie ihm gerne stellen?</b><BR />Alberti: Ich muss keine Fragen stellen. Die Antworten geben die Künstler und Künstlerinnen selbst mit ihrem Werk. <BR /><BR /><b>Was bedeutet für Sie Schönheit?</b><BR />Alberti: Schönheit ist eine subjektive Form von Wahrheit. <BR /><BR /><b>Der französische Poet Théophile Gautier prägte den Begriff „L’art pour l’art“ (Kunst der Kunst willen) und machte so 1835 erstmals die Kunst selbst zum Thema. Einen Luxus, den man sich heute noch leisten kann?</b><BR />Alberti: Das ist ein Luxus, den man sich unbedingt leisten muss. Die Kunst wird ihren Bezug zur Realität nie leugnen können, auch wenn sie sich noch so sehr bemüht, autonom zu sein. Kunst ist immer ein Spiegel von irgend etwas, sei es nun ein ganz persönlicher Gedanke, der Entwurf einer gesellschaftlichen Utopie oder eine kunstimmanente formale Theorie.<BR /><BR /><b>Und was würden Sie gerne einmal einem Kunstkritiker sagen?</b><BR />Alberti: Ich muss gestehen, dass ich noch nie einem typischen Kunstkritiker begegnet bin. Meine Gespräche mit Kunsthistorikern finden auf einer gleichberechtigten Kommunikationsebene im gegenseitigem Austausch statt.<BR /><BR /><b>Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?</b><BR />Alberti: Diese Frage könnte man philosophisch oder marktwirtschaftlich beantworten. Die marktwirtschaftliche Denkweise hat immer ein vordefiniertes Ziel im Blick. Der philosophische Blick hingegen richtet sich auf das Sein des Menschen im Kontext seiner Zeit. Auf mich persönlich bezogen, so habe ich absolut keine Ahnung, wo ich in 5 Jahren bin. <BR /><BR /><b>Harmonie bedeutet für mich…</b><BR />Alberti: ...unvermeidlichen Konflikten und Problemen zugewandt und konstruktiv lösen. <BR /><BR /><b>Mein Ort der Harmonie ist…</b><BR />Alberti:...mein Atelier. Hier befindet sich mein Alter Ego mit dem ich meine imaginären Gespräche führe. An diesem Ort werde ich von niemanden kritisiert oder zurechtgewiesen. Die sogenannten „Fehler“ sind Teil des Prozesses und werden nicht als Probleme betrachtet.<BR /><BR /><b>Die „Whos“ des Künstlers…</b><BR /><BR /><b>Name:</b> Gino Alberti<BR /><b>Beruf:</b> Künstler<BR /><b>Alter:</b> 59<BR /><b>Geburtsort:</b> Bruneck<BR /><BR /><b>Wo Sie schon überall gelebt haben:</b> Florenz, Berlin, Kiel, Wien<BR /><BR /><b>Wo Sie jetzt leben:</b> Bruneck und Wien<BR /><BR /><b>Wie war Ihr Werdegang zum Künstler:</b> Ich beschäftige mich seit meinem 19 Lebensjahr ausschließlich mit Design, Illustration und Kunst.<BR /><BR /><b>Was haben Sie studiert:</b> Design und Kunst<BR /><BR /><b>Wo haben Sie schon überall ausgestellt:</b> Im In- und Ausland<BR /><BR />