Mittwoch, 17. August 2016

31. Literaturtage Lana: Österreichische Szenen zwischen Schauder und Schmäh

Bitter ist er, schwarz, skurril, ironisch und kaum ohne Charme dessen, der selbst die Katastrophe in heiterer oder mürrischer Gelassenheit ertragen kann. Dem Weinen ebenso nahe wie dem Lachen, ist der österreichische Humor einer der hintergründigsten und doppelbödigsten; keine Komödie, die nicht auch Tragödie, und keine Verzweiflung, die nicht auch Trost wäre.

Die Dichterin Ann Cotten hat eien überraschend, dennoch frechen Stil. - Foto: privat
Die Dichterin Ann Cotten hat eien überraschend, dennoch frechen Stil. - Foto: privat

Ihm widmen sich die 31. Literaturtage Lana vom 24. – 26. August im Schallerhof und erproben das österreichische Lachen: das liebe, das böse, das ohnmächtige, das zerstörerische, das enthemmte oder das unerhörte. Wo der Humor das Schwache erhebt und das Starke belächelt, wo er das Scheitern heiter feiert und vor der Eitelkeit fröhlich die Flucht ergreift, ist er Rebell gegen eine falsche Welt und Anwalt der Unzulänglichkeit menschlicher Existenz.

Österreich findet seinen Humor wieder

Österreich kennt den Humor in seiner Kraft des Widerstands und in seiner intellektuellen Schärfe, die im jüdischen Witz fest verwurzelt ist, seit Langem. Das Melancholische und Düstere, das Bitterböse und Sarkastische zeichnet ihn ebenso aus wie die Selbstironie, die Sprachkritik und Poesie oder der Schmäh und der Schalk.

Mit Humor Position beziehen

Mit seinen aktuellen Protagonistinnen stellen die Literaturtage Lana den österreichischen Humor auf die Bühne und werden eröffnet mit David Schalko. Seine Serien „Braunschweig“ oder „Altes Geld“ haben Kultstatus erreicht und stehen in ihrem bissig grotesken Intellekt und in ihrer tiefschwarzen Seele den bösen Witz und den ätzenden Geist einem Thomas Bernhard um nichts nach. Das alles kommt bei Schalko, der sich nicht zuletzt mit seinen politischen Stellungnahmen eine klare Position errungen hat, in einer wehmütigen Geschwätzigkeit und in einem Witz daher, der den Abgrund zwar tief, aber nicht endgültig erscheinen lässt.

„Graphic Novel“ des Klassikers

Thomas Bernhard, dem großen Meister der Tragikomödie, widmet das Festival einen Aspekt mit dem vielfach ausgezeichneten Comiczeichner Nicolas Mahler. Er präsentiert am Freitag, 26.08. den Roman „Alte Meister“ als Graphic Novel und stellt dieses neue literarische Genre als brillante und vergnügliche Bildkunst vor.

Echos aus der Vergangenheit

Einer höchst spannenden Spur gehen Hanno Millesi und Xaver Bayer nach, die verschollene, in Zeitschriften publizierte Texte österreichischer Autoren aus den 1970er Jahren sammeln und am 25.08. zum ersten Mal vorstellen.

Damen bringen Ironie und Verstand an den Tisch

Die vielfältige, kecke und stets überraschende Dichterin Ann Cotten, deren Reime einem den Verstand um die Ohren peitscht, liest am Donnerstag, 25.08. aus ihrem jüngsten Werk, während die Künstlerin Kerstin Cmelka das Drama „Change“ des legendären Wolfgang Bauer in einer Performance-Lecture adaptiert und mit beißender Ironie und unvergleichlicher Verve die Geschichte einer Manipulation erzählt.

Obskur und merkwürdig

Klaus Händl, der auch als Filmemacher und Theaterautor erfolgreich ist, erzählt mit viel hintergründigem Witz und in düster merkwürdigen Szenen, die auf unvordenkliche Weise kippen, über im Stich gelassene und beherzte Kinder, Tiere und Bauern.

Unterhaltend – im Dialekt

Schließlich aber gibt Voodoo Jürgens, dieser jüngste Austro-Pop-Künstler und Wiener Dialektsänger, in einem Konzert seine skurrilen, originellen, schrägen, romantisch-morbiden Lieder zum Besten – „so gut, so nachvollziehbar, so unterhaltend, so cool, witzig und echt, dass einem die Kinnlade offen stehen bleibt.“

stol

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