Donnerstag, 28. Januar 2021

Weltraumschrott als Inspiration

Sonia Leimer mit „Space Junk“ im Bozner Museion: Die letzte noch von der scheidenden Museion-Direktorin Letizia Ragaglia betreute Personale, an der auch Frida Carazzato mitgewirkt hat, ist einer Südtiroler Künstlerin gewidmet.

„Space Jung“ im Museion.
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„Space Jung“ im Museion. - Foto: © ehm
Da das Museion jedoch noch geschlossen ist, sind Bilder, Texte und ein Interview auf www.museion.it bzw. im Museion-Bulletin abrufbar.

Sonia Leimer (*1977 Meran, lebt in Wien) stellt sich erstmals in einem Museum auf italienischem Staatsgebiet vor und hat einen krisengeschüttelten Zeitpunkt erwischt, der ihren Irritationen den passenden Rahmen verleiht. Dass über unseren Köpfen letzten Berichten zufolge etwa eine Million Teile von Technikschrott um die Erde schwirren und nicht nur Raumexpeditionen und Satelliten gefährden, sondern auch mit schlimmen Folgen abstürzen können, ist kein angenehmer Gedanke. Leimer rekonstruiert solche Objekte, die beim Eintritt in die Atmosphäre teilweise verbrennen. Fünf derart „beschädigte“ Metallskulpturen verschiedener Größe bilden also die Werkserie „Space Junk“.


Zudem hat Leimer, die auch Architektur studierte, den großen Saal im vierten Stock mit einem geschwungenen Raumteiler ausgestattet. Auf der mit grauer Magnetfarbe überzogenen Vorderseite sind ihre Serigrafien aus neuen, für die Raumfahrt erfundenen Materialien („Weltraumsalat“; „Blinder Fleck“) angebracht, die weiße Rückseite wird zur Projektionsfläche für den Videofilm „Eden Antarctica“. Darin werden am Beispiel einer deutschen Forschungsstation in der Antarktis (Projekt Eden SS) experimentelle Anbaumethoden von Lebensmitteln unter lebensfeindlichen (Labor-) Bedingungen thematisiert. Einerseits zeitigt dieser enorme technologische Fortschritt begründete Zukunftshoffnung für das Überleben in unwirtlichen Zonen, andererseits bleibt der historische Widerspruch ungelöst, dass die angesagte Hochrüstung jederzeit auch destruktiv wirken könnte.

Die Fragilität des aktuellen Erdenzustands ist auch in der Reihe „Earthwork“ mitgedacht, in der Plastiken aus ungebranntem Ton in bunten Stoffbahnen zu delikaten Objekten heran trocknen und dabei farbige Abdrücke hinterlassen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum Sonntag.

ehm

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