Dienstag, 28. April 2020

Südtiroler dichten für STOL – Teil 4

Vieles von dem, was wir gerne tun, ist derzeit nicht möglich. Aber es gibt kleine Dinge, über die wir uns freuen können. Die Sprachstelle im Südtiroler Kulturinstitut lädt dazu ein, diese aufzuschreiben und STOL veröffentlicht die Texte.

Jetzt ist Kreativität gefragt.
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Jetzt ist Kreativität gefragt. - Foto: © dpa-tmn / Christin Klose
Schicken Sie Kürzesttexte von maximal 400 Anschlägen inklusive Leerzeichen oder Kürzestgedichte (ca. 5 kurze Zeilen) per E-Mail an Sprachstelle des Südtiroler Kulturinstituts ([email protected]). Die Texte können auch nur aus einem längeren Satz bestehen.
Wichtig: Nennen Sie Ihren Vornamen, Nachnamen und Wohnort. Mitmachen können Erwachsene, Jugendliche oder auch Kinder. Kinder werden gebeten, zusätzlich zu ihrem Namen und Wohnort auch ihr Alter anzugeben. Die schönsten Beiträge erscheinen hier auf STOL.
Worüber ich mich trotzdem freue

Zwischen all dem Leid, dem Verzicht und der Absurdität des Augenblicks freut mich vor allem eines. Zu sehen, zu hören, zu fühlen, was fehlt. Der Mensch dekliniert das eigene Sein und findet zur Essenz desselben. Dies ist die Stunde der ganz persönlichen Intimität.
Christoph Waldboth, Wien/Bozen


Widr vorbei a Tog in Qarantäne,
hueml verdruck i a Träne.
An Umormung, an Händedruck,
des winschet i mer sou gern zruck.
Ober erscht iatz werd mer klor,
wia selbstverständlich des fir mi wor.
Olls auf wos mer iatz verzichtn miassn,
wer mer drnoch um sou mehr geniassn.
Alexander Pfitscher, Meran


Diese Stille und diese Ruhe, kein Stress mehr, kein ich muss noch dies oder das erledigen. Die Vögel zwitschern hören und lesen dürfen, wie die Tiere in der Natur wieder ihre Freiräume nutzen und genießen. Zeit sich zu sammeln und träumen. Ich hoffe, wir können uns und unserer Natur einen Teil davon erhalten, einsichtiger, respektvoller und demütiger werden.
Daniela Raifer, Meran


vergissmeinnicht

vorbei an diesem tulpenmeer
hand in hand mit dir werde ich
meine ersten schritte wagen
vergiss die welke rose nicht
die uns einst verband
Claudia Polver, Bozen


Ich freue mich über die Leichtigkeit des Seins,
wenn ich im Garten in der Hängematte vor mich
hin döse und meine 10jährige Nichte Sophie mir
zuruft: „Tante was machst du gerade?“
Edith Oberegger, St. Georgen


Statt MEBO-Lärm quakt
Im kirschblütenweißen Teich
Die Froschgemeinschaft.
Hanna Battisti, Girlan


Wie herrlich ist es an diesen warmen, sonnigen Frühlingstagen durch den eigenen Garten zu spazieren und sich an Blumen, Düften und Farben zu erfreuen!
Es ist ein Erlebnis für alle Sinne!
Michaela Tumler, Schlanders


Saubere Luft ein- und ausATMEN
die Stille HÖREN, in ihr eintauchen
den Körper, die Erde SPÜREN
Wurzelverbindung nach unten
Himmelverbindung nach oben
Herzverbindung online.
All-eins-sein
Heidi Pichler, Meran


Als ich nach vielen Tagen der Quarantäne
wieder vor die Türe trat,
und er mich anstrahlte mit seinem Weiß,
sagte ich einfach nur: - Wow! –

„Ich bin frei!“ ruft der Vogel.
„Ich bin frei!“ ruft die Wolke.
„Endlich bin ich frei!“ ruft der Himmel.
Und tatsächlich, kein einziger Kondensstreifen zeigt sich dort.
Marialuise Joas, Kaltern


Sonne
Himmel makellos blau
und Zeit
viel Zeit zum Genießen
Verena Frasnelli, St. Jakob/Leifers


Die Altstadt schläft.
Der Wind tanzt
durch das offene Fenster,
und ein paar Noten.
Allegro Andante,
das Solo einer Amsel.
Ein neuer Morgen.
Isabella Pedrotti, Bozen


Tageshell berührt die Augenlider,
Sie öffnen sich und Dein Bild erscheint wieder.
Der Zeiger der Uhr berührt die Sieben,
Die Welt ist hörbar, oh Vöglein ihr lieben.
Am Balkon stehend mit Blick am sonnigen Hang,
Du wärst ja so nah, und groß ist der Drang.
Ich schließ die Augen, wir sind wieder nah
Ich weiß Dich geborgen, im Herz ich grad sah
Ein gutes Gefühl, ein Zufall geschieht
Und wieder wird klar, dass Gott uns stets sieht.
Fünf Wochen sind's nun, oh Töchterchen
Wir sehen uns! - Wir werden uns wiedersehn!
Matthias Weithaler, Klausen


Corona hin Corona her
die Straßen sind leer
Nur Vögel die zwitschern
und Tiere im Meer ....

warum macht uns das so leer?
Eva Valtingojer v. Grebmer, Schenna


Zeitloses Zerwürfnis

Begeisterung bei bahnbrechenden Bananen-Blaubeer-Birnenbrot-Rezepten,
Freude für fadenspieliges Ficchus-Fachkundln,
Hoffnung hausiert in hochachtungsvoll-hartnäckigen Heimarbeiten,
Inspiration im inbrünstigen Immerkraut-Sähen,
Lebensfreude liebkost latent-lodernde Liebe.
Zuversicht.
Elisa Eisenstecken, Südtirolerin in Innsbruck




eva