<b>Von Eva Gratl</b><BR /><BR />Der zum zweiten Mal vergebene und mit 8900 Euro dotierte Preis forderte von den Künstlern und Künstlerinnen Zwischentöne, gleichzeitig sollten die Arbeiten der Kunstschaffenden sich mit Kunstwerken Martin Rainers konfrontieren und in eine fruchtbringende Zwiesprache bringen. Die diesjährige von einer Jury auserkorene Preisträgerin Letizia Werth weist in ihrer künstlerischen Karriere bereits zahlreiche Auszeichnungen auf. Die Künstlerin im Gespräch...<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1017018_image" /></div> <BR /><BR />Sie arbeitet meist in Serien, die Themen reichen von Landschaft über Porträts bis hin zu Videos und installativen Formen. Ihre Werkreihe „Talking rooms“ nähert sich dem Psychoanalytiker Sigmund Freud, dessen Gedanken und Räume. <BR /><BR /><BR />Die Jury beschloss außerdem, 2 gleichwertige Anerkennungen auszusprechen. Die erste geht an <i>Sonia Leimer,</i> die sich mit Zwischenstadien und Übergängen vor allem in räumlicher Hinsicht auseinandersetzt. Ihre Objekte und Installationen sind Variablen im Übergang zwischen dem Räumlichen, dem Materiellen und den möglichen Handlungen, die sie evozieren. Die zweite lobende Erwähnung wurde an <b>Hannes Egger</b> ausgesprochen. Dessen Arbeiten thematisieren bedeutende gesellschaftliche Ereignisse, welche der Künstler anhand von performativen Aktionen und Ortsverschiebungen in unsere aktuellen Vorstellungswelten und Diskurse übersetzt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1017021_image" /></div> <b>Wie fühlt man sich als Preisträgerin des Martin Rainer Preises?</b><BR />Letizia Werth: Gut, ich freue mich sehr über den Preis.<BR /><BR /><BR /><b>Martin Rainer gehört einer ganz anderen Generation an, vielleicht kennen ihn heutige Kunstschaffende oft nicht mehr. Er verstand seine Kunst als räumliches und sinnbildendes Gestalten. In der Ausschreibung heißt es: Eine Bewerberin/ein Bewerber für den Preis sollte für die zentralen Gestaltungsauffassungen Martin Rainers sensibel sein und diese im eigenen Kunstschaffen bekunden. Wie gelang Ihnen diese Annäherung?</b><BR />Werth: Ja, es stimmt natürlich, Martin Rainer gehört zu einer anderen Generation und im Zuge des Wettbewerbs habe ich mir sein Werk näher angeschaut. Heutzutage gibt es zahlreiche Kunstformen und vielfältige Herangehensweisen und doch ist die Conditio Humana, das Menschsein mit seiner Verletzlichkeit gleich geblieben. Gerade diese Gegenüberstellung der 2 Werke, mein Bild, ein gezeichneter leerer Raum und die stehende Figur finde ich sehr interessant und gerade beim Aufbau ist mir bewusst geworden, wie sich beide Arbeiten berühren in den Themen Vergänglichkeit und Raum.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1017024_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie haben sich schon einmal mit einer Persönlichkeit der Vergangenheit auseinandergesetzt, nämlich mit Sigmund Freud. Dabei spiegeln sich nicht nur Freuds Arbeitsräume in Ihrer Arbeit, sondern auch „die Gedankenströme, die Vagheiten der Assoziationen, die dort Eingang in die Psychoanalyse fanden“. Was fasziniert Sie an der Auseinandersetzung mit Vergangenheit?</b><BR />Werth: Entscheidungen und Ideen aus der Vergangenheit prägen unsere Gegenwart und natürlich gestalten wir wiederum die nächste Zukunft. Ich empfinde die Zeit als etwas Fließendes und dadurch schwer Greifbares. Mich interessiert die Vergangenheit insofern, als dass sie in die Jetztzeit greift und so sehe ich meine Arbeit als einen unmittelbaren Prozess des Einverleibens und Verdauens von zeitgenössischen Gedankenströmen. Er ist vergleichbar mit dem Fluss der Atemluft beim Ein- und Ausatmen, dem Innehalten sowie Loslassen und genau so halte ich die Zeit für ein paar Momente fest und bewege mich in neue Bildwelten hinein.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1017027_image" /></div> <b>Einzureichen war für den Preis die Dokumentation dreier Werke, deren Entstehung sich über einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren verteilt. Sie haben sich</b> ja im Laufe der Zeit verändert. Wofür hatten Sie sich entschieden? <BR />Werth: Die Entstehung von Kunstwerken ist oft kein gradliniger Prozess und am Weg liegen Hindernisse, es gibt Umwege und Sackgassen. Manche Werke führen ein Eigenleben, sie wachsen und entfalten sich, so wie sich Personen entwickeln. Für den Wettbewerb ist meine Auswahl auf meine Werkreihe Talking Rooms, eine Reihe von Zeichnungen zu den Arbeitsräumen des Dr. Freud in der Berggasse gefallen. Es sind sehr eigenwillige und rätselhafte Arbeiten, die uns zeigen, wie Menschen und Räume durch Ahnungen und Abwesenheit geprägt werden.<BR /><BR /><BR />Termin: Im Freskensaal der Stadtbibliothek Brixen ist „im Übergang“ bis 20.4. zu sehen. Dabei steht einem Kunstwerk Rainers eines von Werth gegenüber.<BR /><h3> Vita Letizia Werth</h3><BR />Die Künstlerin wurde 1974 in Bozen geboren, sie lebt und arbeitet in Wien. <BR />STUDIUM: 1994-99 Malerei, Akademie der bildenden Künste Wien, Diplom – 1997-98 School of Art, Glasgow – 1993-94 Kunstgeschichte, Universität Wien <BR />STIPENDIEN: 2024 upcoming Residence in Lademoen Kunstnerverksteder Trondheim Norwegen – 2021 Cité Internationale des Arts, Paris, Atelierstipendium des Bundes – 2012-19 Förderatelier des Bundes, Wattgasse Wien – 2013 Aufenthalt in Chongqing, China, Atelierstipendium des Bundes – 2011 Aufenthalt in New York, in Kooperation mit Open Source Gallery, NYC – 2010 Residence in Kunming, China, gefördert von der Südtiroler Landesregierung – 2005 Aufenthalt in New York, gefördert von der Südtiroler Landesregierung – 2004 Staatsstipendium für Bildende Kunst, Bundesministerium.<BR /><h3> Vita Martin Rainer</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1017030_image" /></div> <BR />Der Künstler wurde geboren1923 in Obvernagt (Schnalstal). Nach dem 2. Weltkrieg und der Kriegsgefangenschaft besuchte er die Kunstschule St. Ulrich bei Meister Luis Piazza. Anschließend studierte er Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Henselmann. 1964 übersiedelte er nach Brixen, wo er bis zum Tode 2012 lebte und arbeitete. Er schuf neben „freien Werken“, auch Auftragsarbeiten. Ehrungen: 1976 Walther-v.-d.-Vogelweide-Preis, Ehrenzeichen des Landes Tirol, 1996 Mozart-Preis der Baseler Goethe-Stiftung, Ehrenbürger der Gemeinde Schnals, 2012 Ehrenmitglied des Südtiroler Künstlerbundes.<Rechte_Copyright></Rechte_Copyright><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />